Mittwoch, 13. November 2019

Milliardenübernahme unter Immobilienriesen Aroundtown und TLG einigen sich auf Eckpunkte

Aroundtown soll ein Übernahmeangebot für TLG Immobilien
TLG Immobilien
Aroundtown soll ein Übernahmeangebot für TLG Immobilien

Papiere von TLG Immobilien sind am Montag gefragt: Schon im vorbörslichen Handel auf der Handelsplattform Tradegate stiegen die Aktien des Spezialisten für Gewerbeimmobilien um bis zu 5,3 Prozent. Zum Börsenauftakt am Montagmorgen ging es für die TLG-Papiere dann um 4,5 Prozent nach oben.

Hintergrund ist die konkreter werdende Milliardenfusion der Immobilienspezialisten Aroundtown Börsen-Chart zeigen und TLG Börsen-Chart zeigen. Beide Konzerne hatten bereits Anfang September mitgeteilt, eine Fusion zu prüfen, nun gaben sie bekannt, sich auf die Eckpunkte geeinigt zu haben. Das teilten beide Unternehmen am Sonntag in Berlin und Luxemburg mit. Dabei sei vorgesehen, dass Aroundtown den TLG-Aktionären ein Übernahmeangebot machen wird. Das Angebot soll noch in diesem Jahr vorgelegt werden. Bezahlt werden sollen die TLG-Anteilseigner mit Aroundtown-Aktien. Sollte das Vorhaben gelingen, würde europaweit der größte Anbieter von Bürohäusern entstehen.

Anders als die TLG-Papiere gaben die Aktien von Aroundtown am Montagmorgen etwas nach. Die Papiere verbilligten sich um 0,2 Prozent. Letztere müssten schließlich für die Übernahme von TLG neue Aktien ausgeben, sagten Börsianer. Das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung für Aroundtown nach der konkreter werdenden Fusion mit TLG Immobilien auf "Buy" mit einem Kursziel von 8,50 Euro belassen. Zu den erwarteten Synergien sei bislang nichts bekannt, schrieb Analyst Thomas Rothäusler in einer am Montag vorliegenden Studie. Es sehe nun aber so aus, als ob Aroundtown bei der Verschmelzung eine dominierende Rolle einnimmt. Der deutsche Büromarkt, auf den beide Immobilienunternehmen spezialisiert seien, setze seine starke Dynamik fort.

Beide Aroundtown und TLG Immobilien sind auf Gewerbeimmobilien spezialisiert. Aroundtown hält zudem auch mit knapp 39 Prozent an Grand City Properties beteiligt. Grand City hatte zuletzt 81.000 Wohnungen vor allem in Nordrhein-Westfalen und auch Berlin. Das in der Öffentlichkeit bis dato weitestgehend unbekannte Unternehmen Aroundtown aus Luxemburg geriet im Sommer mit dem Engagement als Trikotsponsor des Bundesliga-Aufsteigers Union Berlin in die Schlagzeilen.

Formeller Konzernsitz soll in Luxemburg liegen

An der Börse ist das im MDax notierte Unternehmen derzeit neun Milliarden Euro wert, das im SDax gelistete Unternehmen TLG Immobilien kommt auf eine Marktkapitalisierung von 2,8 Milliarden Euro. TLG hatte im September mitgeteilt, sich knapp zehn Prozent an Aroundtown gesichert zu haben, und damit die Fusionsgespräche ausgelöst.

Bei der Offerte soll der Preis je TLG-Aktie auf Basis des Nettovermögenswertes (Net Asset Value, kurz NAV) der beiden Unternehmen ermittelt werden. Dieser betrug Ende Juni nach Angaben der Unternehmen bei TLG 3,33 Milliarden Euro oder 29,77 Euro je Aktie und bei Aroundtown bei rund zehn Milliarden oder 8,30 Euro je Aktie.

Bei der Besetzung des Managements soll TLG eine wichtige Rolle eingeräumt werden und zum Beispiel den Finanzvorstand und den ersten Vorsitzenden des Verwaltungsrats nominieren. Das zusammengeführte Unternehmen soll zudem einen neuen Namen erhalten. Zudem soll der operative Hauptsitz in Berlin, also der Heimat von TLG, sein. Formeller Konzernsitz soll weiter in Luxemburg sein.


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Bis zur Abgabe eines Angebots wollen die beiden Gesellschaften noch genau ermitteln, welches Synergiepotenzial ein Zusammenschluss haben würde. Auf Grundlage der bisher geführten Gespräche haben die beiden Parteien nach eigenen Angaben Möglichkeiten für eine Wertschöpfung identifiziert. Beide Gesellschaften haben wie für auf Gewerbeimmobilien spezialisierte Unternehmen relativ wenige Mitarbeiter. TLG hatte Ende Dezember vorigen Jahres 132 Angestellte, Aroundtown 374.

TLG hält vor allem Büros und Einzelhandelsimmobilien

Aroundtown hat seine Gewerbeimmobilien gemessen am Marktwert überwiegend in Berlin, München und Frankfurt - dabei handelt es sich vor allem um Büros und Hotels. TLG ist ebenfalls stark in Berlin engagiert. Weitere regionale Schwerpunkte sind Dresden, Leipzig, Rostock sowie das Rhein-Main-Gebiet. Investiert hat TLG vor allem in Büros und Einzelhandelsimmobilien - so findet man dort am häufigsten Edeka, Rewe, Kaufland und Lidl.

Das Immobilienportfolio der beiden Unternehmen kommt einer Präsentation von September zufolge auf einen Wert von fast 24 Milliarden Euro. Beide Unternehmen konnten im vergangenen Jahr ihre Mieteinnahmen kräftig steigern - zusammen betrugen sie rund 857 Millionen Euro. Durch eine Fusion würde nach Angaben der beiden Unternehmen der größte Anbieter von Büroimmobilien in Europa entstehen, zudem würde gemessen an der Bilanzsumme nach Unibail-Rodamco-Westfield und Vonovia der drittgrößte europäische Immobilienkonzern entstehen.

TLG Immobilien geht auf eine Tochter der Treuhandgesellschaft zurück. 2012 hatte die Bundesregierung das Unternehmen an den US-Finanzinvestor Lone Star verkauft, der das Unternehmen 2014 an die Börse gebracht hatte. Seit einiger Zeit besitzt der israelische Investor Amir Dayan knapp 30 Prozent der Anteile an TLG Immobilien. Aroundtown wurde 2004 vom israelischen Geschäftsmann Yakir Gabay gegründet und wurde 2015 an die Börse gebracht - seit März vergangenen Jahres ist das Unternehmen im MDax gelistet

dpa/rtr/akn

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