Nach Rolex, Patek, Chanel und Tudor Auch LVMH sagt Baselworld ab - Uhrenmesse vor dem Aus

LVMH sagt Baselworld ab

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Es ist erst wenige Tage her, dass die Luxusuhren-Hersteller Rolex, Patek Philippe, Chanel, Chopard und Tudor ihre Teilnahme an der Uhrenmesse Baselworld im kommenden Jahr absagten.

Nun folgt ein erneuter Rückschlag für die Messebetreiber MCH Group, der die Zukunft der Baselworld generell in Frage stellen dürfte. Am Freitag verkündete der Luxusgüterkonzern LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton  ("TAG Heuer", "Hublot", "Zenith", "Bulgari") ebenfalls, nicht mehr an der Messe teilnehmen zu wollen. Stattdessen wolle sich der Konzern den anderen Herstellern und dem Branchenverband Fondation de la Haute Horlogerie (FHH) anschließen. Zusammen mit Rolex, Patek Philippe, Chanel, Chopard und Tudor hatte FHH am Dienstag bekannt gegeben, eine neue Messe in Genf ins Leben rufen zu wollen.

"Wir bedauern es sehr, die Baselworld verlassen zu müssen. Unsere Häuser waren diesem über 100-jährigen Get-Together der Uhrenindustrie stets loyal", schrieb LVMH in einer Mitteilung. Es sei jedoch - und vor allem unter diesen Umständen - klar, schnell reagieren und andere Vorkehrungen treffen zu müssen. "Wir haben nun die Gelegenheit, das Format und den Inhalt eines der Schlüsselmomente unserer Industrie und unseres Uhren-Kalenders neu zu definieren."

Hintergrund dürfte zum einen sein, dass die Messe schon seit einiger Zeit an Bedeutung verloren hat. Auch waren nicht alle Aussteller mit dem neuen Datum der Messe im kommenden Jahr einverstanden. So hatte MCH die Baselworld in diesem Frühjahr wegen der Corona-Krise abgesagt und den Termin im kommenden Jahr auf Januar vorverlegt.

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Für die Absagen jetzt dürfte der Auslöser jedoch laut Presseberichten eine Mitteilung der Veranstalter von Anfang April gewesen sein. Demnach hatte MCH die Aussteller um Verständnis gebeten, dass die Baselworld 85 Prozent der bereits gezahlten Beiträge für die diesjährige Messe auf die Ausstellung 2021 übertragen würde, schrieb die "Neue Züricher Zeitung".  Die übrigen 15 Prozent sollten demnach für bereits erbrachte Leistungen zur abgesagten Ausgabe 2020 einbehalten werden. Wer Geld zurückerhalten wolle, bekäme jedoch nur einen Teil zurück. Wie die Zeitung weiter berichtete, stieß dieses Vorgehen in der Branche auf Unverständnis.

So schrieb Rolex: "Leider haben wir angesichts der Entwicklung der Veranstaltung und der jüngsten Entscheidungen der MCH Group und trotz der großen Verbundenheit mit dieser Uhrenmesse beschlossen, uns zurückzuziehen." Nach der Absagte von Rolex, Patek Philippe, Chanel und Co. galt LVMH nun umso mehr für die Baselworld als das verbliebene Schwergewicht. Die Swatch Gruppe hatte sich bereits 2019 von der Messe zurückgezogen.

Gewinner des Branchenunmuts könnte unterdessen der in Genf ansässige Messeveranstalter Palexpo sein. Zusammen mit FHH verantwortet er die Messe "Watches & Wonders", die zuvor unter dem Namen "Salon International de la Haute Horlogerie" lief. An ihr wollen nun die bekannten Hersteller teilnehmen, heißt es.

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Der Messerveranstalter MCH Group hatte die Absage der Aussteller "mit großer Überraschung und ebenso großem Bedauern" zur Kenntnis genommen. Das Unternehmen rechnet 2020 wegen der Verschiebung und Absage von Veranstaltungen infolge der Corona-Pandemie mit Umsatzeinbußen von bis zu 170 Millionen Franken. Im vergangenen Jahr belief sich der Konzernumsatz auf 445 Millionen Franken. Ob die Messe nun weitergeführt werden kann, darüber wollte das Unternehmen in den nächsten Wochen entscheiden, hieß es bereits am Dienstag dieser Woche. Der Stern der Baselworld scheint unterzugehen.


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LVMH, das von Bernard Arnault, dem drittreichsten Menschen weltweit, geführt wird, hatte kurz vor Bekanntgabe der Baselworld-Entscheidung auch seine Bilanz vorgelegt. "Die Krise ist extrem heftig", hatte LVMH-Finanzvorstand Jean Jacques Guiony bei einer Telefonkonferenz gesagt. Der Umsatz sank im ersten Quartal bereinigt um die Effekte von Übernahmen und Wechselkursumrechnungen um 17 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro. Besonders heftig war der Rückgang in Asien, wo der Erlös außerhalb Japans um ein Drittel sank. In Japan und Europa ging der Umsatz um zehn Prozent zurück und in den USA um acht Prozent. Um die Bilanz zu schonen soll die Gewinnbeteiligung für das vergangene Jahr nur noch 4,80 Euro je Aktie betragen, teilte das EuroStoxx-50-Schwergewicht mit. Ende Januar hatte LVMH noch eine Dividende von 6,80 Euro in Aussicht gestellt.

mit dpa
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