Investor kauft große Teile des insolventen Küchenherstellers Berater-Legende Roland Berger will Alno fortführen

Roland Berger: Die von ihm vertretene Investmentgesellschaft Riverrock, an der Berger auch beteiligt ist, hat wesentliche Teile von Alno gekauft und will die Küchenproduktion fortführen

Roland Berger: Die von ihm vertretene Investmentgesellschaft Riverrock, an der Berger auch beteiligt ist, hat wesentliche Teile von Alno gekauft und will die Küchenproduktion fortführen

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Ein Investor hatte sich nicht gefunden, das endgültige Aus schien damit Ende November besiegelt. Das verbleibende Alno-Vermögen werde verkauft, erklärte Insolvenzverwalter Martin Hörmann. Doch jetzt gibt es unerwartet Hoffnung für die Beschäftigten des insolventen Küchenherstellers. Entscheidenden Anteil daran hat eine deutsche Beraterlegende.

Roland Berger, Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung und Chairman bei der britischen Investmentgesellschaft Riverrock , hat mit eben dieser Gesellschaft für rund 20 Millionen Euro wesentliche Teile von Alno gekauft. Dazu gehören Maschinen, Grundstücke und auch die Markenrechte.

Der Deal hat vor allem ein Ziel: So bald wie möglich sollen in Pfullendorf wieder Küchen produziert werden, erklärte Hörmann am Dienstag. Der Kaufvertrag sei bereits unterschrieben, einige Bedingungen müssten aber erfüllt werden.

"Neue Alno GmbH" könnte 410 Mitarbeiter beschäftigen

Alno ist der britische Finanzinvestor nicht unbekannt: Riverrock hatte dem Küchenhersteller nach der Insolvenz einen Massekredit über sechs Millionen Euro gewährt, wie die "FAZ" Ende September exklusiv berichtete . Das Unternehmen konnte deshalb die Produktion vorerst weiterführen. Riverrock, an der Berger ebenso wie der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris beteiligt ist, ist nach eigenen Angaben  auf mittelständische Unternehmen in Europa und insbesondere in Deutschland spezialisiert.

Nach Worten des Insolvenzverwalters sei Riverrock davon überzeugt, dass sich mit der Küchenproduktion Geld verdienen ließe. Die "Neue Alno GmbH" wolle 410 Mitarbeiter beschäftigen. Wann der Startschuss für die Fortsetzung der Produktion fällt, ist noch unklar. Dies hinge auch davon ab, ob und wann die im Kaufvertrag genannten Bedingungen erfüllt werden könnten.

Kampf um Alno glich zuletzt einem Wirtschaftskrimi

So muss unter anderem der Gläubigerausschuss dem Geschäft zustimmen. Zudem müsse die Bundesagentur für Arbeit für eine Übergangsphase Kurzarbeitergeld für die Beschäftigten gewähren. Auch müsse eine Transfergesellschaft, in die alle Mitarbeiter wechseln sollen, die nicht von der Neuen Alno übernommen werden, noch gegründet werden. Hörmann, der lange vergeblich nach einem Investor suchte, warnte daher vor zu großer Euphorie, bis die Bedingungen erfüllt seien.

Kampf um Alno glich zuletzt einem Wirtschaftskrimi

Der Kampf um den namhaften, insolventen Küchenhersteller hatte zuletzt einem veritablen Wirtschaftskrimi geglichen. Die bosnische Hastor-Familie, die auch als Eigner des Autozulieferers Prevent und mit dem Übernahmeversuch von Grammer Furore gemacht macht, hatte trotz der Pleite versucht, die Kontrolle über Alno zu behalten. Dagegen hatte unter anderem die frühere Finanzchefin Ipek Demirtas mobil gemacht. Mit Erfolg: Ende August gab Hastor die Kontrolle über Alno auf, die Sanierung in Eigenregie wurde abgeblasen und stattdessen ein Insolvenzverwalter bestellt.

Alno hatte im Juli Insolvenzantrag gestellt und später aus Geldmangel die Produktion eingestellt. Die auf Billigsegment spezialisierte Tochter Pino aus Coswig (Sachsen-Anhalt) war schon Anfang Oktober an eine Investorengruppe um Marktführer Nobilia (Ostwestfalen) verkauft worden. Für die andere Tochter Wellmann aus Enger in Nordrhein-Westfalen gibt es aber auch jetzt keine Hoffnung.

mit dpa