Ex-Allianz-Vorständin Grohnert über neuen Job "Das ist ein cleverer Move von ihm"

Die Chefin der "Charta der Vielfalt" berät künftig den Stahlmagnaten Sanjeev Gupta. Der hat viel vor, hält sich bei der Transparenz aber noch zurück.
Ana-Cristina Grohnert: Vorkämpferin für eine faire Arbeitswelt mit besserer Rendite

Ana-Cristina Grohnert: Vorkämpferin für eine faire Arbeitswelt mit besserer Rendite

Foto: Dominik Butzmann

Ana-Cristiana Grohnert, 53, ehemalige Personalvorständin der Allianz Deutschland, berät künftig den indisch-stämmigen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta. In England fast jedem geläufig, wurde der Gupta-Clan in Deutschland erst so richtig bekannt durch die jüngsten Übernahmegelüste der Stahlsparte von Thyssenkrupp durch Familienmitglied Sanjeev, 49, und seiner Liberty Steel (rund 30.000 Beschäftigte). Daraus wurde allerdings, für ihn "völlig überraschend", nichts. Grohnert soll derlei Niederlagen künftig verhindern helfen: Sie zieht ins Global Advisory Board der Holding GFG Alliance, in der die Familie ihre gesammelten Geschäfte mit Stahl, Energie und Aluminium bündelt.

Grohnert ist ganz und gar positiv gestimmt für ihn, euphorisch gar. Stahlmagnat Gupta will in seiner Branche, die bis dato zu den schlimmsten Umweltsündern überhaupt gehört und bei der Produktion von Treibhausgasemissionen ganz vorne liegt, zum Vorbild werden. Mit "grünem Stahl", als inklusiver Arbeitgeber und sozialverantwortlicher Unternehmer, der hierarchiefrei den gesellschaftlichen Wandel vorantreiben will. Umwelt, Nachhaltigkeit, Purpose, allesamt Schlagworte, die nach schöner neuer Welt klingen, prangen auf den Flaggen, die über seinen Fabriken wehen.

Grohnert wiederum führt seit Jahren als Vorstandsvorsitzende die "Charta der Vielfalt". 3800 Unternehmen, die ein gutes Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigen, haben sich dieser Initiative bereits angeschlossen, um die Arbeitswelt diverser zu gestalten. Das sorge nicht nur für faire Arbeitsbedingungen, es sei obendrein auch gewinnträchtiger. Grohnert verweist vor ihrem Videobildschirm auf eine Reihe wissenschaftlicher Studien, die genau das belegen sollen.

Gewiefte Netzwerkerin und Brückenbauerin der Kulturen

Sie hat darüber jüngst sogar ein eigenes Buch veröffentlicht, "Das verborgene Kapital" (Campus 2021). Dass Gupta Umsatz- und Gewinnzahlen seiner Geschäfte unter Verschluss hält, stört Grohnert nicht. Statt dessen schwärmt sie, "das ist ein echter Changer". In Frankreich wolle er jetzt ein Green-Steel-Werk aufziehen, mit Unterstützung der deutschen Stahl-Holding Saar. Grohnert soll derweil für den ideologischen Überbau sorgen und "die Menschen mitnehmen", Zukunftsmusik komponieren. Im Hier und jetzt hingegen dürfte für Sanjeev Gupta ausschlaggebend gewesen sein, dass sie eine gewiefte Netzwerkerin ist, oder? "Ich bin als Ambassador der Gruppe sicherlich ein Brückenbauer der Kulturen und Change-Unterstützer", sagt sie und lächelt sybillinisch. "Klar ist das ein cleverer Move von ihm."