Sonntag, 31. Mai 2020

Hightech aus China Angriff auf die Weltspitze

Auf der Überholspur: Überflieger made in China
AFP

Sie sind jung, flexibel und erfolgshungrig. Innerhalb weniger Jahre haben es Huawei und ZTE an die Weltspitze geschafft. In ihrem Windschatten kommen weitere chinesische Firmen nach vorne, die neben Japanern und Koreanern auch manches deutsche Unternehmen das Fürchten lehren.

Hamburg - Für manche Fehler bezahlt man sein Leben lang. Das musste auch Willi Liebherr erkennen. Die Folgen bekommen die Vertreter seiner Firma bei jedem größeren Messeauftritt der Kühlsparte zu spüren: Egal wo die Ochsenhausener auftreten - der ehemalige Verbündete Haier ist bereits da.

Mit günstigen, schnittigen Kühlschrankmodellen haben die Chinesen die Schwaben, was die Masse der verkauften Produkte angeht, längst überholt und sind mittlerweile die Nummer eins unter den weltweiten Hausgeräteherstellern. Und sogar beim Autofahren kann Liebherr der Vergangenheit nicht mehr entkommen. In mehr als 30 Radiosendern dudelt derzeit Werbung für die Ostchinesen.

Dass die frühere Qingdao General Refrigerator Factory, die die Deutschen in den 80er Jahren auserkoren, zunächst vier ihrer Kühlschrankmodelle zu bauen, derartig durchstartet, hätte man sich in Schwaben damals nicht träumen lassen. Sorglos lieferten die Deutschen die dafür nötigen Maschinen in die chinesische Hafenstadt Qingdao und montierten sie auch noch selber. Doch der Traum vom großen Geschäft mit China dauerte nur zehn Jahre. Dann ging man auseinander.

Zu den Gründen, warum das deutsch-chinesische Projekt scheiterte, existieren unterschiedliche Versionen. Zu unflexibel seien die Deutschen gewesen, heißt es in China. Hierzulande wird eher von urheberrechtlichen Streitigkeiten gemunkelt. Bei Liebherr spricht man wolkig von "unlösbaren Interessengegensätzen". An die unerfreuliche Episode will man nur ungern erinnert werden.

Was deutsch klingt, verkauft sich gut

Doch die Chinesen sind weiter auf dem Vormarsch. Selbst der Name Haier ist wohl ein Relikt der einstigen Zusammenarbeit - das chinesische Überbleibsel der letzten Silbe des ursprünglichen Markennamens Qingdao Lieb-herr (haier), unter dem die Produkte in China in den Handel gingen.

Auch wenn die Chinesen beim Namen eine andere Erklärung bevorzugen und ihn als Ableitung des chinesischen Zeichens für Meer erklären. Der deutsch klingende Name ist für die Chinesen bares Geld wert. Man betone nie, dass man eine chinesische Firma sei, räumte kürzlich der fürs Überseegeschäft verantwortliche Manager Li Pan gegenüber der "Financial Times" ein. "Wir verleugnen es nicht, aber wir betonen es auch nicht."

Durch und durch chinesisch ist Haier längst nicht mehr - und die Zeiten, in denen Vorstandschef Zhang Ruimin fehlerhafte Geräte vor der Belegschaft mit einem Vorschlaghammer zertrümmerte, sind lange vorbei. Mehr als ein Viertel seines Umsatzes generiert das Unternehmen bereits außerhalb Chinas. Europachef ist ein Franzose. Und auch entworfen und produziert wird längst in Übersee - unter anderem in Campodoro in der Nähe von Padua in Italien.

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