Kampf um Atlantia Familie Benetton legt sich mit Real-Madrid-Präsident an

Die italienische Modefamilie Benetton hat ein milliardenschweres Übernahmeangebot für die Infrastruktur-Holding Atlantia vorgelegt. Damit will sie den spanischen Baulöwen Florentino Pérez ausstechen. Sollte der Deal zustande kommen, wäre es die zweitgrößte Übernahme in diesem Jahr.
Hat auch ein Auge auf Atlantia geworfen: Real-Madrid-Präsident und ACS-Chef Florentino Pérez

Hat auch ein Auge auf Atlantia geworfen: Real-Madrid-Präsident und ACS-Chef Florentino Pérez

Foto: SERGIO PEREZ / REUTERS

Die italienische Unternehmerfamilie Benetton will mit einem 58 Milliarden Euro schweren Angebot für die Infrastruktur-Holding Atlantia eine Übernahme durch zwei Finanzinvestoren vereiteln. Zusammen mit dem US-Finanzinvestor Blackstone bietet der von Alessandro Benetton geführte Eigentümer der gleichnamigen Modekette 12,7 Milliarden Euro für die restlichen Anteile an Atlantia, die unter anderem Mautstraßen und Flughäfen in Südeuropa und in Lateinamerika betreibt. Sie wollen den Investoren Global Infrastructure Partners (GIP) und Brookfield zuvorkommen, die die Fühler nach Atlantia ausgestreckt und sich dabei mit dem spanischen Baulöwen Florentino Pérez (75) zusammengetan haben. Perez' Baukonzern ACS ist ebenso wie Atlantia an Deutschlands größtem Bauunternehmen Hochtief beteiligt.

Die Jagd auf Infrastruktur-Investments, die unabhängig von der Konjunktur stabile Renditen versprechen, erreicht damit eine neue Dimension. "Die gigantische Transaktion zeigt, wie tief die Taschen von Finanzinvestoren sind und wie attraktiv Investments in Infrastruktur in diesem inflationären Umfeld geworden sind", sagte Private-Equity-Analyst Wylie Fernyhough von Pitchbook. Es wäre die zweitgrößte Übernahme weltweit in diesem Jahr, nach dem 69 Milliarden Dollar schweren Verkauf des Computerspiele-Konzerns Activision Blizzard an Microsoft.

Die Benettons, die bereits 33,1 Prozent an Atlantia halten, bieten gemeinsam mit Blackstone 23 Euro für die restlichen Aktien, um das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Das dürfte reichen, um andere Bieter abzuschrecken, sagten Analysten. Insgesamt kommt Atlantia damit auf einen Börsenwert von fast 19 Milliarden Euro, dazu kommen 38,6 Milliarden Euro Schulden. Die Übernahme soll mit weiteren 8,2 Milliarden Euro an Krediten finanziert werden. Spekulationen um einen Bieterstreit hatten die Atlantia-Aktien in den vergangenen zehn Tagen bereits um 20 Prozent nach oben schießen lassen. Am Donnerstag legten sie an der Mailänder Börse um weitere 4,5 Prozent auf 22,89 Euro zu.

GIP und Brookfield waren abgeblitzt

Die Benettons reagieren mit dem Übernahmeangebot auf den Vorstoß von Global Infrastructure Partners (GIP) und der kanadischen Brookfield. Die Infrastruktur-Investoren waren auf die Familie zugegangen, um ihr Atlantia abzukaufen, waren dort aber abgeblitzt. Ein konkretes Angebot des Konsortiums liegt bisher nicht vor. GIP und Brookfield wollen nach einer Übernahme die Autobahnmaut-Konzessionen von Atlantia – etwa in Frankreich, Spanien und Südamerika – an ACS weiterreichen. Neben rund 10.000 Kilometern Mautstraßen gehören dem italienischen Infrastruktur-Konzern auch fünf Flughäfen, etwa in Rom und in Südfrankreich.

Pérez, der auch als Präsident und Mäzen des Fußballklubs Real Madrid bekannt ist, böte eine Übernahme die Chance, sein Imperium neu ordnen. Den spanischen Autobahnbetreiber Abertis halten ACS (30 Prozent) und Atlantia (50 Prozent plus eine Aktie) seit 2017 gemeinsam, Hochtief ist mit 20 Prozent an ihm beteiligt. An Hochtief hält ACS wiederum mit 50,4 Prozent die Mehrheit, Atlantia ist an dem Essener Konzern mit 16 Prozent beteiligt. Die Italiener hatten bereits signalisiert, dort aussteigen zu wollen. Hochtief wiederum ist gerade dabei, die australische Tochter Cimic ganz zu übernehmen und damit seine Konzernstruktur zu vereinfachen.

"Italienische Identität soll bewahrt werden"

Letztlich soll die norditalienische Modefamilie 65 Prozent an Atlantia halten, Blackstone 35 Prozent. Alessandro Benetton sagte am Donnerstag, weitere Aktionäre von Atlantia aus dem In- und Ausland könnten sich ebenfalls beteiligen. Die Familie wolle "die italienische Identität des Unternehmens" bewahren. Die Bankenstiftung CRT hat zugesagt, Benetton ihre 4,5 Prozent anzudienen. Beide Bieter unterstützten voll die langfristige Strategie von Atlantia und seien bereit, weitere Zukäufe im Infrastruktur- und Mobilitätsumfeld zu finanzieren.

Dabei winkt Atlantia bald ein Geldsegen von acht Milliarden Euro vom Staat. Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua 2018 mit 43 Todesopfern hatte die Regierung in Rom Atlantia gedrängt, ihre Beteiligung am größten Mautstraßen-Betreiber des Landes, Autostrade per l'Italia, an ein Konsortium um die Staatsbank CDP zu verkaufen. Diesem gehört neben der australischen Macquarie auch Blackstone an.

Mit dem Geld will sich Atlantia verstärkt auf Infrastruktur-Technologie ausrichten, etwa zur Maut-Erhebung und -Abrechnung. Anfang des Jahres hatten die Italiener dazu die Straßenverkehrs-Sparte Yunex Traffic von Siemens für 950 Millionen Euro gekauft.

mg/Reuters