BASF-Chef Brudermüller "Das deutsche Geschäft hat sich besonders verschlechtert"

Rund 500 Millionen jährlich will BASF-Chef Martin Brudermüller ab 2023 einsparen, vor allem den Standort Ludwigshafen trifft es. Warum die Kosten dringend runter müssen und welche Pläne der CEO hat, hat er nun in einer Telefonkonferenz erklärt.
"Wir müssen als Unternehmen jetzt handeln": BASF-Chef Martin Brudermüller

"Wir müssen als Unternehmen jetzt handeln": BASF-Chef Martin Brudermüller

Foto: Uwe Anspach / dpa

BASF-Chef Martin Brudermüller (61) will die Kosten in Europa und vor allem in Deutschland so schnell wie möglich senken. "Zum einen wächst der europäische Chemiemarkt seit rund einem Jahrzehnt nur noch schwach", zum anderen setzten der deutliche Anstieg der Erdgas- und Strompreise die chemischen Wertschöpfungsketten unter Druck, begründete Brudermüller am Mittwoch in Ludwigshafen das erst jüngst aufgelegte Sparprogramm. In den ersten neun Monaten des Jahres hätten sich die Mehrkosten für Erdgas an den europäischen BASF-Standorten auf rund 2,2 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum belaufen.

"Um diese Mehrkosten abzufedern, haben wir weitere Preiserhöhungen umgesetzt", erläuterte Brudermüller in einer Telefonkonferenz. Zudem arbeite BASF weiter an Projekten, um die Anlagen und Prozesse vor allem am größten Verbundstandort Ludwigshafen technisch zu optimieren. Eine geringere Auslastung von Anlagen im dritten Quartal habe dazu beigetragen, die Belastung durch die hohen Erdgaspreise zu begrenzen.

Allerdings habe Europa einschließlich Deutschland bereits im starken Jahr 2021 nur noch ein Drittel zum Ergebnis beigetragen, sagte Brudermüller. Im Laufe des Jahres 2022 habe sich die Ertragslage weiter abgeschwächt, wobei sich das deutsche Geschäft besonders verschlechtert habe. Im dritten Quartal habe BASF in Deutschland ein negatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern sowie vor Sondereinflüssen von 130 Millionen Euro ausgewiesen.

Einsparungen vor allem am Standort Ludwigshafen

Wegen schlechterer Geschäfte und schwierigerer Rahmenbedingungen in Europa legte die BASF-Führung jüngst ein Sparprogramm auf, das 2023 bis 2024 umgesetzt werden soll. Die Kürzungen sollen die jährlichen Kosten außerhalb der Produktion um 500 Millionen Euro senken. Mehr als die Hälfte der Einsparungen will der Vorstand am Standort Ludwigshafen realisieren, wo BASF rund 39.000 seiner weltweit etwa 111.000 Mitarbeiter beschäftigt. Sowohl Unternehmens-, Service- und Forschungsbereiche als auch die Konzernzentrale sollen gestrafft werden, hieß es. Dabei schließt das Unternehmen Stellenstreichungen nicht aus. Betriebsbedingte Kündigungen sind in Ludwigshafen laut der laufenden Standortvereinbarung bis Ende 2025 aber ausgeschlossen.

"Wir entwickeln derzeit weitere strukturelle Maßnahmen, um den Produktionsverbund der BASF in Europa mittel- und langfristig an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen", erklärte Brudermüller. Damit sichere das Unternehmen seine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und werde seinen Erdgasverbrauch deutlich senken. BASF mache dabei "großartige Fortschritte". Details dazu werde es voraussichtlich im ersten Quartal 2023 geben.

Brudermüller will an China-Plänen festhalten

In China rechnet Brudermüller mit weiterem Wachstum und will dort weiter investieren. "Wir kommen in der Summe zum Schluss, dass es vorteilhaft ist, unser Engagement dort auszubauen", sagte der BASF-Chef. In der Bundesregierung hatte es jüngst eine Debatte um die Folgen einer möglichen Abhängigkeit von China gegeben, am Einstieg der chinesischen Staatsreederei Cosco in die Betreibergesellschaft eines Container-Terminals im Hamburger Hafen gab es Kritik. Auch bei BASF ist ein Streit über die geplante "Megafabrik" in China entbrannt . Unter den Führungskräften und im Aufsichtsrat hat sich Widerstand gegen die Pläne von Brudermüller formiert – sie fürchten, dass der CEO den Chemiekonzern ausliefert.

Brudermüller erklärte nun erneut, dass BASF an den China-Plänen festhalte, man gehe da aber nicht "blauäugig" heran. Er selbst wird in den nächsten Tagen zur Wirtschaftsdelegation gehören, die mit Bundeskanzler Olaf Scholz (64; SPD) nach China reist. Die Dynamik in China sei "ungebrochen". Deutschland und Europa müssten auf ihre eigenen Defizite schauen und eine "Resilienz-Strategie" ausarbeiten: "Ich glaube, es ist dringend notwendig, dass wir vom China-Bashing wegkommen und mal etwas selbstkritisch auf uns gucken", sagte er in der Telefonkonferenz.

Der Aufsichtsrat der BASF hat Brudermüllers Vertrag kürzlich um ein Jahr bis zur Hauptversammlung 2024 verlängert. Auf die Frage, ob eine weitere Vertragsverlängerung denkbar sei, antwortete der CEO vage. Die Altersgrenze bei BASF liege "traditionell bei 60 Jahren", er werde kurz nach der Hauptversammlung 2024 63 Jahre alt "und nach 36 Jahren bei BASF und 18 Jahren im Vorstand ist es dann irgendwann auch mal gut."

Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel (63) äußerte sich zudem im Call zur Zukunft der Gas-Tochter Wintershall Dea. Es gebe Überlegungen, das Portfolio so aufzuteilen, dass ein Börsengang wieder möglich werde. BASF hegt seit 2020 Börsenpläne für die Beteiligung, diese wurden durch den Ukraine-Krieg und das schlechte wirtschaftliche Umfeld allerdings bislang mehrfach verschoben. Wintershall Dea erzielt einen wesentlichen Teil seiner Einnahmen durch Gas- und Ölförderung in Russland.

rei, buc, mg/Reuters, dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.