Kohlefaser-Spezialist Dreamliner-Pannen verpatzen Bilanz von SGL

SGL glaubt weiterhin an die Zukunft der Karbonfasern. Doch auf dem Weg zum neuen Industriestandard muss SGL auch Rückschläge mit dem Werkstoff einstecken. So schlagen die Probleme des Boeing-Flugzeugs Dreamliner direkt auf SGLs Bilanz durch.
Karbonfasern in SGL-Fabrik: Das Geschäftsjahr 2012 verlief durchwachsen

Karbonfasern in SGL-Fabrik: Das Geschäftsjahr 2012 verlief durchwachsen

Foto: BMW

Wiesbaden - Karbonfasern machen Flugzeuge, Windrotoren und Autos leichter, doch Marktschwankungen bei dem neuen Werkstoff haben dem Kohlenstoffspezialisten SGL Group  die Bilanz 2012 verhagelt. Der Überschuss brach um 90 Prozent auf 7,2 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen heute mitteilte.

Allein weil der US-Flugzeugbauer Boeing Aufträge für seinen problemgeplagten B 787 "Dreamliner" änderte, musste SGL 54,2 Millionen Euro beim Ergebnis streichen. Dagegen legte das SGL-Basisgeschäft mit Graphitelektroden zur Elektrostahlherstellung bei Umsatz und Ergebnis zweistellig zu.

Das Betriebsergebnis der aus Wiesbaden gesteuerten AG sackte um knapp 40 Prozent auf 100 Millionen Euro ab. Der Umsatz legte um 11 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zu. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 0,20 Euro erhalten. Im laufenden Jahr werde der Umsatz leicht steigen, sagte Vorstandschef Robert Koehler. Das Ergebnis vor Abzügen werde rund 10 bis 15 Prozent unter dem Vorjahreswert von 239,7 Millionen Euro liegen.

Raues Klima auch im Windgeschäft

Wegen der Unsicherheit über den Ausbau der Windkraft in der deutschen Energiewende lief auch das Geschäft mit Rotorblättern schwach. Trotzdem glaubt SGL weiter an den neuen Werkstoff Kohlenstofffaser. "Die langfristigen Trends sind intakt - im Flugzeugbau, in der Windkraft, beim Autobau wird sich die Carbonfaser durchsetzen", sagte Finanzvorstand Jürgen Muth.

Die Vertragsänderungen mit Boeing hätten nichts mit den aktuellen Batterie-Problemen des "Dreamliners" zu tun, sagte Koehler. Derzeit müssen die Flieger am Boden bleiben. Nach vielen Verzögerungen bei dem Langstreckenflieger wolle Boeing weniger Maschinen vom Typ 787-8 bauen und mehr vom etwas längeren Typ 787-9. Für SGL bedeute das, dass Vorleistungen bei der Entwicklung von Teilen, Formenbau und Tests ihren Wert verloren haben. Diese Arbeit müsse für den anderen Flugzeugtyp teilweise neu geleistet werden.

Wegen der Leichtbauweise von Autos sind BMW und Volkswagen bei SGL eingestiegen. Die BMW-Großaktionärin Susanne Klatten hält über ihre Beteiligungsfirma SKion etwa 28 Prozent der Aktien, die Milliardärin soll künftig auch den SGL-Aufsichtsrat leiten. BMW hält weitere 15,7 Prozent, Volkswagen 8,2 Prozent.

Trotz der Rückschläge hält SGL weiter an seinen ehrgeizigen Plänen fest - und glaubt sogar an eine Beschleunigung. Sein mittelfristiges Umsatzziel von rund 2,5 Milliarden Euro will SGL innerhalb einer Zeitspanne von vier bis fünf Jahren erreicht haben. "Vielleicht auch schon etwas früher", sagte Vorstandschef Koehler. Im vergangenen Jahr kam das Unternehmen auf einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro.

Im Hauptgeschäft mit Graphitelektroden sei das Auftragsbuch für das laufende Jahr bereits etwas voller als noch vor einem Jahr. China sei künftig ein wichtiger Markt. Dort würden erst rund zehn Prozent des dort erzeugten Stahls mit dem Elektrostahlverfahren hergestellt, für das SGL die Elektroden liefert. Weltweit sei ein Anteil von 40 Prozent üblich. In den kommenden Jahren gebe es daher dort noch großes Wachstumspotenzial. Bei den Kathoden, wie sie in Aluminiumschmelzen eingesetzt werden, sei die Talsohle durchschritten.

wed/dpa/rtr
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