Unwetter und Abschreibungen belasten den Versicherer Allianz im Sturmtief - Gewinn bricht ein

Unwetter wie in Braunsbach in Baden-Würrttemberg lassen die Gewinne der Allianz einbrechen

Unwetter wie in Braunsbach in Baden-Würrttemberg lassen die Gewinne der Allianz einbrechen

Foto: DPA / Marijan Murat

Die Allianz (Kurswerte anzeigen) hat im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang verbucht. Der Überschuss schrumpfte um 46 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, teilte Europas größter Versicherer am Freitag mit. Der operative Gewinn ging um 17,2 Prozent auf 2,4 Milliarden zurück. Beides lag unter den Markterwartungen.

Einerseits musste der Konzern im Frühjahr wie viele Konkurrenten mehr Geld in die Hand nehmen, um Unwetterschäden zu regulieren. "Das zweite Quartal wurde insbesondere durch ausgesprochen hohe Schäden aus schweren Überschwemmungen und Stürmen in Europa geprägt", erklärte Vorstandschef Oliver Bäte. Vor allem die schweren Unwetter in Deutschland und Frankreich kamen den Versicherer teuer zu stehen.

Allianz-Chef Bäte: Zuversicht trotz schwacher Zahlen

Allianz-Chef Bäte: Zuversicht trotz schwacher Zahlen

Foto: Matthias Schrader/ AP

Zum anderen hält die Schwäche der Vermögensverwaltung an. Die wichtige US-Fondstochter Pimco hat die erhoffte Trendwende noch nicht geschafft: Hier ziehen die Kunden unter dem Strich weiter Milliarden ab. Am Jahresziel will die Allianz dennoch nicht rütteln: Der operative Gewinn soll bei 10 bis 11 Milliarden Euro liegen, bekräftigte der Konzern. 2015 lag er bei 10,7 Milliarden Euro.

Branchenexperten hatten im Vorfeld bereits mit einem Rückgang des operativen Gewinns gerechnet. Von Bloomberg befragte Analysten erwarteten ein Minus um 13 Prozent auf knapp 2,47 Milliarden Euro. Beim Gewinn hatten die Experten mit einem Rückgang von etwa 23 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro gerechnet - auch mit dem Hinweis darauf, dass vor einem Jahr noch der Verkauf von Aktien, Schuldpapieren und die Trennung von der US-Tochter Fireman's Fund das Ergebnis in die Höhe getrieben hatte. Beim Umsatz sagten die Analysten ein Minus um rund 7 Prozent auf etwa 28,2 Milliarden Euro voraus.

Auch Konkurrenz leidet unter Unwettern

Tatsächlich hatten sich die hohen Belastungen im angestammten Geschäft mit Sachversicherungen schon abgezeichnet. Der französische Rivale Axa und die Hannover Rück hatten in dieser Woche erklärt, die Kosten für Schäden durch Naturgewalten seien zuletzt gestiegen. In Deutschland hatte es schwere Stürme gegeben, in Frankreich und Belgien Überschwemmungen, in Kanada wüteten Waldbrände. Bei der Allianz sank deshalb das operative Ergebnis in der Schaden- und Unfallversicherung im zweiten Quartal um 37 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

In der Lebens- und Krankenversicherung zog das Ergebnis dagegen um 18 Prozent auf 1Milliarde Euro an. Die tief in den roten Zahlen steckende Lebensversicherungs-Tochter in Südkorea zählt nicht mehr dazu - sie wird an den chinesischen Versicherer Anbang verkauft, wie die Allianz bereits im April verkündet hatte. Die Münchner nehmen für die Trennung einen Verlust in Kauf: Die Belastung liegt bei 352 Millionen Euro.

Hoffen auf Trendwende bei Pimco

Sorgenkind bleibt die Vermögensverwaltung. Hier schrumpfte das operative Ergebnis im zweiten Quartal um 1,4 Prozent auf 498 Millionen Euro. Zwar sanken die Kosten deutlich. Aber es gibt weiterhin Nettomittelabflüsse, insgesamt 19 Milliarden Euro. Das betraf hauptsächlich das Anleihehaus Pimco, erklärte die Allianz. Der Abzug von Kundengeldern verlangsame sich zwar. "Jedoch sind wir dort noch nicht am Ziel", mahnte Bäte.

Für das zweite Halbjahr rechnet der Konzern damit, dass Pimco unterm Strich keine Kundengelder mehr verlieren werde. Von den Mittelabflüssen von 18 Milliarden Euro, die Pimco im zweiten Quartal noch zu verschmerzen hatte, entfielen 17 Milliarden auf einen einzelnen Kunden, erläuterte Finanzchef Dieter Wemmer in einer Telefonkonferenz. Es gebe auch schon wieder Nettomittelzuflüsse. Daher stünden die Chancen gut, zum Jahresende aufzuholen. Durch den angelaufenen Personalabbau gingen zudem die Kosten runter. Bäte betonte, mit dem neuen Chef, der im November das Ruder übernehme, seien die Weichen für künftiges Wachstum bei Pimco gestellt. "Jetzt müssen wir halt arbeiten. Jetzt geht's los."

reuters, dpa-afx, kna