Donnerstag, 18. Juli 2019

Übernahme abgeschlossen Bayer beginnt mit Integration von Monsanto und will stärker in Glyphosat-Streit eingreifen

Seit der Übernahme von Monsanto ist der Aktienkurs von Bayer abgestürzt. Bayer-Chef Werner Baumann gerät in Erklärungsnot. Die Finanzierung des Monsanto-Deals ist jedoch trotz des Kurssturzes nicht gefährdet

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer kann mit der Integration des übernommenen US-Saatgutunternehmens Monsanto beginnen. Mit dem nun vollzogenen Verkauf von Geschäftsteilen an den deutschen Konkurrenten BASF sind die Voraussetzungen erfüllt, wie Bayer am Donnerstag in Leverkusen mitteilte. Bayer ist bereits seit dem 7. Juni alleiniger Eigentümer von Monsanto.

Um die Bedenken der Wettbewerbshüter gegen den 63 Milliarden US-Dollar (55,6 Milliarden Euro) schweren Monsanto-Kauf auszuräumen, trennte sich Bayer unter anderem von seinem Gemüse- und Feldsaatgut-Geschäft, von Aktivitäten im Bereich "Digital Farming" sowie vom weltweiten Geschäft mit dem Unkrautbekämpfungsmittel Glufosinat-Ammonium.

Positiver Beitrag ab 2019 erwartet

Bayer erwartet weiterhin ab 2019 einen positiven Beitrag von Monsanto zum bereinigten Ergebnis je Aktie, der von 2021 an im zweistelligen Prozentbereich liegen soll. Ab 2022 an sind dann jährliche Beiträge zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereinflüssen aus Einsparungen im Zuge des Deals in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar geplant.

Bayer erhält nun alle Informationen zu Monsanto-Klagen

Ab sofort könne Bayer auch selbst in die Verteidigung bei den Verfahren zum Unkrautvernichter Glyphosat und etwaigen anderen Rechtsstreitigkeiten eingreifen, etwa bei möglichen Schadenersatzklagen bezüglich des Unkrautvernichters Dicamba. Mit dem abgeschlossenen Verkauf an BASF erhält Bayer nach eigenen Angaben nun Zugang zu detaillierten internen Informationen von Monsanto - bisher waren dafür nicht alle Auflagen der US-Behörden erfüllt.

Gerade mit Blick auf Glyphosat steht Bayer unter Druck. Ende der vergangenen Woche hatte ein US-Gericht Monsanto wegen angeblich verschleierter Gefahren von Glyphosat eine dreistellige Millionenzahlung an einen Krebspatienten aufgebrummt. Seitdem brach der Börsenwert um knapp ein Fünftel ein. Monsanto will gegen das Urteil vorgehen.

Aus Furcht vor weiteren Schadensersatzklagen gegen die Bayer-Tochter Monsanto haben Anleger am Donnerstag Aktien des Dax-Konzerns aus ihren Depots geworfen. Bayer-Titel sackten zeitweise um 6 Prozent auf 76,03 Euro ab und erreichten den tiefsten Stand seit fünf Jahren. "Da sind große Sorgen da, dass noch mehr auf Bayer Börsen-Chart zeigen zukommt", sagte ein Händler. Binnen fünf Handelstagen hat die Aktie von Bayer fast 20 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Monsanto wurde Ende vergangener Woche von einem Gericht in den USA zu einer Schadensersatzzahlung von 289 Millionen Dollar an einen an Krebs erkrankten Mann verurteilt, der seine Erkrankung auf das von der Firma entwickelte Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat zurückführte. Der US-Saatgutriese, der von Bayer kürzlich für rund 63 Milliarden Dollar übernommen wurde, sieht sich mehr als 5000 ähnlichen Klagen in den USA gegenüber. Viele Banken hatten ihr Kursziel für die Bayer-Aktien deshalb zu Wochenbeginn gesenkt, weil sie die Prozessrisiken fürchten.

Händler verwiesen nun zudem auf einen Bericht in der "Wirtschaftswoche", wonach Monsanto weitere Millionenstrafen in den USA drohen wegen des Unkrautvernichters Dicamba. Bauern in Arkansas und South Dakota hätten deshalb Sammelklagen am Bezirksgericht in St. Louis eingereicht.

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