Guillaume Faury bringt Entlassungen ins Spiel Airbus-Chef: "Diese Krise ist existenziell"

Mit freiwilligem Stellenabbau allein kommt Airbus nach Ansicht des Konzernchefs nicht durch die Krise. Mit drastischen Worten stimmt Guillaume Faury die Belegschaft auf Entlassungen ein. Er verweist auf die neuen Rückschläge in der Luftfahrt.
Auf Sparkurs: Airbus-Chef Guillaume Faury.

Auf Sparkurs: Airbus-Chef Guillaume Faury.

Foto: dpa Picture-Alliance / Xavier De Fenoyl / picture alliance/dpa

Airbus-Chef Guillaume Faury (52) schließt Entlassungen nicht aus. Seit dem Sommer sei die Lage bei den Fluggesellschaften schlimmer als gedacht, sagte er dem Radiosender RTL am Dienstag. Deshalb könne er nicht garantieren, dass es nicht zu Entlassungen komme, auch wenn es neben dem angekündigten freiwilligen Stellenabbau noch weitere Möglichkeiten gebe. "Diese Krise ist existenziell", sagte Faury. "Unser Überleben als Unternehmen steht potenziell auf dem Spiel, wenn wir nicht die richtigen Maßnahmen ergreifen. Wir ergreifen sie."

Airbus plant den Abbau von 15.000 der rund 90.000 Stellen in der Verkehrsflugzeugsparte weltweit. Etwa 5000 Jobs sollen in Deutschland wegfallen. Gewerkschaften und Betriebsräte protestieren seit Monaten gegen die Gefahr betriebsbedingter Kündigungen.

Subvention für Ökoflugzeuge als Ausweg

Bereits in der vergangenen Woche hatte Faury in einem Brief an die Belegschaft vor möglicherweise nötigen betriebsbedingten Entlassungen gewarnt. Er verwies darauf, dass sich die Luftfahrt nicht so schnell vom fast völligen Stillstand wegen der Corona-Pandemie erhole wie erhofft. "Die Situation ist so ernst, und wir stehen vor so großer Unsicherheit", sagte Faury nun. Niemand könne garantieren, dass es keine Entlassungen gebe, zumal sich die Lage der Branche auch noch weiter zuspitzen könne. "Andererseits sage ich klar, dass wir alles tun werden, was wir können, damit wir diesen Punkt nicht erreichen." Zwischen freiwilligem und erzwungenem Stellenabbau gebe es noch eine Menge verschiedener möglicher Maßnahmen.

Der fast vollständige Stillstand des Luftverkehrs und die Auftragsstornierungen der Airlines treffen den Flugzeugbauer Airbus hart. Schon im ersten Halbjahr war der Umsatz von rund 31 Milliarden Euro im Jahr zuvor auf nur noch knapp 19 Milliarden Euro eingebrochen. Der Nettoverlust betrug knapp 2 Milliarden Euro.

Direkte Staatshilfe zur Überbrückung der aktuellen Verluste lehnt Airbus bislang ab, auch mit Blick auf den Handelsstreit zwischen EU und USA um Subventionen im Flugzeugbau. Eine Ausnahme könnte die Förderung CO2-emissionsfreier Flugzeuge sein. Erst am Montag hatte das Unternehmen drei Konzeptstudien für ein mit Wasserstoff betriebenes Flugzeug vorgestellt. Der Konzern will bis 2035 ein Null-Emissions-Flugzeug in Betrieb nehmen. Große Zulieferer wie der Triebwerkshersteller Safran halten dieses Ziel für ambitioniert. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire (51) kündigte Anfang des Monats an, das ebenso wie Deutschlangdmit 10,9 Prozent der Aktien  an Airbus beteiligte Land wolle sieben Milliarden Euro in die Technik investieren.

ak/reuters
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