Im Übernahmepoker mitmischen Gefährliches Spiel für Aktionäre

An der Börse konnten Investoren in dieser Woche mit dem richtigen Riecher für Übernahmeofferten wieder viel Geld verdienen - oder auch verlieren. Für Privatleute heißt es daher besser Finger weg.
Von Arne Gottschalck
Besser Finger weg: Bombenentschärfen ist gefährlich, als Anleger in einem Übernahmepoker mitzumischen ebenfalls. Da kann das Portfolio massiv Schaden nehmen

Besser Finger weg: Bombenentschärfen ist gefährlich, als Anleger in einem Übernahmepoker mitzumischen ebenfalls. Da kann das Portfolio massiv Schaden nehmen

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BASF und Bayer unter Zugzwang: Übernahmefieber in der Chemiebranche

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Für Aktionäre von Bayer  waren es Stunden des Schreckens: Kaum hatte sich die Nachricht verdichtet, der Leverkusener Traditionskonzern erwäge den US-Saatgutriesen Monsanto zu übernehmen, rauschte am Donnerstag der Kurs in die Tiefe - in der Spitze um mehr als 8 Prozent. Binnen Stunden lösten sich damit mehr als sechs Milliarden Euro Börsenwert in Luft auf.

Die Notierung von Monsanto  dagegen stieg ruckartig an, zwischenzeitlich um mehr als 8 Prozent. Pech für die Bayer-Aktionäre. Und wohl denen, die Aktien des US-Unternehmens besaßen.

Das gleiche Bild bei Fiat . Der Autobauer fuhr in dieser Woche zwischenzeitlich an die Spitze des Mailänder Leitindex MIB, weil angeblich der chinesische Fiat-Partner Guangzhou über einen Einstieg bei den Turinern nachdenkt, wie "Reuters"  berichtete.

Tatsächlich ist es eine beliebte Börsenstrategie für Profis, auf Übernahme-Kandidaten zu setzen. Doch auch für Privatanleger?

Die Idee zumindest ist bestechend einfach: Ein Unternehmen will die eigene Position im Wettbewerb stärken und versucht deshalb, sich einen Konkurrenten einzuverleiben. Dazu muss es ihm Geld bieten - genauer gesagt seinen Anteilseignern.

Genau daran hängt die Mechanik der Übernahmen. Während in aller Regel davon ausgegangen wird, dass eine Übernahme dem Zielunternehmen gut tut, fürchten Aktionäre des potentiellen Käufers, zu viel zu zahlen und dessen Börsenwert verwässert zu sehen. Deswegen sinkt in den meisten Fällen der Aktienkurs jener Firma, die zuschlagen will, wie der Vermögensverwalter Markus Zschaber beobachtet.

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Bayer will Monsanto übernehmen: Die fünf zentralen Fragen zum Flirt der Chemie-Riesen

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"Der Käufer zahlt den Aktionären des zu übernehmenden Unternehmens für die geplante Übernahme auf den aktuellen Kurs pro Aktie eine Prämie, um den Aktionären einen Anreiz für die Übernahme zu bieten", erklärt er. Und "diese teils sehr hohe Prämie verursacht erst einmal Kosten, die der Käufer zu tragen hat und die die Profitabilität schmälern." Nur in ganz seltenen Fällen sind Investoren von einem Nutzen für beide Seiten überzeugt, so dass sowohl der Aktienkurs des übernehmenden als auch des potentiell übernommenen Unternehmens steigen.

So weit, so gut. Die Crux besteht darin, dass niemand weiß, bei welchen Unternehmen eine Übernahme ansteht. Oft sind es Investmentbanken, die so genannte "Target Lists" erstellen - geheime Listen jener Firmen, die unter Umständen interessante Übernahmeziele abgeben.

Spezialisierte Hedgefonds erstellen insgeheim ähnliche Listen und versuchen, sich entsprechend zu positionieren. Geht die Rechnung auf, kann das ein lukratives Geschäft werden. Investment-Legenden wie Mario Gabelli zum Beispiel haben ein Vermögen damit gemacht, indem sie solche Übernahmeziele immer wieder erfolgreich identifizierten.

Doch Privatanleger? Lieber nicht.

Schon allein deshalb, weil ein Angebot sich nicht immer in einer gelungenen Übernahme niederschlagen muss. Und die Börsenstimmung ist derzeit fragil. "Die Finanzmärkte bleiben weiter nervös und befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen expansiver Geldpolitik der Zentralbanken und schwächelnder Weltkonjunktur sowie Zinsängsten in Amerika", schreibt Sören Wiedau von der Weberbank. Angesichts dieses Umfelds wäre die bloße Suche nach Übernahmekanditen vor allem eines - ein gefährliches Spiel.

manager-magazin.de / Wochit