Donnerstag, 25. April 2019

US-Kartellbehörde verlangt große Zugeständnisse Bayer muss Monsanto sehr teuer bezahlen

Bayer/Monsanto: Die wichtigste Hürde bei der Übernahme ist genommen

Die US-Kartellbehörden genehmigen die Übernahme des Saatgutriesen Monsanto durch Bayer. Dafür geht Bayer-Chef Werner Baumann den größten Kompromiss ein, der jemals bei einer Übernahme in den USA verlangt wurde. Die erwarteten Einspareffekte werden deshalb geringer ausfallen.

Bayer hat die entscheidende Hürde für die milliardenschwere Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto genommen. Das US-Justizministerium genehmigte am Dienstag den Mega-Kauf unter Auflagen. "Mit der Freigabe des Department of Justice stehen wir jetzt kurz vor dem Ziel", sagte Bayer-Chef Werner Baumann. Zwar muss der Deal noch von Mexiko und Kanada abgesegnet werden, aber Bayer erwartet auch diese Genehmigungen in Kürze. Von zahlreichen wichtigen Kartellbehörden wie der EU-Kommission und den Wettbewerbshütern aus Brasilien, China und Russland hatte Bayer bereits unter Auflagen grünes Licht erhalten. Alle Augen hatten sich nun noch auf die Entscheidung aus den USA gerichtet.

Bayer steigt mit der Monsanto-Übernahme zum weltgrößten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut auf. Den Abschluss der Transaktion erwarten die Leverkusener in Kürze. Ein Bayer-Sprecher sagte, der Umfang der von den USA verlangten Veräußerungen entspräche im Wesentlichen den bereits kommunizierten Verkäufen.

Bayer verkaufte Geschäft mit 2,2 Milliarden Umsatz verkauft

Um die kartellrechtlichen Freigaben zu erhalten, hatte Bayer schon den Verkauf von Geschäften mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro für insgesamt 7,6 Milliarden Euro an den Chemiekonzern BASF zugesagt. Die Veräußerungen an BASF würden alle Wettbewerbsbedenken aus dem Weg räumen, erklärte das US-Justizministerium. Bayer habe sich dazu verpflichtet, unter anderem sein Geschäft mit Baumwoll-, Sojabohnen- und Gemüsesamen sowie den Digital-Farming-Aktivitäten abzustoßen. Der Leiter der Abteilung für Kartellfragen im US-Justizministerium, Makan Delrahim, sprach von der "größten Ausgliederung, die jemals von den USA verlangt wurde".

Bayer muss sich damit von mehr Firmenteilen trennen als gedacht und deshalb auch Abstriche bei den erwarteten Einspareffekten durch den Zukauf machen, wie der Vorstand kürzlich eingeräumt hatte. Gleichwohl hatte Baumann die 62,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Monsanto Ende vergangener Woche auf der Hauptversammlung verteidigt: "Der Erwerb ist heute genauso attraktiv, wie wir diesen vor zwei Jahren beurteilt haben."

Einspareffekt fällt geringer aus

Die EU-Kommission entschied derweil am Dienstag, BASF als den geeigneten Käufer für alle von Bayer zu veräußernden Geschäfte anzuerkennen. Mit der Integration von Monsanto kann Bayer gemäß den Auflagen des US-Justizministeriums starten, sobald BASF den Erwerb der von Bayer abgegebenen Geschäfte vollzogen hat. Damit rechnen die Leverkusener in zwei Monaten.

Für Bayer ist es nicht nur der größte Zukauf in der Firmengeschichte, es ist auch die bislang teuerste Übernahme eines deutschen Unternehmens. Auf die Freigabe aus den USA könnte zeitnah nun auch die zur Finanzierung des Deals noch nötige Kapitalerhöhung folgen. Zum genauen Zeitpunkt und Umfang hatte sich das Management auf der Hauptversammlung aber nicht äußern wollen. Bayer hatte kürzlich mit Singapurs Staatsfonds Temasek einen neuen Großaktionär gewonnen. Temasek verpflichtete sich, 31 Millionen neue Bayer-Aktien zu einem Bruttoemissionspreis von insgesamt drei Milliarden Euro zu zeichnen. Die Erlöse sollen nach früheren Angaben von Bayer bei der Kapitalerhöhung berücksichtigt werden.

Lesen Sie dazu auch: Werner Baumanns Monsanto-Deal - Höllenjahre des Bayer-Chefs

von Patricia Weiss (Reuters)

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung