Montag, 24. Februar 2020

Zimmervermittler schreibt offenbar Verluste Airbnb verunsichert Investoren vor geplantem Börsengang

Airbnb ist in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres in die Verlustzone gerutschte, schreibt das "Wall Street Journal"
Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Airbnb ist in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres in die Verlustzone gerutschte, schreibt das "Wall Street Journal"

Die Zimmervermittlungs-Plattform Airbnb ist offenbar wegen deutlich höherer Kosten in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres ins Minus gerutscht. Unter dem Strich habe ein Verlust von 322 Millionen Dollar gestanden, berichtet das "Wall Street Journal" am Dienstag unter Berufung auf Insider. Im Vorjahr hatte das US-Unternehmen noch einen Gewinn von 200 Millionen Dollar verbucht.

Airbnb gebe derzeit viel Geld aus, um Sicherheitslücken seiner Plattform zu schließen, und die Kosten dafür dürften weiter steigen, heißt es in dem Bericht. Denn das Unternehmen kämpft seit seiner Gründung im Jahr 2008 mit Diebstahl, Prostitution und anderen Straftaten unter seinen Gastgebern und Gästen. Verschärfte Sicherheitsabfragen sollen das Problem minimieren helfen.

Die roten Zahlen jedoch kommen angesichts des für 2020 geplanten Börsengangs ungelegen, da sie den Wert des Unternehmens und damit auch den Aktienpreis drücken könnten. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass Start-ups Verluste schreiben, wenn sie an die Börse gehen. In den vergangenen fünf Jahren galt dies für mehr als drei Viertel der Tech-Firmen, die in den USA den IPO wagten.

Dennoch: Nach dem geplatzten Börsengang von Wework und den wenig glanzvollen IPOs von Uber und Lyft sind die Investoren zusehends misstrauischer gegenüber Unternehmen geworden, die hohe Verluste aufweisen oder keine klare Strategie vorweisen, wie und wann sie Gewinne erwirtschaften wollen.


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In seiner letzten Finanzierungsrunde im Jahr 2017 war Airbnb mit 31 Milliarden Dollar bewertet worden. Die jüngste interne Bewertung sei jedoch deutlich geringer gewesen, berichtet das "Wall Street Journal" weiter unter Berufung auf Insider.

Dem Bericht zufolge könnte sich der Börsengang auch wegen des Coronavirus in China noch verschieben. Die Volksrepublik ist der wichtigste Wachstumsmarkt für die Zimmervermittlungs-Plattform. Airbnb selbst hatte im vergangenen Jahr erklärt, dass es "im Laufe des Jahres 2020" an die Börse gehen wolle.

Einzelne Experten sind indes fest davon überzeugt, dass Airbnb finanziell besser aufgestellt ist als Börsenkandidaten der Vergangenheit. So soll der Zimmervermittler über mindestens drei Milliarden Dollar liquide Mittel verfügen, behaupten Insider dem Bericht zufolge.

Airbnb ist zweifelsohne in der Lage, Gewinne zu erwirtschaften

"Das Unternehmen hat einen enormen globalen Marktanteil, den Markennamen ... und es steht außer Frage, dass sie in der Lage sein werden, Gewinne zu erwirtschaften", zitiert die Zeitung Jay Ritter, Professor für Finanzen an der Uni Florida.

Airbnb muss bislang keine Finanzinformationen offenlegen und hat auch nur wenige Daten über seine Einnahmen und seinen Gewinn veröffentlicht. Im vergangenen Jahr hieß es, dass das Unternehmen sowohl 2017 als auch 2018 vor Zinsen, Steuern und Zinsen (Ebitda) profitabel gewesen sei.

Airbnb wurde 2008 gegründet und hat sich von einer kleinen Online-Schlafplatzbörse zu einem Tourismus-Schwergewicht und großen Rivalen der Hotelbranche entwickelt. Anfang 2017 hatte Airbnb-Chef Brian Chesky den Börsengang noch als "Zweijahresprojekt" bezeichnet. Seitdem spekuliert die Branche jedes Jahr auf den Börsengang, doch immer wieder wurde er verschoben.

akn/rei

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