Samstag, 20. Juli 2019

Abspaltung von Novartis Augenspezialist Alcon bei Börsengang mehr wert als Lyft

Augentest: Alcon startet mit einer Bewertung von 27 Milliarden Dollar
imago/ Westend61
Augentest: Alcon startet mit einer Bewertung von 27 Milliarden Dollar

Das Medizinunternehmen Alcon ist bei seinem Börsendebüt am Dienstag mit rund 27 Milliarden Dollar bewertet worden. Die Aktien des vom Pharmakonzern Novartis abgespaltene Spezialisten für Augenheilkunde starteten mit 55 Franken in den Handel an der Schweizer Börse SIX. Das auf Augenchirurgie und Kontaktlinsen spezialisierte Unternehmen ist damit nicht nur der größte Neuzugang am Parkett in Zürich seit neun Jahren, sondern spielt auch weltweit ganz oben mit.

Der US-Mitfahrdienst Lyft wurde beim Börsengang mit rund 24 Milliarden Dollar bewertet. Die Schweizer Medizintechnikfirma Medacta brachte bei ihrem IPO in der Vorwoche rund zwei Milliarden Dollar auf die Waage.

Damit gehen der Schweizer Pharmakonzern Novartis Börsen-Chart zeigen und seine Augensparte Alcon getrennte Wege. Die Übernahme von Alcon durch Novartis, die 2010 abgeschlossen wurde, galt unter Analysten bereits recht früh als nicht sonderlich glücklich. Für JPMorgan-Analyst James Gordon begann schon 2014 die Phase des Abschwungs. Die Augensparte büßte zunehmend Marktanteile ein. Hauptgrund sei gewesen, dass Alcon seine Plattform Centurion Vision Systems, die vor allem zur Behandlung des grauen Stars eingesetzt wird, zu rasch lanciert habe.

Übernahme im Jahr 2010 - und 10 Jahre später der Abschied

Die Bestandsaufnahme von Mike Ball, den die Novartis-Führung schließlich Anfang 2016 an die Alcon-Spitze setzte, um die Tochter wieder auf Spur zu bringen, fiel heftig aus. Wegen Personalmangels waren Maschinen nicht ausreichend gewartet oder repariert worden und die Kundenzufriedenheit war auf einem Tiefpunkt angelangt. Novartis zog in den folgenden Jahren die Reißleine. Eine Überprüfung des Augengeschäftes wurde ankündigt und schließlich die Abspaltung beschlossen.

Die knapp 490 Millionen Alcon-Aktien wurden vorbörslich bei der Schweizer Bank Julius Bär mit 46,45 Franken zu 53,45 Franken gestellt. Die Bewertung hängt Branchenkennern zufolge stark davon ab, wen die Analysten als Vergleichsgröße heranziehen, denn echte Konkurrenten habe Alcon nicht. Jedenfalls wird Alcon von Beginn an zu den "Blue Chips", den großen Unternehmen, am Schweizer Aktienmarkt zählen und als Medtech-Unternehmen in den Leitindex SMI aufgenommen werden. Dafür müssen die Papiere von Julius Bär den Index verlassen.

Carl Zeiss im Lasergeschäft ein Konkurrent von Alcon

Da Alcon etwas mehr als die Hälfte seiner Umsätze mit dem chirurgischen Geschäft erzielt und die andere mit Kontaktlinsen und anderen Produkten zur Augenpflege, ziehen Analysten in Vorabberichten etwa das deutsche Optik- und Technologieunternehmen Carl Zeiss als Vergleich heran. Zeiss ist unter anderem auch stark im Lasergeschäft unterwegs und hier ein ernst zu nehmender Konkurrent für Alcon.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass Alcon sein zuletzt eingeschlagenes Wachstumstempo vorerst beibehalten wird. Die sei allerdings auch ausschlaggebend, um die Anleger bei Laune zu halten, hieß es. "Alcon muss in den kommenden Monaten zeigen, dass es den zuletzt eingeschlagenen Weg auch beibehalten kann, um auch an der Börse eine Erfolgsgeschichte zu sein", sagte etwa ein Experte.

la/rtr, dpa

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