Sonntag, 15. Dezember 2019

AB Inbev  übernimmt SABMiller Bierkönig Carlos Brito tankt sich durch

Carlos Brito: Widerstände zu überwinden, ist die Spezialität des AB InBev-Chefs. Doch nun drohen Brito neue Probleme in den USA, die den Vollzug der Übernahme von SAB Miller erschweren könnte

Dass es letztlich dann doch so schnell gehen würde, hätte wohl auch Carlos Brito nicht erwartet. Doch am Dienstag war der Widerstand von SAB Miller dann endgültig gebrochen. Für rund 68 Milliarden Pfund (rund 92 Milliarden Euro) übernimmt die Nummer eins auf dem Biermarkt, AB Inbev, die Nummer zwei SABMiller.

Noch in der vergangenen Woche hatte sich SAB Miller mit allen Mitteln gegen die Übernahme gewehrt und noch rasch ein Sparprogramm aufgelegt, um die eigenen Aktionäre bei Laune zu halten. Vergebens. Am Dienstag verkündeten beide Unternehmen, man habe sich grundsätzlich auf eine Fusion mit AB Inbev geeinigt.

Dass SAB Miller irgendwann vor dem Bulldozer Carlos Brito kapitulieren würde, war abzusehen. Gegen die geballte Marktmacht von AB Inbev und gegen die Manöver seines Chefs Carlos Brito konnte die weltweite Nummer 2 nichts ausrichten. Mit seinem Heer von Beratern und Anwälten hatte Brito längst die beiden wichtigsten Großaktionäre von SAB Miller auf seine Seite gezogen.

Sein Köder: Eine Beteiligung am entstehenden Megakonzern, aus dessen Tanks künftig jedes dritte in der Welt gebraute Bier kommen dürfte. Ein globaler Bier-Riese, der Weltmarken wie Beck's, Budweiser, Stella Artois mit bekannten SAB-Namen wie Foster's, Pilsner Urquell und Grolsch unter einem Dach vereint.

AB InBev:

Beck’s: Die Brauerei Beck braut ihre Beck’s-Biere in Bremen, doch in Privatbesitz ist die Brauerei schon seit 2002 nicht mehr. Seitdem gehört Beck’s der belgischen AB InBev, dem weltgrößten Bierbrauer, dem nun auch der Konkurrent SABMiller gehört. Mit einer abgesetzten Menge von etwa 2,1 Millionen Hektoliter pro Jahr verdienen die Belgier gut am Bremer Bier.
Radeberger-Gruppe:

Berliner Pilsner: Berlin ist Radeberger-Land: Neben Berliner Pilsner gehört auch Berliner Kindl zur Radeberger-Gruppe. Zusammen brachten es die beiden Berliner Biere auf eine Absatzmenge von etwa eine Million Hektoliter. Auch in anderen Regionen hat der Oetker-Konzern Fuß gefasst: Sechs Kölschmarken und ein Altbier gehören zur Radeberger-Gruppe.
Bitburger-Gruppe:

Bitburger: Fast 3,7 Millionen Hektoliter Bitburger tranken die Deutschen 2014. Damit rangiert es auf Platz drei der meistgetrunkenen Biere hierzulande. Zugleich ist Bitburger damit das beliebteste Bier der gleichnamigen Großbrauerei aus der Eifel.
AB InBev:

Diebels: Diebels ist das meistverkaufte Altbier Deutschlands. Das Besondere: Es kommt weder aus der Altbierhochburg Düsseldorf, noch ist die ehemalige Privatbrauerei in deutschem Besitz. Der belgische Bierriese AB InBev hat Diebels bereits 2001 gekauft. Mittlerweile stellt die Brauerei vom Niederrhein auch Pils her.
AB InBev:

Franziskaner: Die 1363 gegründete Franziskaner Brauerei ist eine der traditionsreichsten Brauereien Deutschlands. Im Privatbesitz ist sie aber nicht mehr: 2005 hat die belgische AB InBev die Brauerei übernommen. Das Weißbier schmeckt den Deutschen weiterhin: Eine Millionen Hektoliter setzte Franziskaner vergangenes Jahr ab.
AB InBev:

Hasseröder: Das durch den Auerhahn bekannte Bier Hasseröder war zu DDR-Zeiten ein vor allem regional beliebtes Bier. Mittlerweile liegt es mit einer abgesetzten Menge von 2,25 Millionen Hektorliter auf Platz acht der meistgetrunkenen Biere Deutschlands. Eigentümer ist aber auch hier der Mega-Konzern AB InBev.
Radeberger-Gruppe:

Jever: Auch Jever gehört zur Radeberger-Gruppe. 1994 kaufte zunächst die Dortmunder Brau-und-Brunnen-Gruppe das Bier vom Friesischen Brauhaus zu Jever. Seit 2004 gehören die Dortmunder zur Oetker-Tochter.
Bitburger-Gruppe:

König Pilsener: Seit 1858 stellt die König-Brauerei ihr König Pilsener her. Privat geführt wird der einstige Pilsmarktführer allerdings nicht mehr: 2000 veräußerte die ehemalige Inhaberfamilie ihre Brauerei zunächst an die Holsten-Gruppe, seit 2005 gehört König Pilsener der Bitburger-Brauerei.
Oettinger Brauerei:

Oettinger: Bei Oettinger ist drin, was drauf steht: 1731 als Fürstliches Brauhaus zu Oettingen gegründet, ist die heutige Oettinger Brauerei GmbH als Genossenschaft noch immer unabhängig. Etwa 5,8 Millionen Hektoliter setzte die Brauerei Oettinger mit all seinen Sorten um – und ist damit die erfolgreichste Großbrauerei Deutschlands.
Krombacher-Gruppe:

Krombacher: Das Krombacher Pils ist mit 4,25 Millionen Hektoliter das meistgetrunkene Pils Deutschlands. Insgesamt setzte die Krombacher Privatbrauerei sogar 5,5 Millionen Hektoliter Bier ab – Platz zwei in Deutschland.
Brau Holding International:

Paulaner: Paulaner ist das meistgetrunkene Weißbier Deutschlands. Das seit 1634 anfangs in Klosterbrauereien hergestellte Paulaner ist heute nicht mehr in Ordenshand. Seit 2002 gehört Paulaner jeweils zu 50 Prozent der Schörghuber Unternehmensgruppe sowie der Brau Holding International. An letzter hält der niederländische Brauriese Heineken wiederum 49,9 Prozent.
Radeberger-Gruppe:

Radeberger: Das Radeberger Pilsner ist die Hausmarke der größten deutschen Brauereigruppe Radeberger, die wiederum zum Oetker-Konzern gehört. Etwa 1,9 Millionen Hektoliter des eigenen Pils‘ setzte die Großbrauerei 2014 ab. Damit liegt Radeberger auf Platz neun der meistgetrunkenen Biere Deutschlands.
Radeberger-Gruppe:

Schöfferhofer: Schöfferhofer Weizen prickelt nicht nur im Bauchnabel, wie die Werbung einst versprach. Auch in den Kassen der Radeberger-Gruppe prickelt es: Seit 1953 gehört die Brauerei Binding, die Schöfferhofer produziert, zum Oetker-Konzern.
Carlsberg-Gruppe:

Holsten: Seit 1879 stellte die Holsten-Brauerei an der Hamburger Holstenstraße ihr Pils selbst her. Doch die einst von der damaligen Stadt Altona gegründete Brauerei wandelte sich zunächst in eine Aktiengesellschaft um, dann kaufte 2004 der dänische Großbrauer Carlsberg die Holsten-Brauerei AG. Das Pils braut Carlsberg an der Holstenstraße in Hamburg-Altona nun also selbst.
Veltins-Brauerei:

Veltins: Seit der Gründung der Brauerei Veltins 1824, ist das Unternehmen in Privatbesitz. Seitdem laufen die Geschäfte gut: Vergangenes Jahr setzte die Brauerei rund 2,8 Millionen Hektoliter ihrer Produktpalette ab. Damit liegt Veltins auf Platz vier der meistgetrunkenen Biere Deutschlands.
Privat-Brauerei Heinreich Reissdorf:

Reissdorf Kölsch: Auf dem Biermarkt haben die sich sonst so feindseligen Kölner und Düsseldorfer etwas gemeinsam: Die meisten ihrer Brauereien sind bis heute im Privatbesitz – so auch die Brauerei Heinrich Reissdorf. Das dort hergestellte Reissdorf Kölsch ist mit einer abgesetzten Menge von rund 610.000 Hektolitern seit Jahren das beliebteste Bier der Kölner.
Carlsberg-Gruppe:

Astra: Astra, echtes St. Paulianer Bier? Nicht ganz. Bis 1998 produzierte die Bavaria-St. Pauli-Brauerei ihr Astra - dann übernahm die Holsten-Brauerei AG die St. Paulianer. Noch bis 2002 stellte Holsten das Astra weiter an der Reeperbahn her, bis zum Abriss der traditionellen Brauerei. Seitdem wird Astra in der Holsten-Brauerei produziert, die jedoch seit 2004 zur dänischen Carlsberg-Gruppe gehört.
Bitburger-Gruppe:

Köstritzer: Die Köstritzer Schwarzbierbrauerei in Gera zählt zu den ältesten Schwarzbierbrauereien Deutschlands. Seit 1991 gehört sie der Bitburger Holding, die die alte DDR-Brauerei als erstes modernisierte. Mittlerweile läuft das Geschäft wieder: 780.000 Hektoliter Köstritzer tranken die Deutschen im vergangenen Jahr.
Erdinger Brauerei:

Erdinger: Die Weißbierbrauerei aus Erding ist noch heute in Privatbesitz und wird seit 1975 vom Sohn des Gründers geführt. Nach Familienrezept lässt er das Erdinger Weißbier brauen. Mit einer abgesetzten Menge von 1,3 Millionen Hektoliter liegt Erdinger auf Platz zwei der meistgetrunkenen Weißbiere Deutschlands.
Warsteiner Gruppe:

Warsteiner: Seit 1753 ist die Warsteiner Brauerei sich selbst treu geblieben. Zwar hat auch die Brauerei mittlerweile eine Mutterfirma – doch das ist die hauseigene Warsteiner Gruppe. Vom prominentesten Bier, das Warsteiner Pils, setzte die Großbrauerei vergangenes Jahr 2,29 Millionen Hektoliter ab.
Großaktionäre setzen Sonderbehandlung durch

Während SAB Miller seinen Aktionären empfehlen soll, das noch einmal aufgestockte Angebot von 44 Pfund pro Aktie (knapp 60 Euro) von Seiten des belgisch-brasilanischen Konzerns AB Inbev anzunehmen, können die Großaktionäre, die insgesamt rund 41 Prozent an SAB Miller halten, auf einen besseren Deal hoffen. Die Finanzholdings Altria (Malboro) und Bevco, das private Investmentvehikel der urspünglich aus Kolumbien stammenden kolumbianischen Milliardärsfamilie Santo Domingo, bekommen neben 3,7 Pfund pro Aktie auch noch pro Aktie knapp einen halben Anteilsschein des neuen Konzerns dazu.

Eine Beteiligung, die die beiden Teilhaber, die jeweils knapp 27 Prozent beziehungsweise 15 Prozent an SAB Miller halten, offenbar zur Bedingung des Deals gemacht haben. Und die auch nur für rund 41 Prozent der SAB-Aktien gilt - genau soviel, wie Altria und Bevco zusammen halten. Auch wenn Altria und Bevco die Aktien erst einmal fünf Jahre lang nicht verkaufen dürfen - sie sichern sich langfristig Macht und Einfluss in dem neuen Konzern.

Für die beiden verspricht der Deal ein gutes Geschäft werden, schließlich setzten sie mit Carlos Brito auf einen Manager, der für seine strenge Kostendisziplin bekannt ist. Eine Fähigkeit, die auch die hinter dem Deal stehenden AB Inbev Investoren der Investentfirma 3G an Brito schätzen. Darunter ist auch der brasilianisch Milliardär Jorge Paulo Lemann, der als Mastermind von AB INBevs Siegeszug gilt.

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