Freitag, 6. Dezember 2019

Maschinenbau Gildemeister verwirrt mit Fusionsplänen

Verschwurbeltes Dementi: Derzeit habe Gildemeister keine "konkreten Fusionspläne", verlautete die Pressestelle

Ist es ein Missverständnis - oder ein Lapsus? In einem Gespräch mit einer Tageszeitung hat Gildemeister-Chef Kapitza eine Fusion mit dem japanischen Partner Mori Seiki durchgespielt. Den Bericht dementierte Gildemeister umgehend - und auch der Zeitpunkt überrascht.

Frankfurt - So richtig transparent sind die jüngsten Ereignisse beim Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister nicht: Heute erschien in der Bielefelder "Neuen Westfälischen" ein Bericht, laut dem Firmenchef Rüdiger Kapitza eine Fusion von Gildemeister mit dem japanischen Kooperationspartner Mori Seiki durchspielt. "Dafür müssen wir die Aktionäre davon überzeugen, dass eins plus eins mehr als zwei ergibt", zitierte das Blatt Kapitza.

Doch eine Konzernsprecherin dementierte den Artikel umgehend. "Die Berichterstattung entbehrt jeder Grundlage", sagte sie. Gildemeister habe keine "konkreten Fusionspläne". An der Börse sorgten die Fusionsgerüchte für einen Kursaufschlag der im Nebenwerteindex MDax notierten Aktien von Gildemeister Börsen-Chart zeigen von mehr als 2 Prozent auf 18,68 Euro.

Der Zeitpunkt des Berichts ist jedenfalls seltsam. Denn erst gestern hatte Gildemeister seine Bilanzpressekonferenz abgehalten. Dort hatte Kapitza Rekordzahlen für 2012 vorgelegt, aber mit seinem verhaltenen Ausblick die Anleger enttäuscht. Über mögliche Fusionspläne hatte Kapitza kein Wort verloren.

Übernahmegerüchte sind nichts Neues

Doch in dem einen Tag darauf erscheinenden Artikel schlägt Kapitza dem Bericht zufolge die Gründung eines neuen Unternehmens vor, an dem sich die Aktionäre beider Konzerne zu gleichen Teilen beteiligen sollten.

Erstrebenswert wäre ein Doppelsitz in Deutschland und Japan und eine Börsennotierung in beiden Ländern. Gildemeister und Mori Seiki sind seit 2009 wechselseitig aneinander beteiligt. Inzwischen hält der japanische Wettbewerber rund 20 Prozent an den Bielefeldern. Gildemeister wiederum ist mit 5,1 Prozent an Mori Seiki beteiligt.

Immer wieder kochten in den vergangenen Jahren Gerüchte über eine Übernahme von Gildemeister durch Mori Seiki hoch. Für Gildemeister hat sich die Kooperation mit der 1948 gegründeten Mori Seiki bereits ausgezahlt. Der Partner öffnete dem hiesigen Werkzeugmaschinenbauer die Türen in Asien, wo der Konzern inzwischen 32 Prozent seiner Aufträge hereinholt. Im Fall einer Fusion würde der weltgrößte Werkzeugmaschinenbauer entstehen mit einem Umsatz von rund 3,5 Milliarden Euro und über 10.000 Beschäftigten.

wed/dpa/rtr

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