Trotz Umsatzschub Bei Bayer wächst vor allem die Vorsicht

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hält trotz Schwächen im Kunststoffgeschäft an seinen Prognosen fest. Die Ziele erschienen aber "zunehmend ambitioniert", räumt Vorstandschef Marijn Dekkers ein.
"Zunehmend ambitioniert": Bayer-Chef Marijn Dekkers muss sich noch mehr anstrengen, um die eigenen Prognosen einzuhalten

"Zunehmend ambitioniert": Bayer-Chef Marijn Dekkers muss sich noch mehr anstrengen, um die eigenen Prognosen einzuhalten

Foto: Oliver Berg/ dpa

Frankfurt am Main - Beim Pharma- und Chemiekonzern Bayer wächst wegen eines weiterhin schwachen Geschäfts mit Kunststoffen die Vorsicht. Das Leverkusener Unternehmen baute im zweiten Quartal zwar dank einer starken Pharmanachfrage und guter Geschäfte in der Agrarchemie seinen operativen Gewinn aus. Aber die anhaltend schwierige Konjunktur, sinkende Verkaufspreise und hohe Rohstoffkosten lasten auf der Kunststoffsparte MaterialScience.

"Unseren Konzernausblick für 2013 behalten wir bei, auch wenn dieser zunehmend ambitioniert erscheint", erklärte Konzernchef Marijn Dekkers am Mittwoch zur Vorlage des Zwischenberichts. Es bleibe abzuwarten, inwieweit die unerwartet schwache Entwicklung in der Kunststoffsparte durch ein besseres Abschneiden im Gesundheitssegment und im Pflanzenschutzbereich ausgeglichen werden könne.

Umsatzschub dank Xarelto - Aktie legt zu

Dank neuer Medikamente erzielte Bayer gleichwohl starke Umsatzzuwächse. Mit seinem neuen Schlaganfallmittel Xarelto setzte Bayer  219 Millionen Euro um, mehr als dreimal so viel wie noch vor einem Jahr, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Das neue Augenmittel Eylea kam nach seinem Marktstart bereits auf Umsätze von 73 Millionen Euro.

Auch das Krebsmittel Stivarga brachte Bayer nach der Zulassung auf Anhieb einen Erlös von 47 Millionen Euro im Quartal ein. Anleger quittierten die Zahlen des Pharmakonzerns mit Käufen: Die Aktie von Bayer legte im frühen Handel um rund drei Prozent zu und war Spitzenreiter im Dax .

Gewinn im zweiten Quartal steigt, Gesundheitssparte stark

Bayer geht aktuell für das Gesamtjahr 2013 von einer Umsatzsteigerung von 4 bis 5 Prozent auf rund 40 bis 41 Milliarden Euro aus - Währungseinflüsse sowie Zu- und Verkäufe herausgerechnet. Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) soll im mittleren einstelligen Prozentbereich klettern.

Im zweiten Quartal baute Bayer seinen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vor Sondereinflüssen um 1,2 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro aus. Analysten hatten mit 2,22 Milliarden Euro gerechnet. Der Konzern, der in diesem Jahr sein 150-jähriges Firmenjubiläum feiert, setzte von April bis Juni 10,36 Milliarden Euro um - ein Plus von 1,9 Prozent. Der Gewinn sprang um 74,8 Prozent auf 841 Millionen Euro in die Höhe.

Stark entwickelte sich die Gesundheitssparte. "Hieran hatten unsere neuen Pharmaprodukte einen maßgeblichen Anteil", erklärte Dekkers. Bayer Healthcare baute seinen bereinigten operativen Gewinn um 6,4 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro aus.

Agrarchemiesparte wächst zweistellig, Kunststoffsparte stürzt ab

In der Agrarchemie nahm der bereinigte operative Gewinn im Quartal um 13,7 Prozent auf 624 Millionen Euro zu. Preisanhebungen und höhere Absatzmengen beflügelten das Geschäft. Besonders kräftig war die Nachfrage nach Mitteln zur Bekämpfung von Schadpilzen in Lateinamerika und in Europa.

Weiter schleppend lief dagegen das Kunststoffgeschäft, das unter der schwachen Autokonjunktur in Europa litt. "Das Marktumfeld für MaterialScience war auch im zweiten Quartal schwierig", erklärte Dekkers. Der bereinigte operative Gewinn der Sparte schrumpfte um 28,5 Prozent auf 274 Millionen Euro. Bayer geht inzwischen nicht mehr davon aus, wie bisher geplant den Umsatz der Sparte im Gesamtjahr leicht zu steigern. Der bereinigte operative Gewinn werde nun 2013 unter Vorjahr liegen - bislang wurde das Vorjahresniveau angepeilt.

rei/rtr
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