Stau im Hamburger Hafen HHLA-Chefin sendet Hilferuf wegen Containerchaos

Wegen des Corona-Lockdowns in China und des Ukraine-Krieges hat die HHLA seit Monaten mit durcheinander geratenen Fahrplänen der Reedereien und LKW-Fahrermangel zu kämpfen. Dadurch stauen sich Container, die den Hafenbetrieb bremsen. HHLA-Chefin Angela Titzrath ruft alle Beteiligten dazu auf, sich besser zu koordinieren.
HHLA-Chefin Angela Titzrath: "Eine Produktion just in time zeigt Risiken. Und Volatilität braucht Flexibilität von allen".

HHLA-Chefin Angela Titzrath: "Eine Produktion just in time zeigt Risiken. Und Volatilität braucht Flexibilität von allen".

Foto: Chris Emil Janssen / imago images / Chris Emil Janßen

Der Hamburger Hafenkonzern HHLA richtet sich auf länger gestörte Lieferketten und Verzögerungen im Containerverkehr ein. Konzernchefin Angela Titzrath (56) richtete am Donnerstag einen Appell an Reedereien, Speditionen, die Deutsche Bahn, Auftraggeber sowie Behörden, sich besser abzustimmen. Alle Teilnehmer in der logistischen Kette sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und die Lage nicht für eigene Interessen ausnutzen, sagte die HHLA-Chefin am Donnerstag bei der virtuellen Hauptversammlung. Eine Lehre aus der immer unsicher werdenden Welt lasse sich schon jetzt ziehen: "Eine Produktion just in time zeigt Risiken. Und Volatilität braucht Flexibilität von allen", betonte Titzrath.

Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) kämpft – wie andere Logistikunternehmen auch – seit Monaten mit den wegen der Corona-Lockdowns in China und dem Ukraine-Krieg durcheinander geratenen Fahrplänen der Reedereien. Container stapeln sich an den Terminals, weil die Frachter oft nicht alle Stahlboxen mitnehmen. Gleichzeitig würden Export- oder Importladungen zu früh oder zu spät angeliefert, sagte Titzrath. "Die Folgen sind Containerboxen, die das System verstopfen und den Umschlagbetrieb bremsen." Hinzu komme, dass wegen des Krieges mehr als 100.000 Lkw-Fahrer aus der Ukraine fehlten. Der Engpass habe sich vergrößert. In der Folge sei Laderaum knapper geworden und die Preise seien gestiegen.

Zusätzlich behindert werde der Abtransport dadurch, dass Baustellen von den Behörden oft nicht rechtzeitig angekündigt würden und sich dadurch lange Staus bildeten, in denen Lastwagen stundenlang feststecken. Durch den Warnstreik der Hafenarbeiter habe sich die Abfertigung in Hamburg weiter verzögert.

HHLA hält trotz Schwierigkeiten an Prognose fest

Für das eigene Geschäft rechnet die HHLA dennoch nicht mit gravierenden Auswirkungen. Titzrath bekräftigte die unlängst angehobene Prognose wonach das operative Ergebnis (Ebit) des Konzerns in diesem Jahr in einer Bandbreite zwischen 175 und 210 (Vorjahr 228) Millionen Euro landen soll. Sowohl beim Containerumschlag als auch beim Transport im Hinterland sowie beim Umsatz erwarte der Vorstand einen moderaten Anstieg zum Vorjahr. Angetrieben wird das Ergebnis vor allem durch höhere Lagergelder für Container, die die HHLA wegen der teils mehrwöchigen Schiffsverspätungen kassiert.

Titzrath zeigt sich zuversichtlich hinsichtlich Hafenfusion

Unterdessen ziehen sich die seit Monaten laufenden Gespräche mit dem Bremer Rivalen Eurogate über einen Zusammenschluss der norddeutschen Containerhäfen weiter hin. Es gebe keinen neuen Sachstand, sagte Titzrath. Die Beteiligten hätten Stillschweigen vereinbart. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass eine schon mehrfach in Aussicht gestellte Absichtserklärung für eine Hafenallianz noch zustande komme. Der Hamburger Hafen war bereits weit vor dem Ausbruch des Ukraine-Krieges und der Covid-19-Pandemie im internationalen Vergleich zurückgefallen und kann seit Jahren nicht mehr von der Expansion des Welthandels profitieren. Experten fordern daher schon seit Längerem ein Zusammenwachsen mit den beiden Häfen Bremerhaven und Wilhelmshaven an der Nordseeküste.

dri/Reuters
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