Hohe Abschreibungen Wintershall Dea brockt BASF Milliardenverlust ein

BASF-Chef Martin Brudermüller musste im vierten Quartal noch einmal satte 5,4 Milliarden Euro abschreiben, weil sich die Fördertochter Wintershall Dea nun komplett aus Russland zurückzieht. Der Chemiekonzern rutscht deswegen auf Jahressicht tief in die Verlustzone.
Unzufrieden: BASF-Chef Martin Brudermüller muss milliardenschwere Abschreibungen vornehmen

Unzufrieden: BASF-Chef Martin Brudermüller muss milliardenschwere Abschreibungen vornehmen

Foto: Uwe Anspach / dpa

Der Chemiekonzern BASF ist wegen Abschreibungen auf das Russland-Geschäft seiner Fördertochter Wintershall Dea im vergangenen Jahr in die Verlustzone gerutscht. Unter dem Strich häufte das Unternehmen vorläufigen Zahlen zufolge einen Verlust von rund 1,4 Milliarden Euro an, wie der Dax-Konzern am Dienstag nach Börsenschluss mitteilte. Im Vorjahr erwirtschaftete BASF noch einen Gewinn von 5,5 Milliarden Euro.

Konzernchef Martin Brudermüller (61) musste Wertminderungen auf Wintershall Dea in Höhe von 7,3 Milliarden Euro vornehmen, weil die Konzerntochter das Segment Russland abspaltet und neu bewertet. Außerdem fielen Abschreibungen auf die Nord Stream AG an. Allein im vierten Quartal betrugen die Abschreibungen bei BASF 5,4 Milliarden Euro. Wintershall Dea plant den Angaben zufolge einen vollständigen Rückzug aus Russland unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen.

Wintershall Dea entstand 2019 aus dem Zusammenschluss der BASF-Tochter Wintershall mit dem Rivalen Dea. BASF hält an dem Gemeinschaftsunternehmen noch 72,7 Prozent, der Rest liegt bei der ehemaligen Dea-Eignerin LetterOne. Wegen des Kriegs in der Ukraine war Wintershall Dea zuletzt weiter auf Distanz zu seinen Geschäften in Russland gegangen und hatte angekündigt, eine rechtliche Trennung zu prüfen. Das Unternehmen ist an drei Förderprojekten am Erdgasfeld Juschno Russkoje sowie der Achimov-Formation des Urengoi-Felds in Sibirien beteiligt. Der Anteil der russischen Geschäfte an der gesamten Produktion lag zuletzt bei 50 Prozent.

Auch im laufenden Geschäft lief es eher trüb. Vor Sonderposten und vor Zinsen und Steuern verdiente BASF 2022 rund 6,88 Milliarden Euro und damit gut 11 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Umsatz wuchs hingegen wegen höherer Preise und Währungseffekten um 11 Prozent auf 87,3 Milliarden Euro.

BASF leidet wie viele energieintensive Unternehmen unter den gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine, die den Konzern als größten industriellen Gasverbraucher in Deutschland zunehmend unter Druck setzen. Insgesamt ist die chemisch-pharmazeutische Industrie mit einem Anteil von 15 Prozent am Gesamtverbrauch der größte Gasverbraucher hierzulande. Nach einem Ergebniseinbruch im dritten Quartal hatte Brudermüller bereits ein Sparprogramm angekündigt.

mg/dpa-afx, Reuters
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