Montag, 17. Februar 2020

Neuer Tiefschlag Opel verlässt Bochum nun sogar ganz

Opel in Bochum: Totaler Schließungsbeschluss nach 40 Jahren in der Stadt der Ruhr-Universität

Schock für die Ruhrgebietsstadt Bochum: Opel gibt nicht nur die Fahrzeugfertigung in der Stadt auf, der Konzern will auch alle anderen Standorte in der Stadt dichtmachen. Dabei hatten viele Opelaner gerade gehofft, Opel werde an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Bochum - Bleibt den Einwohnern der Ruhrgebietsstadt Bochum noch etwas erspart? Jahre lang haben Fabriken in der ehemaligen "Blume im Revier", wie der Sänger Herbert Grönemeyer der Stadt Bochum einst huldigte, dicht gemacht; darunter angebliche Zukunftsbranchen wie die Fertigung und Entwicklung von Mobiltelefonen von Nokia Börsen-Chart zeigen. Stahl und Kohle waren schon davor lange auf dem Rückzug. Und jetzt geht mit Opel nach 40 Jahren in Bochum wohl einer der verbliebenen industriellen Großarbeitgeber - und das mit einem radikalen Schnitt, den bisher wohl kaum jemand in Bochum so hat kommen sehen. Oder auch nur für möglich gehalten.

Opel will Ende kommenden Jahres sein Werk in Bochum komplett schließen. Mit dem Ende der Autoproduktion werde dann auch das Zentrallager aufgegeben, bestätigte ein Bochumer Opel-Sprecher am Freitag Medienberichte. In dem Warenverteilzentrum seien rund 420 Mitarbeiter beschäftigt. Von dem Lager aus werden Händler in ganz Europa mit Ersatzteilen beliefert.

Das Aus für das Lager sei Folge des Neins der Bochumer Beschäftigten zum Sanierungsplan, sagte der Sprecher. Der von den Mitarbeitern im März abgelehnte Tarifvertrag sah neben der Autoproduktion bis Ende 2016 sogar einen Ausbau des Logistikzentrums vor.

Opel hat in Bochum drei Standorte. In Werk I werden Fahrzeuge gebaut, in Werk II Getrieben gefertigt, die auch an andere Opel-Fabriken gehen. Dort sind noch rund 3200 Menschen beschäftigt. Das Lager in Werk III ist nach Angaben des Sprechers ausgelagert und wird seit 2006 von Opel mit einem Partnerunternehmen betrieben.

Standort Bochum tief getroffen

Der Schock dürfte in der Ruhrgebietsstadt tief sitzen. Schon jetzt ist sie im jüngsten Wirtschaftskraftvergleich der 30 größten deutschen Städte, gemeinsam organisiert vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut und der Berenberg Bank, auf dem vorletzten Platz gelandet. Dazu hat beispielsweise die Entwicklung der Zahl der Erwerbstätigen beigetragen, in der schlechter als Bochum zuletzt nur Wuppertal abschnitt. Der vollständige Rückzug von Opel aus Bochum wird die Lage in dieser Ruhrgebietsstadt wohl weiter verschärfen.

Emotional dürfte die jetzt bekannt gewordene Entscheidung von Opel besonders tiefe Spuren bei vielen Opelanern und vielen Bochumern überhaupt hinterlassen. Denn vor wenigen Tagen waren nochmals Hoffnungen aufgetaucht, Opel können die Entscheidung, die Fertigung bereits Ende 2014 in Bochum auslaufen zu lassen, nochmals überdenken; die Opelaner in Bochum hatten den Sanierungsplan von GM zuvor abgelehnt. Stattdessen kommt jetzt die Ansage, auch die bisher nicht in Rede stehenden Standorte von Opel in Bochum zusätzlich dicht zu machen.

Erst vor wenigen Wochen hatte die Opel-Mutter General Motors Börsen-Chart zeigen angekündigt, dass der US-Konzern bis 2016 vier Milliarden Euro in Deutschland und Europa investieren werde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich draufhin in Berlin mit GM-Chef Dan Akerson und dem neuen Opel-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann getroffen. Die Manager besuchten auch Ministerpräsidenten in Deutschland - jene Repräsentanten deutscher Bundesländer mit Opel-Standorten. Eine Ministerpräsidentin wurde jedoch nicht aufgesucht: die SPD-Frau Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen. Vielleicht hätte dieses Signal die Opelaner in Bochum stutzig machen sollen. Und ganz Bochum dazu.

kst/dpa-afx

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