Cevian ThyssenKrupps neuer Großaktionär mischt sich gern ein

Als gierige Heuschrecken gilt die Firma nicht, doch ThyssenKrupps neuer Anteilseigner Cevian kann durchaus unangenehm auftreten. Die Schweden sind in Deutschland keine Unbekannten.
Stahl-Gewinne nach Schweden: ThyssenKrupps neuer Ankeraktionär Cevian steht nicht gern abseits

Stahl-Gewinne nach Schweden: ThyssenKrupps neuer Ankeraktionär Cevian steht nicht gern abseits

Foto: INA FASSBENDER/ REUTERS

Düsseldorf - Der angeschlagene Industriekonzern ThyssenKrupp ist ins Visier des schwedischen Finanzinvestors Cevian geraten. Der "aktivistische Investor" hält mehr als 5 Prozent an dem Essener Stahlkocher und schließt eine weitere Aufstockung seiner Anteile nicht aus.

Cevian ist in Deutschland kein unbekannter Investor. Er löst zwar keinen "Heuschreckenalarm" aus, Konzernvorstände müssen sich aber darauf einstellen, einen Anteilseigner zu bekommen, der gerne im operativen Geschäft mitmischt. Das Credo der beiden Firmengründer Christer Gardell und Lars Förberg: "Wir suchen Unternehmen, die einen hohen Wert haben, aber die von der Börse vernachlässigt oder unterbewertet werden, weil sie gerade aus der Mode sind."

Vor elf Jahren gründeten die Investmentmanager Gardell und Förberg die Gesellschaft, für die inzwischen auch der ehemalige Daimler-Vorstand und Metro-Chef Eckhard Cordes arbeitet. Fortan gingen sie auf Schnäppchenjagd und sorgten 2007 mit ihrem Einstieg beim weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück für Furore.

Engagements bei Demag Cranes und Bilfinger

Sie forderten umgehend operative und strategische Verbesserungen. Im Krisenjahr 2010 stießen sie das Aktienpaket allerdings wieder ab und rückten im gleichen Jahr dem Düsseldorfer Kranbauer Demag Cranes  auf die Pelle. Die Investoren machten den von der Finanzkrise angeschlagenen Traditionskonzern als Übernahmekandidaten aus und stiegen mit 10 Prozent ein.

Nur ein Jahr danach kam es zur Übernahme durch den US-Baumaschinenkonzern Terex - und Cevian hatte seinen Einsatz verdoppelt. 2011 kauften sich Gardell und Förberg beim Baudienstleister Bilfinger  ein und sind inzwischen mit knapp 19 Prozent größter Anteilseigner des Mannheimer MDax-Konzerns. Jens Tischendorf, zuständig für das Deutschland-Geschäft von Cevian, zog zuletzt ins Kontrollgremium ein.

Auch für Daimler interessiert sich Cevian offenbar. Nach Informationen von manager magazin hielt der Investor zuletzt knapp unter 2 Prozent der Anteile und sei genervt von Daimler-Chef Zetsche und dem nach ihrer Ansicht fachfremden Personal im Aufsichtsrat.

Cevian mit Büros in Stockholm, Zürich und London verwaltet nach eigenen Angaben mehr als neun Milliarden Euro für Pensionskassen, Stiftungen, Staatsfonds und institutionelle Investoren in Europa, Nordamerika und anderen Regionen. Neben Cevian waren im Laufe dieses Jahres auch die Investoren Black Rock und Franklin Mutual mit jeweils über 5 Prozent bei ThyssenKrupp  eingestiegen. Größter Anteilseigner mit über 25 Prozent ist die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

nis/rtr
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