Kartellklage um Wunderbatterie BASF kämpft um Auto-Akkus der nächsten Generation

BASF-Stammwerk in Ludwigshafen: Der Chemieriese will im Zukunftsmarkt Elektromobilität mitmischen

BASF-Stammwerk in Ludwigshafen: Der Chemieriese will im Zukunftsmarkt Elektromobilität mitmischen

Foto: Ronald Wittek/ dpa

BASF schaltet sich in den Kampf ums Auto der Zukunft ein - und sucht Hilfe von einem US-Gericht.

Der Kläger stellt sich dem Bundesgericht für den Bezirk Delaware als "das weltweit führende Chemieunternehmen" vor, "wohlbekannt und hoch angesehen für die Herstellung von Produkten für eine Vielzahl von Branchen von Kunststoffen über Pflanzenschutz bis zu Öl und Gas".

Das Produkt, um das es geht, hat BASF  jedoch nicht selbst erfunden. Vielmehr hat die Gesellschaft aus Ludwigshafen am Rhein eine exklusive Lizenz für Lithium-Ionen-Akkus, deren Kathode ein Gemisch aus Nickel, Mangan und Kobalt (NMC) enthält, vom staatlichen Forschungslabor Argonne aus der Nähe von Chicago.

Argonne tritt in der am 20. Februar eingereichten Klage (PDF)  an der Seite von BASF auf. Beklagte sind der belgische Metallkonzern Umicore  und dessen japanischer Partner Makita, die der Klageschrift zufolge den Weltmarkt für NMC-Materialien monopolisieren und BASF um "Milliarden von Dollar an potenziellem Umsatz" bringen.

Umicore wiederum stützt sich auf Patente, die der US-Mischkonzern 3M  im Jahr 2000 anmeldete - ein paar Monate nach Argonne, dafür aber weltweit, während sich Argonne um den Schutz nur in den USA bemühte. Die Technik wurde nicht wichtig genug genommen. Das hat sich geändert.

Denn NMC gilt als das nächste große Ding, um Elektroautos zum Durchbruch auf dem Massenmarkt zu verhelfen. Noch ist der neue Antrieb selten auf den Straßen, doch im Hintergrund werden Milliarden investiert - in der Hoffnung, das Geschäft der Zukunft zu dominieren.

Batterien sind wegen der Kosten, des Gewichts, der begrenzten Laufzeit und Sicherheitsproblemen der große limitierende Faktor. Zwar sinken die Preise wegen der Massenproduktion der auch in Laptops verwendeten herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus, das darin zumeist enthaltene Gemisch mit Sauerstoff ist aber instabil und verhältnismäßig teuer.

Ulm gegen Umicore - Hoffen auf deutsche Akku-Industrie

Vom Fraunhofer-Institut befragte  internationale Batterieexperten räumen NMC beste Chancen ein, als "dritte Generation" der Lithium-Ionen-Akkus in den kommenden Jahren erschwingliche Elektroautos mit ausreichender Reichweite anzutreiben - bevor zum Ende des Jahrzehnts revolutionäre Techniken mit Lithium-Sauerstoff, Lithium-Schwefel, Graphen oder Titandioxid reif sind, die eine mit Benzin vergleichbare Energiedichte liefern könnten.

Energieexperte Steve LeVine von "Quartz" hat den Rechtsstreit aufgegriffen , weil er in NMC den Schlüssel zum Elektroauto für alle sieht. Ein ganzes Buch hat er über die Fortschritte und Probleme mit der Technik geschrieben.

Zuletzt gab es vor allem Rückschläge, weil die Forscher das Schwächeln der Akkus bei längerer Nutzungsdauer nicht in den Griff bekommen. NMC-Akkus werden zwar bereits in Autos wie dem Chevrolet Volt/Opel Ampera verwendet, die aber nur eine geringe Reichweite rein elektrisch schaffen. Der Einsatz in "200-Meilen-Batterien" der nächsten Generation ist offen.

Dass ein Industrieriese wie BASF nun den Rechtsstreit sucht, dient LeVine als Beleg für weiter großes Marktpotenzial. BASF zählt auch zu den Industriepartnern, die seit Dezember am Ulmer ZSW-Institut die Serienproduktion von Lithium-Ionen-Akkus erforschen. Das Ziel ist, nach all den Misserfolgen für den auf klassische Bleisäurebatterien ausgerichteten Batteriestandort Deutschland und die Elektromobilitäts-Strategie der Bundesregierung doch noch eine Zukunftsindustrie im Land aufzubauen.

Auch die Giganten im Geschäft mit Lithium-Ionen-Akkus wie LG Chem und Samsung  aus Südkorea, bislang die bevorzugten Lieferanten der Elektroautohersteller, setzen auf NMC als zentrale Option für die kommenden Jahre. Bei Apples  jüngst angekündigtem Vorstoß ins Autogeschäft steht ebenfalls die Batterietechnik im Vordergrund.

BASF könnte sich also im Rennen um den Autoantrieb der nahen Zukunft ganz vorn positionieren - wenn es gelingt, die Richter in Delaware zu überzeugen, dass Umicore tatsächlich die Deutschen in unfairer Weise vom Markt ausschließt.