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AB InBev schluckt SAB Miller: Zu diesen Konzernen gehören Deutschlands Biermarken

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Amerikas Bierkrieg Wie AB InBev Tausende Craft-Brauer aus dem Markt spült

Der Bier-Gigant AB Inbev darf den Wettbewerber SAB Miller übernehmen - Carlos Brito glaubt damit am Ziel zu sein: die Herrschaft über den weltweiten Biermarkt. Doch auf einmal bekommt der AB InBev-Chef Probleme - genauer gesagt 3500 davon.
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Es soll so etwas wie die Krönung seines Lebenswerkes sein. Als AB InBev-Chef Carlos Brito im Herbst vergangenen Jahres den Zuschlag für die Nummer zwei auf dem Biermarkt, SAB Miller, bekam, glaubte er sich am Ziel seiner Träume: der Weltherrschaft über den Biermarkt mit mehr als 200 Marken und mit etwa dem Vierfachen des Gewinns der weltweiten Nummer drei, Heineken.

Am Dienstag gab die EU-Kommission wie erwartet unter Auflagen grünes Licht für das Zusammengehen der beiden Bier-Riesen. Eine Entscheidung, die Brito prompt begrüßte. Völlig ungetrübt dürfte seine Freude allerdings nicht ausgefallen sein.

Denn der Manager , vom brasilianischen Bierpaten Jorge Paulo Lemann zur Ausführung von dessen Welteroberungsplänen auserkoren, hat mit Problemen zu kämpfen. Problemen, von denen zu Beginn des Bier-Feldzuges noch niemand etwas ahnen konnte.

Megafusionen im Vier-Jahres-Takt

Dabei hätte es so schön sein können. Innerhalb von etwas mehr als 25 Jahren hatte der ehemalige Banker Lehman ein Bierimperium geschmiedet. Und es zusammen mit Brito und mit Hilfe cleverer milliardenschwerer Übernahmen zu weltweiten Nummer eins gebracht.

Der erste Coup 1999 war die Fusion der beiden brasilianischen Bierbrauer Brahma und Antarctica zu AmBev. Danach ging es Schlag auf Schlag: 2004 folgte die Fusion mit der belgischen Interbrew zu InBev.

2008 kam die Übernahme von Anheuser Busch zu Anheuser Busch Inbev hinzu. Wieder vier Jahre später die Übernahe der mexikanischen Grupo Modelo. Und für 2016 ist - sofern noch die US- und weitere Wettbewerbsbehörden zustimmen - die Übernahme der weltweiten Nummer zwei SAB Miller geplant.

Geschätzter kombinierter Umsatz des neuen Konzerns: Rund 65,7 Milliarden Dollar - Geschäftsteile, von denen sich AB InBev aus wettbewerbsrechtlichen Gründen trennen muss, nicht eingerechnet.

Doch nun gibt es Ärger, mit dem vor kurzem noch niemand gerechnet hätte.

Die ungeahnte "Seuche"

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Den Übernahmeerfolg des globale Biergiganten trüben Schatten. Die Branche schwächelt. Gewinneinbrüche in Brasilien, das Nachlassen des weltweites Wirtschaftswachstum und Währungsnachteile haben die Nettoerlöse des Bierriesen zuletzt schrumpfen lassen. Vor allem die Entwicklung auf dem für Ab InBev wichtigsten Markt USA, wo AB InBev aktuell mehr als ein Drittel seines Geschäftes macht, dürfte Brito Sorgen machen.

Nicht nur, dass auch dort - wie in Deutschland auch - der Bierdurst der Bevölkerung stagniert. Auch die Konkurrenz durch die florierende US-Craft-Beer-Szene macht dem Industrieriesen das das Leben schwer.

Die Biere der meist kleinen Craft-Brauereien mit ihren teils unkonventionellen Aromen wie Himbeere oder Kürbis haben in den USA eine breite Fanbasis gewonnen. Und erfreuen sich steigender Beliebtheit. Und anders als bei den typischen Industriebieren sind die Leute auch bereit, dafür gutes Geld auszugeben.

Wie Pilze sind Craft-Brauereien in den vergangenen Jahren aus dem Boden geschossen. Mittlerweile sind es so viele, dass manche sogar schon von einer Craft-Bier-Blase in den USA sprechen.

... und ihre schmerzhaften Folgen für AB InBev

Glaubt man der US-amerikanischen Brewers Association, die vor allem kleine und unabhängige Craft-Brauer vertritt, hat das Volumen der von Kleinbrauern gebrauten Biere alleine im vergangenen Jahr um 13 Prozent zugenommen. Der Verkaufswert sogar um 16 Prozent auf 22,3 Milliarden Dollar , was dem Verband zufolge einen wertmäßigen Marktanteil von mittlerweile 21 Prozent ausmacht. 2012 lag der Anteil laut USA Today noch bei 12 Prozent.

Und es könnte für AB InBev noch schlimmer kommen. Denn laut Schätzungen des Marktforschers IBIS könnte die Zahl der Mikrobrauereien bis 2020 von aktuell rund 3400 auf über 5300 steigen - und entsprechend ihr Output.

Ein Szenario, dass Carlos Brito zu verhindern suchen wird. Die ersten Schritte zur Schadensbegrenzung und der Versuch, an dem lukrativen Boom teilzuhaben, sind längst eingeleitet. Gleich reihenweise hat der Konzern in den vergangenen Jahren kleine, feine Brauereien aufgekauft - und deren lukratives Bier ins eigene Portfolio aufgenommen.

Die schmutzigen Tricks von AB InBev

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Schon 2011 kaufte der Konzern den Craft-Brauer Goose Island und ergänzte sein Portfolio später noch um Blue Point, 10 Barrel Golden Road Brewing und den Seattler Craft-Brauer Elysian Brewing, der sein Bier lange mit dem Slogan "corporate beer still sucks" beworben hatte.

Außdem sitzt der Bierriese auf einem rund 32 prozentigen Anteil an der börsennotierten Craft Brew Alliance zu der die Brauereien Widmer Brothers Brewing, Redhook Ale Brewery and Kona gehören.

Ausgestattet mit einem derartigen Portfolio, versucht der Weltkonzern offenbar mit nicht unbedingt sauberen Tricks die Konkurrenz in die Schranken zu weisen.  Vorwürfen von Craft-Brauern zufolge, hat AB InBev versucht, die für die Verteilung wichtigen Großhändler mit finanziellen Anreizen dazu zu bringen, den Verkaufsanteil von AB InBev-Marken auf Kosten kleinerer Konkurrenten zu erhöhen.

Dabei sind Craft-Brauereien von Großhändlern abhängig. In einigen Staaten ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der Bierverkauf über die teils in Brauereibesitz teils unabhängigen Distributeure laufen muss.

Kickbacks, die in der Branche - wie in vielen anderen auch - durchaus üblich sein dürfte - aber nicht unbedingt legal. Jedenfalls schauen sich laut der Nachrichtenagentur Reuters US-Wettbewerbsbehörden  die Vorwürfe an.

... und die Macht des Geldes

Um sicherstellen zu können, dass das eigene Bier auch gut den Weg in den Markt findet, hat AB Inbev sich ohnehin schon ein Netz an Großhändlern aufgebaut.

Als 2015 der US-Staat Kentucky den parallelen Besitz von Brauerein und Großhändlern verbot, tauschte der Konzern einfach seine dortigen Großhändler

gegen Händler in anderen Bundeststaaten ein. Und auch über Sponsorenverträge soll sich Ab InBev den exklusiven Verkauf seiner Produkte in bestimmten Seattler Kneipen gesichert haben. Offensichtliches Ziel: Fremde Craft-Produzenten draußen halten. Örtlichen Medien zufolge kassierte der Konzern dafür bereits eine 150.000 Dollar Strafe. Allerdings hat AB InBev bislang keinerlei Fehlverhalten eingeräumt.

Doch der Konzern scheint zu allem entschlossen: Laut "Wall Street Journal" hat der Konzern erst kürzlich einen"Dream Incentive Plan" verabschiedet , in dem er 65 Managern umfangreiche Aktienoptionen verspricht, wenn sie es schaffen, den Umsatz der fusionierten Firma bis 2020 um 50 Prozent in die Höge zu jazzen.

Das Topmanagement ist von dem Plan aber offenbar - womöglich auch wohlweislich - ausgenommen.

David gegen Goliath

In der Craft-Bier-Szene ist man trotz der industriellen Übermacht entschlossen zu kämpfen. So kaufen immer mehr Kunden ihr Bier direkt bei der Brauerei. Rund sieben Prozent der lokalen Biere gehen laut Brewers Association mittlerweile hier an den Kunden.

Und im Bundesstaat New York hat eine Micro-Brauerei einen ganz eigenen Weg gefunden, um das Industriebier" von der Straße zu bekommen", wie die Macher von Community Beer Works aus Buffalo es formulieren. Sie kaufen das Gebräu von Ab InBev für einen Dollar pro Dose oder Flasche an. Der muss allerdings dann auch wieder für das eigene Bier angelegt werden.

Ein ungewöhnliches Verkaufskonzept - das den AB InBev Managern aber wohl kaum mehr als ein Schulterzucken wert sein dürfte.