Mittwoch, 26. Juni 2019

Schifffahrt Hamburg Süd prüft Dreierallianz mit Hapag und CSAV

Containerschiff "Monte Sarmiento" von Hamburg Süd: "Wir sind durchaus offen und interessiert, das was wir im vergangenen Jahr nicht geschafft haben, irgendwann mal zu schaffen."

Die geplante Fusion von Deutschlands größter Reederei Hapag-Lloyd mit dem chilenischen Konkurrenten CSAV könnte um einen Dritten ergänzt werden. Hamburg-Süd-Chef Ottmar Gast verwies jedoch darauf, dass ein neuer Anlauf von der Zustimmung der Familie Oetker abhänge.

Hamburg - Die Reederei Hamburg Süd signalisierte am Dienstag Interesse an einer Dreierallianz. Er schließe nicht aus, dass das Thema irgendwann einmal auf die Tagesordnung kommen könnte, sagte Ottmar Gast, der Vorsitzende der Geschäftsführung, bei der Präsentation der Bilanz für das abgelaufene Jahr.

Der Firmenchef machte deutlich, dass es ihm lieber gewesen wäre, wenn eine Fusion mit Hapag-Lloyd vor einem Jahr zustande gekommen wäre. "Wir sind durchaus offen und interessiert, das was wir im vergangenen Jahr nicht geschafft haben, irgendwann mal zu schaffen." Vor einem neuen Anlauf müsste bei der Familie Oetker allerdings Bereitschaft dafür vorhanden sein. Ein Sprecher der Oetker-Gruppe wollte sich nicht äußern.

Hapag-Lloyd verhandelt derzeit mit der Reederei Compania Sud Americana de Vapores (CSAV) über einen Zusammenschluss. Hapag-Lloyd würde dadurch zur Nummer vier in der Weltliga der Containerschifffahrt aufsteigen. Hapag-Lloyd liegt derzeit auf Rang fünf, CSAV auf Platz 20. Hamburg Süd rangiert auf Platz zwölf. Vor einem Jahr waren Gespräche zwischen den beiden Hamburger Traditionsreedereien gescheitert.

Insidern zufolge hatte der Bielefelder Nahrungsmittelkonzern Oetker, dem Hamburg Süd gehört, einen Rückzieher gemacht. Grund soll gewesen sein, dass Hapag-Lloyd-Großaktionär Klaus-Michael Kühne die Gespräche mit der Forderung nach einer Fusion "auf Augenhöhe" und einem späteren Börsengang belastete. Hapag-Lloyd strebt im Zuge der Übernahme der Containerschifffahrt von CSAV einen späteren Gang aufs Parkett an.

Mit Blick auf die fortschreitende Konsolidierung der unter hohen Überkapazitäten leidenden Branche räumte der Hamburg-Süd-Chef ein, dass Größe für die Wettbewerbsposition wichtig sei. Hamburg Süd müsse sich jedoch keine Sorgen machen, ins Hintertreffen zu geraten. Im abgelaufenen Jahr habe die Reederei das Ergebnis der Liniendienste leicht erhöht. Das Management sei überzeugt, dass die Containerlinie auch ohne Anschluss an eine Allianz weiter erfolgreich sein werde. "Dennoch wäre es langfristig gut, wenn man das Produktportfolio globaler anbieten könnte", fügte Gast hinzu. Hamburg Süd ist vor allem auf den Strecken zwischen Südamerika und Europa stark.

Das siebte Krisenjahr

Gast machte deutlich, dass er auch im kommenden Jahr nicht mit einer Erholung der Branche rechnet. Der Druck auf die Frachtraten - das sind die Preise für die transportierten Container - werde hoch bleiben. Damit steuert die Containerschifffahrt auf das siebte Krisenjahr zu.

Ein Ende der Überkapazitäten ist demnach nicht in Sicht. Im Wettlauf um möglichst niedrige Transportkosten je Container bestellen die Reedereien immer größere Schiffe. Weltmarktführer Maersk hat unlängst Containerriesen mit Platz für 18.000 Standardcontainer (TEU) in Dienst gestellt. An den Reißbrettern der asiatischen Werften wird derzeit über noch größere Schiffe nachgedacht. Gemessen daran sind die größten Frachter von Hamburg Süd mit 9600 TEU maßvoll.

Gleichzeitig werden zu wenige ältere Schiffe stillgelegt. Die Verschrottungen erreichten im vergangenen Jahr mit über 200 Schiffen mit einer Gesamtkapazität von etwa einer halben Million Standardcontainer zwar einen Rekordwert, dennoch wuchs die Nettokapazität wegen der vielen neue Schiffe weiter. Die Auslieferungen in der Branche sollen laut Hamburg Süd im nächsten Jahr mit zwei (2014: voraussichtlich 1,6) Millionen TEU ein Allzeithoch erreichen.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung