AB Inbev  übernimmt SABMiller Bierkönig Carlos Brito tankt sich durch

Carlos Brito: Widerstände zu überwinden, ist die Spezialität des AB InBev-Chefs. Doch nun drohen Brito neue Probleme in den USA, die den Vollzug der Übernahme von SAB Miller erschweren könnte

Carlos Brito: Widerstände zu überwinden, ist die Spezialität des AB InBev-Chefs. Doch nun drohen Brito neue Probleme in den USA, die den Vollzug der Übernahme von SAB Miller erschweren könnte

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Dass es letztlich dann doch so schnell gehen würde, hätte wohl auch Carlos Brito nicht erwartet. Doch am Dienstag war der Widerstand von SAB Miller dann endgültig gebrochen. Für rund 68 Milliarden Pfund (rund 92 Milliarden Euro) übernimmt die Nummer eins auf dem Biermarkt, AB Inbev, die Nummer zwei SABMiller.

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Noch in der vergangenen Woche hatte sich SAB Miller mit allen Mitteln gegen die Übernahme gewehrt und noch rasch ein Sparprogramm aufgelegt , um die eigenen Aktionäre bei Laune zu halten. Vergebens. Am Dienstag verkündeten beide Unternehmen, man habe sich grundsätzlich auf eine Fusion mit AB Inbev geeinigt.

Dass SAB Miller irgendwann vor dem Bulldozer Carlos Brito kapitulieren würde, war abzusehen. Gegen die geballte Marktmacht von AB Inbev und gegen die Manöver seines Chefs Carlos Brito konnte die weltweite Nummer 2 nichts ausrichten. Mit seinem Heer von Beratern und Anwälten hatte Brito längst die beiden wichtigsten Großaktionäre von SAB Miller auf seine Seite gezogen.

Sein Köder: Eine Beteiligung am entstehenden Megakonzern, aus dessen Tanks künftig jedes dritte in der Welt gebraute Bier kommen dürfte. Ein globaler Bier-Riese, der Weltmarken wie Beck's, Budweiser, Stella Artois mit bekannten SAB-Namen wie Foster's, Pilsner Urquell und Grolsch unter einem Dach vereint.

Großaktionäre setzen Sonderbehandlung durch

Während SAB Miller seinen Aktionären empfehlen soll, das noch einmal aufgestockte Angebot von 44 Pfund pro Aktie (knapp 60 Euro) von Seiten des belgisch-brasilanischen Konzerns AB Inbev anzunehmen, können die Großaktionäre, die insgesamt rund 41 Prozent an SAB Miller halten, auf einen besseren Deal hoffen.  Die Finanzholdings Altria (Malboro) und Bevco, das private Investmentvehikel der urspünglich aus Kolumbien stammenden kolumbianischen Milliardärsfamilie Santo Domingo, bekommen neben 3,7 Pfund pro Aktie auch noch pro Aktie knapp einen halben Anteilsschein des neuen Konzerns dazu.

Eine Beteiligung, die die beiden Teilhaber, die jeweils knapp 27 Prozent beziehungsweise 15 Prozent an SAB Miller halten, offenbar zur Bedingung des Deals gemacht haben. Und die auch nur für rund 41 Prozent der SAB-Aktien gilt  - genau soviel, wie Altria und Bevco zusammen halten. Auch wenn Altria und Bevco die Aktien erst einmal fünf Jahre lang nicht verkaufen dürfen  - sie sichern sich langfristig Macht und Einfluss in dem neuen Konzern.

Für die beiden verspricht der Deal ein gutes Geschäft werden, schließlich setzten sie mit Carlos Brito auf einen Manager, der für seine strenge Kostendisziplin bekannt ist. Eine Fähigkeit, die auch die hinter dem Deal stehenden AB Inbev Investoren der Investentfirma 3G an Brito schätzen. Darunter ist auch der brasilianisch Milliardär Jorge Paulo Lemann, der als Mastermind von AB INBevs Siegeszug gilt.

Rosskur für SAB Miller - Brito gilt als "Corporate Vampire"

Dass sie keine Angst vor Megafusionen haben und auch steuerlich sämtliche Register ziehen können, hatte 3G zuletzt bei Fusionen wie der von Heinz und Kraft oder Burger King und Tim Hortons bewiesen.

Dass AB Inbev wie sonst keiner in der Lage sein wird, mögliche Synergien zu nutzen und etwaige Überlappungen gnadenlos zu beseitigen, daran besteht kein Zweifel. Nicht ohne Grund hat Brito in Arbeitnehmerkreisen den Ruf eines "Corporate Vampires." Allerdings wird auch in der Führungsspitze das eiserne Prinzip der Meriokratie angewandt: Wer die Effizienz steigert, wird belohnt. Wer versagt, ist raus.

Doch Brito muss aufpassen, dass er es mit dem Geschäftssinn nicht übertreibt. Gerade in den USA, wo es aus wettbewerbsrechtlichen Gründen für AB Inbev eng werden könnte, steht gerade ein Vorwurf im Raum, der Brito noch viel Ärger einbringen könnte.

Druck auf Zwischenhändler? US-Justiz prüft Vorwürfe gegen Brito

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters geht das US-Justizministerium dort aktuell Vorwürfen nach, denen zufolge das Unternehmen mehrere Zwischenhändler gekauft haben soll, um den Vertrieb von Bieren kleiner Brauereien einzuschränken. Zudem soll AB Inbev Händler angeblich unter Druck setzen, andere Biermarken komplett aus dem Angebot zu nehmen.

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In den USA sind unabhängige kleinere Brauereien, sogenannte Craft Brewer, seit längerer Zeit im Aufwind. Allein 2014 legte ihr Absatz um 17,6 Prozent zu. Ihr Marktanteil liegt mittlerweile bei rund 11 Prozent.

Ob sich die Vorwürfe erhärten, ist offen. Allerdings könnten entsprechende Ermittlungen die Freigabe der Fusion für Brito erschweren. Dass AB Inbev sich von Geschäftsanteilen in den USA trennen muss, gilt in der Branche als gesetzt. Bereits bei einer vorherigen deutlich kleineren Übernahme im Jahr 2013 als AB Inbev für rund 20 Milliarden Dollar die mexikanische Grupo Modelo übernahm, musste der Getränkeriese auf Druck der Behörden einzelne Geschäftsbereich abgeben.

Drei Milliarden Dollar Breakup-Fee

Sollte dies auch diesmal wieder der Fall sein, könnte davon der Brauereikonzern Molson Coors profitieren, SABs US-amerikanischer Joint-Venture-Partner in MillerCoors, der womöglich AB Inbevs-Anteil am Joint-Venture übernehmen könnte.

Sollte die Fusion doch noch scheitern, hat sich AB Inbev bereit erklärt, eine Breakup-Fee in Höhe von drei Milliarden Dollar zu zahlen. Ein deutliches Zeichen, wie fest AB Inbev an den Deal glaubt.

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Bier für die Welt: Die größten Brauereien

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Für AB Inbev ist die Fusion vor allem wegen der starken Präsenz von SAB Miller im wachstumsstarken afrikanischen und asiatisch-pazifischen Raum interessant. AB Inbev ist hingegen in Mittel- und Südamerika stark sowie in China und in den USA.

AB Inbev vertreibt in Deutschland Marken wie Becks, Franziskaner, Diebels, Spaten oder Löwenbräu. Die Gilde-Brauerei, bislang auch im Portfolio des brasilianisch-belgischen Weltkonzerns, hat AB Inbev gerade mit Wirkung zum Jahresende verkauft.