Bauindustrie Bilfinger will außerhalb Europas zukaufen

Der Baukonzern Bilfinger will seine Abhängigkeit von Europa reduzieren - und hält deshalb nach Übernahmezielen in Asien und Nordamerika Ausschau. Im Visier hat Bilfinger dabei Firmen mit einem Unternehmenswert bis 300 Millionen Euro.
Bilfinger-Hauptquartier in Mannheim: Der Bau- und Industriedienstleister will seine Abhängigkeit von Europa mit Zukäufen verringern

Bilfinger-Hauptquartier in Mannheim: Der Bau- und Industriedienstleister will seine Abhängigkeit von Europa mit Zukäufen verringern

Foto: ? Lisi Niesner / Reuters/ REUTERS

Frankfurt - Der Bau- und Industriedienstleister Bilfinger will mit einer Übernahme in Asien oder Nordamerika seine Abhängigkeit vom wirtschaftlich schwächelnden Europa reduzieren. "Was uns mit Sicherheit noch einmal guttun würde, wäre ein größerer strategisch bedeutsamer Kauf", sagte Finanzchef Joachim Müller der "Börsen-Zeitung".

Dabei hat er Firmen mit einem Unternehmenswert von 250 bis 300 Millionen Euro "wie Ende 2009 die österreichische MCE" im Auge. "Wenn ein solcher strategisch wichtiger Schritt in Asien oder Nordamerika gelingen würde, wäre das auch mit Blick auf die Erwartungen des Kapitalmarktes wichtig", merkte Müller an.

Erst jüngst hatte Konzern-Chef Roland Koch angekündigt, das Engagement in Europa, wo Bilfinger  rund 80 Prozent seines Geschäfts macht, zurückfahren zu wollen. "Das wird mehr als die Hälfte bleiben, aber deutlich heruntergehen", hatte er Mitte Mai erklärt.

Als Grund führte der Manager und ehemalige hessische Ministerpräsident die schwache Konjunktur in Europa an. "Wir registrieren im Moment ganz klar eine Investitionszurückhaltung unserer Kunden", merkte Müller an. Dabei laufe das normale Wartungsgeschäft auf einem durchaus zufriedenstellenden Niveau. "Was uns fehlt, das ist neues zusätzliches Projektgeschäft, das eine höhere Rentabilität als das Wartungsgeschäft hat", sagte der Finanzchef.

Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, im Bau die Startschwäche im weiteren Jahresverlauf "weitestgehend" ausgleichen zu können. Im Industrieservice-Geschäft geht Müller davon aus, "dass wir unsere Ziele im Gesamtjahr erreichen".

Geschäftssparte Concessions wird verkauft

Erst vor wenigen Tagen gab Bilfinger bekannt, nach der Aufgabe des Baugeschäfts in vielen Ländern sich auch vom kapitalintensive Betreibergeschäft trennen zu wollen. Möglichst noch in diesem Jahr solle die Geschäftssparte Concessions mit rund 140 Mitarbeitern verkauft werden. "Wir sind jetzt dabei, mit Interessenten in Verhandlungen einzutreten", sagte Müller.

Bilfinger plant, baut und betreibt - zumeist gemeinsam mit anderen Bauunternehmen - im Auftrag der öffentlichen Hand Straßen, Brücken und Gebäude auf eigene Rechnung, vor allem in Australien, Nordamerika und Europa.

Derzeit ist die im Nebenwerteindex MDax  gelistete Bilfinger an 16 Projekten beteiligt, in Deutschland etwa an einem Autobahnabschnitt der A1 in Norddeutschland. Wegen der schwindenden Synergie-Effekte zwischen dem Bau von Straßen, Brücken und Tunneln sowie dem langfristigen Betrieb auf eigene Rechnung stellen die Mannheimer die Geschäftssparte zum Verkauf.

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