Niedrige US-Gaspreise locken BASF prüft Milliardeninvestition in USA

Der starke Euro und ein schwächeres Öl- und Gasgeschäft drücken auf den BASF-Umsatz zu Jahresanfang. Nun will der Chemiekonzern die durch Fracking gesunkenen US-Gaspreise nutzen. BASF erwägt in den USA die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte.
BASF-Stammwerk in Ludwigshafen: Der Konzern prüft die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte für ein Propylen-Werk in den USA

BASF-Stammwerk in Ludwigshafen: Der Konzern prüft die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte für ein Propylen-Werk in den USA

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Ludwigshafen - Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat beim Start in das laufende Jahr vor allem den starken Euro deutlich zu spüren bekommen. Zudem drückte ein schwächeres Öl- und Gasgeschäft auf die Ergebnisse, wie die im Dax notierte Gesellschaft heute mitteilte.

Umsatz und operatives Ergebnis gingen im ersten Quartal zurück, während der Gewinn nach Steuern wegen Verkäufen von Beteiligungen an Öl- und Gasfeldern in der Nordsee leicht stieg. Trotz des anhaltenden Euro-Gegenwinds will BASF den Gewinn im Gesamtjahr weiterhin steigern.

Dabei setzen die Ludwigshafener neben den Schwellenländern vor allem auf die USA. Dort prüft der Chemiekonzern wegen des billigen Schiefergases derzeit die größte Einzelinvestition in ihrer Firmengeschichte.

Die BASF-Aktie  legte vorbörslich zu, drehte aber zu Handelsstart leicht ins Minus. Einem Händler zufolge fielen die Zahlen insgesamt so "solide wie immer" aus. Das entscheidende operative Ergebnis habe die Erwartungen aber "nur erfüllt", was die Aktie im Verlauf belasten könnte.

Wie BASF vom Fracking-Boom in den USA profitieren will

Gebaut werden könnte an der US-Golfküste eine Großanlage zur Herstellung der wichtigen Basischemikalie Propylen, die bei der Produktion von Autolacken, Waschmitteln und Babywindeln verwendet wird. "Mit der Produktion von Propylen würden wir von den infolge der Schiefergasförderung niedrigen Gaspreisen profitieren, unsere Kostenposition deutlich verbessern und unsere Rückwärtsintegration in den USA stärken", sagte Vorstandschef Kurt Bock. Bislang ist die TDI-Anlage für die Produktion von Schaumstoffen in Ludwigshafen mit einer Investition von einer Milliarde Euro die größte der BASF.

"Im Chemiegeschäft und beim Pflanzenschutz hat das Jahr 2014 für uns gut angefangen. Wir haben mehr verkauft", sagte Bock. Damit konnte der Konzern die Auswirkungen des schwachen Dollar und der Währungen in Schwellenländern auf den Umsatz abfedern. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging im ersten Quartal um 3,3 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro zurück. Damit traf BASF die Schätzungen der Analysten. Unter dem Strich blieb ein Gewinn in Höhe von 1,48 Milliarden Euro - das waren zwei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Öl- und Gasgeschäft drückt auf Umsatz

Der Umsatz schrumpfte um 1,1 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Während BASF im Öl- und Gasgeschäft vor allem wegen eines Förderstopps in Libyen und eines geringeren Gasabsatzes wegen des milden Winters in Europa weniger umsetzte, liefen vor allem die Geschäfte mit Chemikalien für die Landwirtschaft besser. Aber auch Katalysatoren und Lacke für die Autoindustrie trugen zum Zuwachs bei.

Für 2014 erwartet BASF-Chef Bock weiter einen leichten Anstieg beim operativen Ergebnis vor Sondereffekten. Dazu beitragen sollen vor allem die Spezialchemikalien (Performance Product) sowie die Sparte Functional Materials & Solution, in der BASF unter anderem Katalysatoren und Lacke für Autos herstellt. Der Umsatz sollte hingegen aufgrund des geplanten Verkaufs des Gashandels-Gasspeichergeschäfts etwas sinken.

Spartenumbau soll sich ab 2016 positiv auswirken

Mit kräftigen Ergebnisverbesserungen durch das laufende Umbauprogramm in seiner Sparte Performance Products rechnet BASF aber erst in zwei Jahren. Die Restrukturierung des Segments werde sich ab 2016 mit etwa 450 bis 500 Millionen Euro positiv auf das Ergebnis auswirken, sagte BASF-Finanzchef Hans-Ulrich Engel heute in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Insgesamt würden in der Sparte, zu der unter anderem das Geschäft mit Substanzen für die Ernährungs- und Gesundheitsbranche gehört, 2000 Stellen gestrichen. Die Einmalkosten für den Umbau lägen bei 250 bis 300 Millionen Euro.

Im Augenblick würden sich Kosten und positive Effekte im Ergebnis die Waage halten. Ab 2015 rechnet der Konzern mit einem signifikanten Ergebnisbeitrag. Das Umbauprogramm in der Sparte läuft bereits seit rund 18 Monaten.

wed/dpa-afx/rtr
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