Sonntag, 17. November 2019

Bosch einigt sich mit Mitarbeitervertretern auf Kosteneinsparungen Bosch-Werk geht in Flammen auf

Bosch in Bamberg: Werk gerät in Flammen
DPA

Es sollte der Tag sein, an der Automobilzulieferer Bosch und die Mitarbeitervertreter in Bamberg die Einigung auf ein Sparpaket verkündeten wollten. Doch für fast mehr Schlagzeilen sorgte dann ein Großbrand, der ausgerechnet eines der Werke traf, um die sich die monatelangen Verhandlungen der beiden Parteien drehten. Bei dem Feuer im größten deutschen Werk von Bosch ist am Donnerstag nach ersten Schätzungen ein Schaden im Millionenbereich entstanden. Wie die Polizei und das Unternehmen berichteten, wurde bei dem Brand glücklicherweise niemand verletzt. Die Ursache des Feuers war noch unklar, die Brandfahnder der Kriminalpolizei haben die Ermittlungen dazu aufgenommen.

Sicher ist, dass eine Fabrikhalle durch die Flammen derart stark beschädigt wurde, dass das Gebäude vorläufig nicht mehr betreten werden darf. Die Mitarbeiter konnten sich alle rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Werksfeuerwehr von Bosch hatte bereits kurz nach dem Ausbrechen des Feuers gegen 13.30 Uhr mit den Löscharbeiten begonnen. Anschließend kamen mehrere Feuerwehren aus der Umgebung zu Hilfe. Letztlich waren an dem Großeinsatz mehr als 200 Einsatzkräfte beteiligt.

Kurz bevor das Feuer ausbrach, hatten das Unternehmen und Mitarbeitervertreter sich auf das weitere Vorgehen zur Kostenreduzierung einigt. Nach monatelanger Unsicherheit konnte die Zukunft des größten deutschen Produktionsstandorts von Bosch in Bamberg geklärt werden. Die Beschäftigten des Autozulieferers reduzieren dabei für die kommenden sechs Jahre ihre Arbeitszeit und müssen auf einen Teil ihres Geldes verzichten.

Im Gegenzug schließt das Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen bis ins Jahr 2026 aus und investiert in eine Neuausrichtung des Werks, das komplett am Verbrennungsmotor hängt. Werkleitung und Betriebsrat haben eine entsprechende Vereinbarung zur Standortsicherung ausgehandelt, hatten beide am Donnerstag mitgeteilt. Zuvor waren die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung darüber informiert worden.


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Über die Standortsicherung hatten sich zuvor die Arbeitnehmervertreter positiv geäußert. "Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden", sagte Betriebsratschef Mario Gutmann der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin erleichtert, dass wir damit eine Neuausrichtung und Sicherheit bekommen. Vor allem die Sicherheit ist heute unbezahlbar", betonte er. Mit der Vereinbarung gewinne man die nötige Zeit, um die Transformation des Standorts zu schaffen, und könne viele Arbeitsplätze erhalten.

Bamberg ist im Verbund der Bosch-Standorte ein Leitwerk für Dieseltechnologie und der größte Produktionsstandort in Deutschland. Mehr als 7000 Menschen sind dort beschäftigt. Entsprechend stark bekommt das Werk schon seit längerer Zeit den Wandel in der Autobranche zur Elektromobilität und den damit verbundenen Rückgang der Nachfrage nach Verbrenner-Technologie zu spüren. Für einige andere Standorte hatte Bosch kürzlich schon Stellenstreichungen angekündigt. Andere Zulieferer wollen ebenfalls sparen und dafür die Zahl ihrer Mitarbeiter verringern.

Bosch Bamberg soll nun zu einem Standort für die Produktion von Brennstoffzellen ausgebaut werden. Eine Vorserienfertigung gibt es dort bereits. Auch in Verbrenner wird aber weiter investiert. "Wir können uns nun auf die Industrialisierung der mobilen und stationären Brennstoffzelle konzentrieren und zugleich die Verbrennungstechnologie weiterentwickeln - denn auch die Mobilität der Zukunft kommt ohne den modernen Verbrenner nicht aus", betonte Gutmann.

Ein Großteil der Beschäftigten arbeitet bisher 35 Stunden pro Woche. Vom 1. April 2020 an sollen es dann sechs Jahre lang drei Stunden weniger sein - mit entsprechend sinkender Bezahlung. Wer bisher 40 Stunden arbeitet, muss um vier Stunden reduzieren. "Dies ist eine für das Werk Bamberg maßgeschneiderte Lösung, die in dieser Form neu bei Bosch ist", sagte der kaufmännische Werkleiter Martin Schultz. Rund 6200 Tarifbeschäftigte sind davon betroffen, für den Rest gelten andere Regelungen.

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Die Vereinbarung baue dem Standort Bamberg eine Brücke in die Zukunft, die man gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern geschlagen habe, sagte Bosch-Arbeitsdirektor Christoph Kübel. "Sie gibt uns und unseren Mitarbeitern dort über einen langen Zeitraum Planungssicherheit", betonte er. Das könne, trotz jeweils unterschiedlicher Bedingungen, auch ein Beispiel für andere Standorte sein. Wo immer möglich, sei es besser, die Arbeitszeit zu reduzieren, als Stellen abzubauen.

dpa/akn

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