Betrugsfall erschüttert ABB Wo sind die 100 Millionen, Herr Spiesshofer?

Ulrich Spiesshofer: Der ABB-Chef muss erneut Probleme mit einer Auslandstochter einräumen

Ulrich Spiesshofer: Der ABB-Chef muss erneut Probleme mit einer Auslandstochter einräumen

Foto: AP

Der mit Problemen kämpfende Schweizer Elektrokonzern ABB kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Erst vor wenigen Tagen musste der Siemens-Rivale eingestehen, dass die britische Strafverfolgungsbehörde (SFO) wegen Korruptionsverdacht ein Verfahren gegen die britische ABB  eingeleitet hat. Nun muss ABB mitteilen, dass in Südkorea ein Manager des Konzerns verschwunden ist - und mit ihm mindestens 100 Millionen Dollar.

ABB habe nach dem Verschwinden des Mannes am 7. Februar in seinem gut 900 Mitarbeiter großen südkoreanischen Ableger "kriminelle Handlungen in Verbindung mit Unterschlagung und Veruntreuung von Geldern erheblichen Ausmaßes aufgedeckt". Diese "Unterschlagung und Veruntreuung von Geldern" werde das Vorsteuerergebnis des vergangenen Jahres um etwa 100 Millionen US-Dollar belasten, schreibt der Konzern .


Die zweite fette Negativschlagzeile zu offenbar unhaltbaren Zuständen in den Tochtergesellschaften des Konzerns ist den auf gute Unternehmensführung bedachten Schweizern sichtlich peinlich. Und so betont das Headquarter in Zürich, dass ABB selbstverständlich "eine Nulltoleranzstrategie" gegenüber unethischem Verhalten habe und die "höchsten Standards in Sachen Integrität" unterhalte.

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Genützt hat es offenbar nichts. Das Geld ist weg und der Image(Schaden) vermutlich größer als es die zu korrigierende Bilanz widerspiegelt. Diese Interpretation lässt jedenfalls ein Statement von Konzernchef Ulrich Spiesshofer zu. In einem Brief an die Mitarbeiter schreibt er laut "Wall Street Journal"  (kostenpflichtig): "The financial impact of this criminal behavior is one aspect; even more damaging could be the effect this crime will have on the reputation of our ABB."

In der Tat dürfte ABB bei ausgewiesenen liquiden Mitteln von rund 5,7 Milliarden Dollar die fehlenden 100 Millionen Dollar verkraften. Doch schon hegen Analysten etwa von Morgan Stanley Zweifel, ob die internen Anti-Betrugsrichtlinien noch greifen. Mit dem zweiten Vorfall in kürzester Zeit dürften Investoren jedenfalls die eine oder andere Frage an das Management haben, schreiben die Analysten in einem Statement. Sie erwarten für das laufende Jahr mögliche weitere Belastungen von etwa zehn Millionen Dollar.

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