Siemens-Angebot für Alstom Kaesers raffinierter Bluff

Siemens-Chef Joe Kaeser hat im Kampf um Alstom einen guten Spieler abgegeben: Sein Tauschgeschäft Bahnsparte gegen Energiegeschäft war bloß ein Bluff. Tatsächlich wollte er nur die Gasturbinen - und die könnte er bald bekommen.
Pokerface Kaeser: Ziel fast erreicht

Pokerface Kaeser: Ziel fast erreicht

Foto: Rainer Jensen/ dpa

Was zeichnet einen guten Pokerspieler aus? Er bleibt stets cool, selbst wenn er ein schlechtes Blatt hat. Er zeigt sein berühmtes Pokerface, wenn er blufft. Glaubt der Gegner, ihn besiegt zu haben, zieht er einfach eine neue Karte und zwingt ihn, den Einsatz noch einmal zu erhöhen - bis an die Schmerzgrenze.

Auch Joe Kaeser beherzigt diese Regeln. Die Partie, die der Siemens-Chef gerade spielt, findet allerdings nicht in verruchten und verrauchten Hinterzimmern statt, sondern im gleißenden Licht der Öffentlichkeit. Sie verspricht Spannung pur.

Vor gut sieben Wochen drängte der Siemens-Chef sich als Mitspieler in einen Kampf, der zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden schien. Der US-Rivale General Electric  schickte sich gerade an, den kleineren französischen Wettbewerber Alstom  zu schlucken. Nur an einem für sie unverdaulichen Rest, der Verkehrstechniksparte mit den weltberühmten TGV-Zügen, hatten die Amerikaner kein Interesse.

Das Nachsehen hat General Electric

Kaeser wusste, dass er eine schlechte Ausgangsposition hatte und nur mit einer Wild Card ins Spiel kam. Die stellte er sich prompt selbst aus - in Form eines gewagten Tauschgeschäfts. Sein Konzern wolle die Alstom-Energiesparte gegen das eigene Bahngeschäft eintauschen und sogar noch etwas drauflegen, kündigte er großspurig an. Arbeitnehmervertreter, Analysten und Siemens-Aktionäre warnten schon damals, Kaeser könne sich übernehmen, da er parallel dazu gerade sein eigenes Unternehmen radikal umbauen will.

Inzwischen zeichnet sich ab, was die Offerte wirklich war: ein raffinierter Bluff. Der Siemens-Chef war in Wahrheit nie an der gesamten Alstom-Energietechnik interessiert, sondern nur an der Gasturbinensparte. Für sie und nur für sie haben Kaeser & Co. nun ein Angebot abgegeben, weil sie hervorragend zum vorhandenen Geschäft des Konzerns passt. Um alles andere sollen sich die Japaner kümmern, die der Siemens-Chef eingeladen hat, mitzumachen, nachdem er sich selbst ins Spiel gebracht hatte. Ohne seine Empfehlung hätten sie wohl nie mit am Tisch sitzen dürfen. Nun können sich alle als Gewinner fühlen.

Kaeser hat gute Chancen, nur das zu bekommen, was er wirklich will. Die Manager von Mitsubishi Heavy Industries (MHI) sind happy, weil sie in Europa womöglich bald stärker Fuß fassen können. Und die französische Regierung freut sich, dass Alstom nun doch nicht zerschlagen werden, sondern zumindest in abgespeckter Form überleben soll. Das Nachsehen haben die Amerikaner. Sie werden erneut ordentlich was drauflegen müssen, wenn sie sich am Ende doch noch den Pot, nämlich Alstom, sichern wollen. Und wem haben Sie das zu verdanken? Pokerface Kaeser.

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