Ärger über Hochtief Leighton-Topmanager schmeißen hin

Eklat bei der australischen Hochtief-Tochter Leighton: Der Verwaltungsratschef des Unternehmens hat sich mit dem Mutterkonzern in Essen überworfen und ist zusammen mit zwei Kollegen zurückgetreten. Indirekt richtet sich der Protest offenbar gegen die neuen Hochtief-Besitzer in Spanien.
Leighton-Zentrale in Sydney: "Hochtief unterstützt keine unabhängige Führung mehr"

Leighton-Zentrale in Sydney: "Hochtief unterstützt keine unabhängige Führung mehr"

Foto: AFP

Sydney - Beispielloser Eklat bei der australischen Hochtief-Tochter Leighton: Der Chef des Verwaltungsrats, Stephen Johns, wirft ebenso wie zwei seiner Kollegen aus Ärger über den Essener Mehrheitseigner die Brocken hin. "Stephen Johns, Wayne Osborn und Ian Macfarlane haben heute ihren Rücktritt eingereicht", erklärte Leighton am Freitag in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht. Die Manager seien der Ansicht, dass Hochtief entgegen früheren Vereinbarungen nicht mehr eine unabhängige Führung bei Leighton unterstütze. Die verbleibenden Manager teilten diese Ansicht indes nicht, hieß es in einer später verbreiteten zweiten Mitteilung Leightons.

Hochtief stellte sich demonstrativ hinter die verbliebene Führungsspitze. Leighton-Chef Hamish Gordon Tyrwhitt, Finanzchef Peter Allan Gregg und das übrige Management hätten die volle Unterstützung des Konzerns, sagte ein Sprecher. Hochtief war selbst vom spanischen Konkurrenten ACS übernommen worden - danach machten immer wieder Gerüchte um eine Zerschlagung die Runde. Leighton-Aktien gaben nach der Mitteilung zum Abgang der drei Verwaltungsräte rund sechs Prozent nach, auch die Anteilsscheine von Hochtief und dem Hochtief-Eigner ACS verloren an Boden. Die Spanier wollten sich am Morgen nicht zu Leighton äußern.

Hochtief ist mit rund 53 Prozent an Leighton beteiligt. Der Essener Konzern selbst gehört nach einer erbitterten Übernahmeschlacht seit 2011 zur Baugruppe ACS, die ihren ehemaligen Manager Marcelino Fernández Verdes an die Hochtief-Spitze entsandt hat. Verdes baut Hochtief derzeit um und will das Unternehmen auf Rendite trimmen. Der Spanier erwartet laut Hochtief-Geschäftsbericht, dass auch Leighton höhere Margen erarbeitet und sich auf das Kerngeschäft fokussiert. Zahlreiche Vorstände und Manager hatten Hochtief im Zuge der Machtübernahme durch ACS verlassen. In der Belegschaft hatte es immer wieder Befürchtungen gegeben, der unter Milliarden-Schulden ächzende ACS-Konzern könne Hochtief zerschlagen. Auch Gerüchte um einen Verkauf der Ertragsperle Leighton hatten immer wieder die Runde gemacht - bewahrheitet haben sie sich indes bislang nicht.

Spanier sprechen von Investition, Hochtief-Angestellte von Zerstörung

Verwaltungsratschef Jones habe hohes Ansehen genossen, sagte ein australischer Analyst. Sein Abgang werde als negatives Signal aufgenommen. Jones war 2011 Chefkontrolleur Leightons geworden. Analysten der DZ Bank bezeichneten den Rückzug als negative Überraschung. Die Rating-Agentur S&P erklärte, der Rücktritt signalisiere einen möglichen Zusammenbruch der Vereinbarungen zwischen Leighton und Hochtief - deshalb stufe S&P den Ausblick für die Verbindlichkeiten Leightons auf negativ.

Die Leighton-Unternehmensgruppe ist in Australien, Asien und auch im Nahen Osten tätig. Die Hochtief-Sparte hatte 2012 einen Auftragseingang von 18,4 Milliarden Euro verbucht, der Gewinn vor Steuern verbesserte sich deutlich auf 411 Millionen Euro - vor Jahresfrist stand noch ein Verlust von 285 Millionen Euro in den Büchern. Der 49-jährige Tyrwhitt verantwortet seit August 2011 die Leighton-Geschäfte, er hatte mehrere Projekte in Australien abgearbeitet, die Leighton vorübergehend hohe Verluste eingebrockt hatten. Tyrwhitt, Finanzchef Peter Allan Gregg und das übrige Management hätten die volle Unterstützung Hochtiefs, sagte ein Sprecher in Essen. Hochtief schätze ihre "erfolgreiche Arbeit" und unterstütze die derzeitige Strategie Leightons. Die drei hochrangigen Leighton-Vertreter, die das Handtuch geworfen hatten, seien nicht operativ tätig gewesen.

Verdes hatte jüngst die Hälfte des Europa-Geschäfts von Hochtief zur Disposition gestellt. Trennen wollen sich die Essener weiter auch von ihrem Flughafengeschäft. Der vor 140 Jahren gegründete Konzern soll zurück zu den Wurzeln und sich auf den klassischen Baubereich konzentrieren. Damit will Verdes Hochtief profitabler machen. In Infrastrukturprojekten wie dem Bau von Verkehrswegen, Flughäfen oder Brücken sieht der Manager die Zukunft. Genau der gegenteilige Kurs hatte Hochtief lange Jahre als eigenständiges Unternehmen stabilisiert.

mg/rtr