Mittwoch, 19. Juni 2019

Euopaweite Studie Industriegewicht Deutschlands wächst

Flaggen der Hannover Messe: 6500 Aussteller erwartet

Deutschland hat seine industrielle Wertschöpfung im vergangenen Jahrzehnt wie kaum ein anderes europäisches Land gestärkt. Das besagt eine IW-Studie, die zu Beginn der Hannover Messe präsentiert wurde. Für das diesjährige Gastland Russland gilt derzeit eher das Gegenteil.

Hannover - Die Bedeutung der Industrie ist in der EU laut einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im vergangenen Jahrzehnt nur in drei Ländern gewachsen: in Deutschland, Polen und den Niederlanden. Das zeige ein Vergleich über die Jahre 2000 bis 2011, berichtete der Direktor des Kölner IW, Michael Hüther, zum Beginn der Hannover Messe in der niedersächsischen Landehauptstadt.

Das IW habe in der Analyse den Anteil der Industriebranche an der gesamten Wertschöpfung untersucht. Hüther warnte vor wachsender De-Industrialisierung. Großbritannien habe als Beispiel gezeigt, wie schwierig es sei, längere globale Krisen zu überstehen ohne das starke Gewicht eines produzierenden Gewerbes.

EU-Industriekommissar Antonio Tajani bekräftigte in einer Videobotschaft das Ziel, bis zum Jahr 2020 den Industrieanteil an der EU-Wirtschaftsleistung auf ein Fünftel hochzuschrauben. Derzeit gingen nur etwa sechzehn Prozent auf ihr Konto. "Die Industrie soll dabei helfen, Europa wieder auf den Weg stetigen und beständigen Wachstums zu bringen", sagte Tajani.

Hüther und weitere Experten diskutierten in Hannover kurz vor der Eröffnung der weltgrößten Industrieschau, zu der am Abend Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Russlands Präsident Wladimir Putin kommen sollten.

6500 Aussteller aus 62 Ländern

Die Bundeskanzlerin und der russische Präsident werden die größte Industrieschau der Welt offiziell eröffnen. Diesmal sind mit gut 6500 Ausstellern aus 62 Ländern so viele Teilnehmer dabei wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Die Messe hat diesmal die Vernetzung der Industrie im Fokus und zeigt, wie sich die moderne Produktion über das Internet und Firmennetzwerke zunehmend eigenständig organisiert. Bei dem Leitmotto "Integrated Industry" wird auch von der Industrie 4.0 gesprochen, was die vierte industrielle Revolution kennzeichnet - nach dem Schub der Dampfmaschine, dem Weg zur Massenproduktion und der Automatisierung einstiger Handarbeit. "Wir sehen, dass wir an einem ganz wichtigen Punkt der Weiterentwicklung sind", sagt Messe-Vorstand Jochen Köckler.

Russland ist das aktuelle Partnerland und zeigt in Niedersachsen den bisher größten Auslandsauftritt seiner Wirtschaft. Putins Besuch sorgte allerdings bereits im Vorfeld für Verstimmungen. Kritiker werfen ihm Demokratieblockade vor und kündigten Proteste an. So müssen etwa aus Deutschland finanzierte Stiftungen und zivile Einrichtungen zuletzt Razzien über sich ergehen lassen - genauso wie russische Nichtregierungsorganisationen, die sich neuerdings als "ausländische Agenten" registrieren lassen müssen, falls sie aus dem Ausland Geld erhalten.

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