Dienstag, 18. Juni 2019

Investments in Nigeria Die Giga-Pläne des reichsten Afrikaners Aliko Dangote

Aliko Dangote
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Aliko Dangote

Die Story von Afrika als dem nächsten großen Eldorado für Investoren scheint schon wieder vorbei, bevor sie richtig begonnen hat. Die US-Private-Equity-Firma Blackstone zieht sich aus ihrem 2014 gestarteten Fünf-Milliarden-Dollar-Fonds "Black Rhino" zurück, weil aus ihrer Sicht keines der Projekte das Risiko lohne. Die Kollegen von KKR haben ihr Afrika-Team schon 2017 aufgelöst. Was deutsche Konzerne wie Volkswagen dort aufbauen, ist so klein, dass es hierzulande kaum wahrgenommen wird.

Einer jedoch bleibt auf jeden Fall: Aliko Dangote (61), der bisherige Blackstone-Partner bei "Black Rhino". Mit seinem auf 17 Milliarden Dollar geschätzten Vermögen (vergleichbar mit BMW-Großaktionär Stefan Quandt, jedoch in noch viel stärkerem Kontrast zur Armut seiner Heimat) ist der nigerianische Unternehmer der einzige Vertreter zwischen Sahara und Südafrika im Milliardärsindex von "Bloomberg" - und mit Abstand die Nummer eins auf dem Kontinent.

Die "Bloomberg Businessweek" stellt den Milliardär und seine gewaltigen Ambitionen in ihrer aktuellen Ausgabe vor. "Das wird die gesamte nigerianische Wirtschaft verändern", sagt Dangote über die Ölraffinerie, die er für 12 Milliarden Dollar im Sumpf östlich der Metropole Lagos bauen lässt - ein Großteil davon aus seinem privaten Vermögen.

Nigeria zählt zwar zu den größten Ölexporteuren und ist Mitglied der Opec, für den eigenen Treibstoffbedarf aber fast vollständig auf den Import von Benzin angewiesen. Dangote will das mit dem weltgrößten Projekt seiner Art ändern - auch wenn sich die Investition kaum rechnen dürfte, solange der Staat teuer importiertes Benzin zum festgesetzten Preis von 145 Naira (0,35 Euro) pro Liter abgibt; deutlich unter den Produktionskosten.

Die Subvention, die einen Großteil der Einnahmen aus dem Ölexport aufzehrt, ist ein politisch sensibles Thema. Vor der Wahl am 23. Februar, die Präsident Muhammadu Buhari im Amt bestätigte, wagte sich niemand daran - doch jetzt könnte sich das zu Dangotes Nutzen ändern.

Nebenbei soll die Raffinerie auch die gesamte Nachfrage des 190-Millionen-Einwohner-Landes nach Plastik decken. Ebenso entsteht dort für fünf Milliarden Dollar eine Düngemittelfabrik - natürlich auch in Weltrekord-Dimension, drei Millionen Tonnen Jahreskapazität.

Um die riesigen Anlagen bauen zu können, musste erst ein neuer Hafen her, weil bisher keines der nigerianischen Terminals groß genug für solche Bauten war. Für den Strombedarf brauchte Dangote ein eigenes Kraftwerk, für Industriegase eine neue Produktion, weil es die bisher im ganzen Land nicht gab; Lastwagen, ebenfalls bis dato nicht made in Nigeria zu haben, stellt er in einem Joint-Venture mit chinesischer Hilfe her. "2020 werde ich Öl liefern", beharrt Dangote auf einem Zieldatum für die Raffinerie, das die meisten Experten für unrealistisch halten.

Dangotes bisheriges Vermögen stammt vor allem aus der Zementproduktion, daneben lässt er auch andere Grundstoffe wie Zucker, Getreide oder Salz herstellen. Er stammt aus einer Händlerfamilie in Kano im muslimischen Norden Nigerias. Sein Urgroßvater begann, Kolanüsse aus Ghana gegen nigerianische Erdnüsse zu handeln. Aliko Dangote meldete seinen ersten Zementhandel mit 21 an.

Der frühere Militärherrscher Olusegun Obasanjo, dessen Wahlkämpfe Dangote unterstützte, brachte den Importeur in den 90er Jahren darauf, eine Zementproduktion im Land aufzubauen - was langfristig die nigerianische Wirtschaft stärkt, aber zugleich die Gewinninteressen der Importeure bedrohte. Mit seinen Ex-Kollegen muss Dangote sich auch wegen der neuen Pläne auseinandersetzen. "Nur die Härtesten schaffen es hier", sagte er im vorigen Jahrder "Financial Times" - gab sich zugleich aber ganz bescheiden auf seiner Luxusyacht.

In Nigeria ist Dangotes Reichtum legendär, zieht aber auch Kritiker an, weil er mit Staatshilfe Gewinne mache, Steuern vermeide und Geld ins Ausland schaffe.

In einem Fall bekennt er sich selbst dazu. Wenn die Raffinerie einmal fertig ist, will der Fan des Londoner Fußballclubs Arsenal sich damit belohnen, dass er den Verein selbst übernimmt. "Ich liebe Arsenal und werde es mir auf jeden Fall holen."

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