Prüfung der Monsanto-Übernahme zieht sich Bayer-Chef muss um seinen größten Deal zittern

Bayer-Chef Werner Baumann kann sich zwar über üppige Gewinne freuen. Doch sein größter Deal ist längst noch nicht in trockenen Tüchern: Die Kartellbehörden in Europa und USA prüfen die geplante Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto gründlich.
Bayer-Chef Werner Baumann braucht Geduld: Kartellbehörden prüfen die Übernahme von Monsanto gründlich

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Besonders die Wettbewerbshüter fürchten, dass die Fusion Bauern zu wenig Auswahlmöglichkeit bei Saatgut und Pestiziden beschert. Baumann muss noch viel Geduld mitbringen und kräftig für den Deal werben, denn für ihn steht viel auf dem Spiel.

Knapp ein Jahr nach seinem Antritt als Vorstandsvorsitzender von Bayer  und ein halbes Jahr nach der Einigung auf einen Zusammenschluss hängt der 66 Milliarden Dollar teure Deal in der Luft. Und es ist keineswegs sicher, dass er erfolgreich zum Abschluss gebracht wird, wie es sich die Konzernlenker in Leverkusen und St. Louis im US-Bundesstaat Missouri wünschen.

An diesem Mittwoch darf sich Baumann aber zurücklehnen und über die üppigen Früchte des Geschäftsjahres 2016 freuen. Angetrieben durch das Pharmageschäft und mit erfolgreichen neuen Medikamenten legte Bayer erneut gute Ergebnisse vor.

Im vierten Quartal 2016 kletterte der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um fast 14 Prozent auf 2,179 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt 2,09 Milliarden Euro erwartet. Der Umsatz erhöhte sich um knapp fünf Prozent auf 11,82 Milliarden Euro.

Der Nettogewinn sank jedoch wegen Sonderaufwendungen - unter anderem Abschreibungen auf das Verhütungsmittel Essure und im Bereich Consumer Health - um mehr als ein Viertel auf 453 Millionen Euro.

Entscheidung der Wettbewerbshüter wohl erst Ende des Jahres

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand mit einem Anstieg des bereinigten operativen Gewinns im mittleren einstelligen Prozentbereich. Der Konzernumsatz soll sich inklusive der Kunststofftochter Covestro auf mehr als 49 Milliarden Euro erhöhen. Dabei fällt für die Aktionäre, wie das Unternehmen schon am Dienstag mitteilte, eine um 20 Cent auf 2,70 Euro erhöhte Dividende ab.

Die glänzenden Ergebnisse der Werkstofftochter Covestro verschaffen dem Bayer-Chef viel Rückenwind auf dem Weg zur Übernahme von Monsanto .

Die endgültige Entscheidung über den Zusammenschluss treffen die Kartellbehörden. In vielen Ländern werden Wettbewerbshüter in den kommenden Monaten den Deal auf Herz und Nieren prüfen. Entscheidend für das Gelingen wird vor allem der Entscheid der Behörden in den USA und Europa sein. In den USA wurde die Fusion schon im vergangenen Dezember zur Genehmigung angemeldet, in der EU soll der Antrag bis Ende März eingereicht werden. Bayer rechnet Ende des Jahres mit einer Entscheidung.

Kritiker warnen vor Agro-Riesen, der Landwirte stärker in die Abhängigkeit treibt

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager deutete schon vor Monaten eine genaue Prüfung an. Landwirte müssten auch nach der Fusion weiter eine Alternative haben, wenn sie Saatgut und Pestizide kaufen, wurde sie zitiert. Die EU werde sicherstellen, dass es Wettbewerb im Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäft gebe.

Das begrüßen Kritiker, die in dem geplanten Zusammenschluss Teufelszeug sehen. Das Entstehen eines neuen Giganten in der Agrochemie treibe die Landwirte noch stärker in die Abhängigkeit, bedrohe Umwelt und Artenvielfalt. Dabei wenden sie sich besonders gegen gentechnisch behandeltes Saatgut und den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat, den die EU bis Ende 2017 zugelassen hat.

Nur drei Konzerne würden 65 Prozent des weltweiten Saatgutmarktes kontrollieren, bei Pestiziden hätten vier Konzern die Kontrolle über 80 Prozent des Weltmarktes, heißt es in einem offenen Brief der Grünen an Vestager vom Herbst. Die Kartellbehörden müssten die geplante Hochzeit der Chemie-Giganten um Bayer/Monsanto, ChemChina/Syngenta und Dupont /Dow Chemical verhindern.

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Bayer-Chef Baumann geht derweil auf die Kritiker zu und versichert, dass sein Unternehmen mit dem Deal in Europa genveränderte Pflanzen nicht durch die Hintertür etablieren will. Sein Hauptargument für den Deal: Die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung könne nur mit höheren Erträgen auf den Feldern und einer größeren Wirtschaftlichkeit der Betriebe erreicht werden.

Rückenwind von Starinvestor Buffett

An der Börse scheint die anfangs sehr kritische Stimmung zu kippen, mehr Investoren rechnen inzwischen mit einem Gelingen des milliardenschweren Deals. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass sich der Großinvestor Warren Buffett mit Monsanto-Aktien eingedeckt hatte. Hat er den richtigen Riecher? In die Richtung zielt auch eine Studie des US-Brokerhaus Bernstein, das die Wahrscheinlichkeit für ein Gelingen des Zusammenschlusses von 50 auf 75 Prozent anhob. Doch es bleiben Unsicherheiten. So notiert die Monsanto-Aktie derzeit bei 109 US-Dollar noch weit unter dem Bayer-Gebot von 128 Dollar - ein Zeichen, dass Börsianer noch nicht recht an das Geschäft glauben.

Die Konzerne lassen jedenfalls keine Gelegenheit verstreichen, um sich für die Übernahme ins Zeug zu legen. Bei einem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump warben Baumann und Monsanto-Chef Hugh Grant im Januar für die Übernahme. Ein wichtiges Argument dabei: Arbeitsplätze und Investitionen in den USA.

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Dass die geplanten Fusionen in der Branche ganz ohne Auflagen genehmigt werden, glauben allerdings auch ihre Befürworter nicht. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux beispielsweise geht davon aus, dass wegen kartellrechtlicher Bedenken insgesamt Unternehmensteile im Wert von mindestens 11,5 Milliarden Euro auf den Markt kommen werden. Auch Bayer dürfte um Zugeständnisse nicht herum kommen.

wed/reuters/dpa
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