Luftfahrtkrise Airbus steckt weiter in der Bestellflaute

Schon im Mai hatten Airlines keine neuen Flugzeuge bei Airbus geordert. Wenigstens bei den Stornierungen sieht es für die Europäer besser aus als bei Konkurrent Boeing.
Airbus will tausende Stellen streichen - in Toulouse demonstrierten am Dienstag Beschäftigte des Flugzeugbauers dagegen

Airbus will tausende Stellen streichen - in Toulouse demonstrierten am Dienstag Beschäftigte des Flugzeugbauers dagegen

Foto: Manuel Blondeau/ dpa

Airbus hat im Juni angesichts der Corona-Krise wie schon im Mai keine neuen Flugzeug-Bestellungen eingesammelt. Allerdings muss der Konzern trotz andauernder Corona-Krise nur eine Stornierung für den Monat hinnehmen. Zum Vergleich: Konkurrent Boeing hatte im Mai neun Bestellungen von Frachtflugzeugen vermeldet - allerdings doppelt so viele Stornierungen hinnehmen müssen.

Seit dem Jahreswechsel summierten sich die Netto-Bestellungen auf 298 Verkehrsflugzeuge, teilte der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern am Mittwochabend in Toulouse mit. Das Unternehmen lieferte im Juni 36 Flugzeuge aus. Seit dem Jahreswechsel kommt Airbus damit auf 196 Flugzeug-Auslieferungen. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2019 hatte das Unternehmen 863 Flugzeuge ausgeliefert, also knapp 72 pro Monat. Airbus hatte im Juni angekündigt, seine Produktion für zwei Jahre um 40 Prozent zu drosseln.

Die Corona-Krise trifft die Luftfahrt mit voller Wucht, und damit auch den Flugzeugbauer Airbus. Airlines sind weltweit ins Schlingern geraten, auch Schwergewichte wie die Lufthansa können nur dank Staatshilfe überleben . Airbus-Chef Guillaume Faury (52) hat seinem Unternehmen einen harten Sanierungskurs verordnet - die Pandemie entlarvt die Schwächen seines Geschäftsmodells . Weil Fluglinien kaum noch neue Flugzeuge kaufen, will Airbus weltweit 15.000 Stellen streichen, davon 5000 in Deutschland. Am Mittwoch hatten in Norddeutschland 1500 Menschen gegen die Pläne protestiert.

Reuters

Die Krise trifft auch die Zulieferer der Branche: Triebwerkshersteller Rolls Royce hat wegen des Shutdown nach eigenen Angaben einen Mittelabfluss von drei Milliarden Pfund (3,34 Milliarden Euro) zu verkraften. Das britische Unternehmen, das Triebwerke für die Boeing 787 und den Airbus 350 herstellt, erwartet im zweiten Halbjahr eine Erholung, sodass sich der Mittelabfluss im Gesamtjahr auf rund vier Milliarden Pfund summieren wird. Nach dem Tief im April seien im Mai und Juni erste, kleine Verbesserungen - angeführt durch wieder mehr Flüge in Asien und Nahost - erkennbar gewesen, hieß es am Donnerstag in einer Zwischenmitteilung. Im Gesamtjahr will das Unternehmen weiter 250 Triebwerke an Kunden ausliefern. Vor der Krise waren 450 geplant gewesen.

luk/dpa-afx
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