Verwaltungsrat debattiert Zukunft der Industrie-Ikone ABB: Kommt die Zerschlagung?

Glory days: ABB-CEO Ulrich Spiesshofer (2. v. r.) auf de Hannover Messe 2016 neben US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Glory days: ABB-CEO Ulrich Spiesshofer (2. v. r.) auf de Hannover Messe 2016 neben US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP

Die Dauer-Attacken des Großinvestors Cevian auf das Management der Schweizer Industrie-Ikone ABB zeigen Wirkung. Am heutigen Dienstag treffe sich der Verwaltungsrat von ABB  an einem geheimen Ort in der Schweiz, um über die Zukunft des Konzerns zu beraten, berichtet die "Börsen-Zeitung"  in ihrer Dienstagausgabe.

Cevian hatte vor wenigen Tagen öffentlich gefordert, die Stromnetz-Sparte der Schweizer abzuspalten und separat an die Börse zu führen. ABB-Vorstandschef Ulrich Spiesshofer hat sich bislang intern dagegen ausgesprochen. Der Verwaltungsrat in Schweizer Unternehmen verfügt über größere Durchgriffsrechte als der Aufsichtsrat in deutschen Unternehmen. Bei ABB wird er von Peter Voser geführt, zuvor Chef des Energie-Konzerns Shell.

Die Diskussion ist ein Beleg für den wachsenden Einfluss von Investoren auf den strategischen Kurs auch großer Konzerne in Europa - ähnlich wie das in den USA oder Großbritannien schon länger der Fall ist. In Europa hatten sie dagegen bislang vornehmlich bei kleineren Konzernen Erfolg. Cevian ist etwa auch bei dem Dax-Konzern ThyssenKrupp mit rund 20 Prozent zweitgrößter Aktionär. Der Chef des ABB-Rivalen Siemens, Joe Kaeser, hatte selbst vor wenigen Monaten gewarnt, auch sein Unternehmen könne Opfer solch aktivistischer Aktionäre werden.

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Bilfinger, ThyssenKrupp, ABB: Wo Finanzinvestor Cevian das Management aufmischt

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Die umkämpfte ABB-Stromnetzsparte war mit einem Umsatz von 2,8 Milliarden Dollar im zweiten Quartal die erlösstärkste der vier Säulen des ABB-Geschäfts , mit einer operativen Rendite von 9 Prozent allerdings zugleich auch die gewinnschwächste. Die übrigen drei Sparten kamen zuletzt im Quartal auf 6,3 Milliarden Dollar Umsatz. Spiesshofer hat angekündigt, auf dem Kapitalmarkttag des Konzerns am 4. Oktober seine Investoren über die weiteren Pläne für die Sparte und den Konzern insgesamt informieren zu wollen.

Rund zwei Wochen vorher gibt es aber über die Marschrichtung noch keine Einigkeit. Nicht nur im Verwaltungsrat, auch im operativen Management diskutierte man derzeit noch ergebnisoffen, berichtet die "Börsen-Zeitung". Cevian selbst ist im Verwaltungsrat nicht vertreten. Im Sommer sagte Cevians Co-Chef Lars Förberg manager magazin in einem seiner seltenen Interviews, ein Mandat sei für ihn nicht unbedingt nötig, wenn er auch "ohne Mandat einen guten Zugang zu Verwaltungsräten" habe. Grundsätzlich gelte für Cevians Strategie bei ABB wie auch bei den anderen Konzernen, bei denen die Schweden investiert sind: "Man darf niemals zögern, das zu tun, was wir im Interesse der Eigentümer des Unternehmens für richtig halten."

Größter ABB-Anteilseigner mit 10 Prozent ist die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg über deren Vehikel Investor AB. Deren Oberhaupt Jacob Wallenberg ist auch Vizechef des Verwaltungsrats.

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