Dividende wird gekürzt Bayer-Chef Baumann meldet zehn Milliarden Euro Verlust

Das Glyphosat-Debakel in den USA und ein maues Agrargeschäft haben Bayer 2020 einen milliardenschweren Verlust eingebrockt. Die Aktie fällt weiter. Für Anleger wird die Amtszeit von Bayer-Chef Werner Baumann zum Desaster.
Übernahme mit Folgen: Bayers Monsanto-Kauf hat Milliarden gekostet. Bayer-Chef Werner Baumann hat die Rechtsrisiken unterschätzt

Übernahme mit Folgen: Bayers Monsanto-Kauf hat Milliarden gekostet. Bayer-Chef Werner Baumann hat die Rechtsrisiken unterschätzt

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer ist im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Für 2020 habe der Konzern einen Verlust von 10,5 Milliarden Euro verbucht, wie die Leverkusener am Donnerstag mitteilten. Im Vorjahr erzielte das Unternehmen noch einen Gewinn von 4,1 Milliarden Euro. Vor allem die Übernahme des US-Riesen Monsanto wird immer mehr zu einer Belastung für Konzernchef Werner Baumann (58) – der Monsanto-Deal frisst seine Kinder .

Die Aktien  gerieten deutlich unter Druck und fielen am Vormittag als Schlusslicht im Dax um rund 4 Prozent auf 52,95 Euro. Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research sprach in ersten Reaktion von einem überraschend schwachen Ausblick. Zudem sei es im Schlussquartal auch wegen des Agrargeschäfts beim Gewinn nicht so gut gelaufen wie erwartet.

Vor allem Rückstellungen für die US-Glyphosat-Klagen belasteten den Konzern. So wird der Vergleich, mit dem Bayer die Klagewelle wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids vom Tisch bekommen will, teurer als gedacht. Immerhin sieht Bayer bei diesem Thema Licht am Ende des Tunnels, für eine wichtige Einigung mit den Klägern fehlt nur noch das grüne Licht eines Richters - dann wäre dieses Kapitel für Bayer weitgehend abgehakt.

Zudem machten Bayer die schwachen Währungen Lateinamerikas zu schaffen. Der Umsatz schrumpfte wegen des starken Euros sogar um knapp 5 Prozent auf 41,4 Milliarden Euro. Die Währungsbelastungen herausgerechnet wäre es ein kleines Plus gewesen. Der operative Gewinn stagnierte im vergangenen Jahr bei knapp 11,5 Milliarden Euro.

Agrarsparte und Verkauf mit rezeptpflichtigen Medikamenten unter Druck

Deutliche Ergebniseinbußen, vor allem zum Jahresende, musste Bayer in der Agrarsparte hinnehmen, die die Leverkusener 2018 mit der milliardenschweren Monsanto-Übernahme ausgebaut hatten. Allein im vierten Quartal brach das bereinigte Ergebnis im Agrargeschäft, auch wegen gesunkener Nachfrage im wichtigen Markt Nordamerika, um 30 Prozent ein. Hier wirkten sich vor allem Retouren bei der Maissaat in den USA aus, da die Kunden weniger anbauten. Ein Grund dafür war der gesunkene Kraftstoffverbrauch im Zuge der Corona-Krise. Menschen reisen weniger, daher braucht es weniger Biokraftstoffe, die auch aus Mais gewonnen werden.

Hinzu kam für Bayer die Belastung durch den schwachen brasilianischen Real, da das Unternehmen viel Saatgut und Pflanzenschutzmittel in Südamerika verkauft. Auch sind die Leverkusener mit starker Konkurrenz bei Sojasaat konfrontiert. Die Belastungen im Agrargeschäft führten zu milliardenschweren Wertberichtigungen im vergangenen Jahr.

Auch in der Pharmasparte musste Bayer ein Umsatzminus hinnehmen. Vor allem der Verkauf rezeptpflichtiger Arzneimittel lief schwach, weil in Corona-Zeiten viele nicht dringliche Behandlungen von Menschen verschoben wurden - dadurch sank der Bedarf an Bayer-Produkten. Zudem traten etwa die Erlöse mit dem Augenmedikament Eylea - einem eigentlich starken Wachstumstreiber - auf der Stelle. Zum Vergleich: 2019 hatten der Kassenschlager noch um 14 Prozent zugelegt. Beim für den Konzern wichtigsten Medikament, dem Gerinnungshemmer Xarelto, fiel das Umsatzplus mit gut 9 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Allerdings steuerte allein Xarelto fast elf Prozent zum Konzernumsatz bei. Bei rezeptfreien Mitteln wirkte sich Corona hingegen positiv aus - viele Menschen kauften solche Präparate, um ihre Gesundheit zu stärken.

Zurückhaltender Ausblick

Für das neue Jahr ist Konzernchef Baumann entsprechend vorsichtig. Bereinigt um die Währungseffekte peilt Bayer einen Umsatz von etwa 42 bis 43 Milliarden Euro und einem bereinigten Betriebsgewinn von 11,2 Milliarden bis 11,5 Milliarden an. Inklusive Währungseffekten geht Baumann von einem stagnierenden Umsatz von etwa 41 Milliarden Euro und einem Ergebnisrückgang auf 10,5 Milliarden bis 10,8 Milliarden aus.

Die Dividende wird angesichts des Milliardenverlustes von 2,80 Euro auf 2 Euro je Aktie gesenkt. Auf dem aktuellen Kursniveau bedeutet das aber immer noch eine Dividendenrendite von rund 3,6 Prozent.

mg/Reuters, dpa-afx
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