Kostendruck Airbus schmiedet Raketenbau-Allianz

Airbus und Frankreichs Triebwerkshersteller Safran wollen gemeinsam Trägerraketen bauen und so vor allem allem US-Wettbewerbern besser Paroli bieten. Über die Weiterentwicklung bestimmter Raketentypen müssen sich Deutschland und Frankreich aber noch einigen.
Ariane 5: Die Trägerrakete schießt unter anderem Satelliten vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana in den Weltraum

Ariane 5: Die Trägerrakete schießt unter anderem Satelliten vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana in den Weltraum

Foto: JODY AMIET/ AFP

Toulouse - Im Wettstreit mit der aufstrebenden Raketenbau-Konkurrenz aus den USA legen die Airbus Group und der französische Triebwerkshersteller Safran ihre Kräfte zusammen. Die Unternehmen hinter der europäischen Ariane-Rakete wollen bis Jahresende ein Joint Venture gründen, an dem beide Partner je 50 Prozent halten.

"Um auch künftig im Wettbewerb mithalten zu können, brauchen wir wesentlich effizientere industrielle Strukturen", kommentierte Airbus-Chef Tom Enders am Montag. Es gehe darum, die Konkurrenzfähigkeit des europäischen Trägerraketengeschäfts langfristig zu sichern.

Welche Raketen das neue Unternehmen bauen wird, ist allerdings noch unklar. Schwerpunkte der industriellen Partnerschaft sollen die neue Ariane 5 ME und die neue Ariane 6 werden. Um sie gibt es bislang aber politischen Streit zwischen Deutschland und Frankreich.

Deutsche Raumfahrtvertreter stellten die aktuellen Pläne für die Ariane-6-Rakete jüngst infrage und kündigten an, sie stärker als Konkurrenzangebot zur russischen Sojus konzipieren zu wollen. Der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner, hält das vorliegende Esa-Konzept mit rund vier Milliarden Euro für zu teuer und vermutlich nicht zustimmungsfähig.

Frankreich und Deutschland sehen Prioritäten jeweils woanders

Die Bundesregierung unterstützt vor allem die Weiterentwicklung der Ariane 5 zur Ariane 5 ME. Letztere ist in der Entwicklung bereits wesentlich weiter als die Ariane 6 und soll von spätestens 2018 an bis zu zwölf Tonnen Nutzlast in geostationäre Transferbahnen transportieren können. Frankreich sieht hingegen in der Ariane 6 eine dringend notwendige Antwort auf die neue Konkurrenz durch Raketen wie die Falcon 9 des US-Unternehmens SpaceX.

Die Airbus Group und Safran arbeiten nach eigenen Angaben im Bereich Trägersysteme seit mehr als zehn Jahren eng zusammen. In der ersten Phase wollen die Konzerne ihre zivilen Aufträge und Hauptbeteiligungen im Bereich ziviler Trägersystemnutzung in einem gemeinschaftlichen Programm-Unternehmen zusammenführen. Längerfristig soll sich dieses dann durch Einbringung von industriellen Aktiva zu einem eigenständigen, auf dem Weltmarkt konkurrenzfähigen Unternehmen entwickeln.

"Angesichts der steigenden Zahl international operierender Anbieter und anspruchsvoller technologischer Herausforderungen muss die europäische Industrie konkurrenzfähige Lösungen für alle Raumfahrtsegmente, vor allem aber bei Trägerraketen anbieten", kommentierte Safran-Chef Jean-Paul Herteman. Es gelte agiler zu werden und die Produkte kostengünstiger zu machen.

Die Airbus Group machte nach eigenen Angaben in dem von der geplanten Umstrukturierung betroffenen Geschäftsbereich bislang etwa eine Milliarde Euro Jahresumsatz, bei Safran war es etwas weniger. Die Airbus-Tochter Airbus Defence and Space baut beispielsweise in Bremen die Oberstufe der aktuellen Ariane 5. Die Schubkammern - das Herz eines Raketentriebwerks - für die erste und zweite Stufe liefern Airbus-Mitarbeiter aus Ottobrunn bei München.

rei/dpa-afx
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