Nach Rücktritt Spekulationen über Crommes Zukunft bei Siemens

Der Rücktritt von Gerhard Cromme als Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp heizt auch Spekulationen um seine Zukunft an der Spitze des Siemens-Kontrollgremiums an. Hier wird ebenfalls über prominente Nachfolger diskutiert.
Gerhard Cromme: Bleibt der 70-Jährige bei Siemens?

Gerhard Cromme: Bleibt der 70-Jährige bei Siemens?

Foto: DPA

München/Düsseldorf - "Ein Name, der immer wieder fällt, ist Wolfgang Reitzle", zitierte das "Handelsblatt" einen Siemens-Manager. Reitzle gibt seinen Chefposten beim Industriegasespezialisten Linde  im kommenden Jahr ab und hält sich zu seiner persönlichen Zukunft derzeit bedeckt.

In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wurde neben Reitzle auch Siemens-Vizeaufsichtsratschef Josef Ackermann als möglicher Nachfolger genannt. Ein Siemens-Sprecher sprach von Spekulationen. "Bei uns gibt es keine Veränderungen im Aufsichtsrat. Der steht", so der Sprecher.

ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hatte am Freitag angekündigt, sich zum 31. März vollständig aus dem Stahlkonzern zurückzuziehen. Hintergrund sind das Milliardendebakel der Stahlwerke in Amerika, Kartellverstöße und Korruptionsfälle.

Lehner oder Keitel aussichtsreiche Kandidaten für ThyssenKrupp-AR

Ein Nachfolger für Cromme bei ThyssenKrupp  steht noch nicht fest, auch hier werden mehrere Kandidaten gehandelt. Aktionärsschützer haben sich für einen externen Kandidaten als Nachfolger ausgesprochen. Dieser könne einen wirklichen Neuanfang bei dem Stahlkonzern verkörpern, sagte ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Interne Kandidaten kämen nur dann in Frage, wenn sie völlig frei von vergangenen Fehlentscheidungen seien.

Hans-Christoph Hirt von Hermes Fund Managers hatte bereits betont, die Personalie Cromme sollte nicht davon ablenken, dass es "weitergehende Fragen zur Zusammensetzung und Effektivität des Aufsichtsrats gibt". "Wenn die Krupp-Stiftung jetzt einen Kandidaten entsendet, der nicht das Kaliber und die nötige Unabhängigkeit (..) hat, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen und den Neuanfang des Unternehmens voranzutreiben, würden die positiven Aspekte des Rücktritts fast überschattet", warnte er. Hermes vertritt die Interessen großer Pensionsfonds.

In Medienberichten waren zwei Mitglieder des ThyssenKrupp-Aufsichtsrats als aussichtsreiche Kandidaten für die Cromme-Nachfolge genannt worden: Der ehemalige Henkel-Chef Ulrich Lehner und der frühere BDI-Chef Hans-Peter Keitel. Der 66-jährige Lehner gehört dem ThyssenKrupp-Aufsichtsrat seit 2008 an. Zudem ist er Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom  und Interimspräsident des Schweizer Pharmakonzerns Novartis .

Der 65-jährige Keitel sitzt seit 2010 im Kontrollgremium. Der ehemalige BDI- und Hochtief-Chef ist daneben unter anderem Mitglied im Commerzbank -Aufsichtsrat. In Arbeitnehmerkreisen wurde es indes als unwahrscheinlich bezeichnet, dass Keitel auf Crommes Posten aufrückt.

Pleitgen als Nachfolger in der Krupp-Stiftung im Gespräch

Die nächste reguläre Sitzung des ThyssenKrupp-Aufsichtsrats ist für den 15. Mai anberaumt. So lange werde das Kontrollgremium aber wohl kaum bis zur nächsten Zusammenkunft warten, hieß es im Umfeld des Stahlkonzerns. Wahrscheinlich sei eine außerordentliche Sitzung.

Cromme nimmt zudem auch bei der mächtigen Krupp-Stiftung seinen Hut, die gut 25 Prozent an dem Essener Mischkonzern hält. Stiftungschef Berthold Beitz muss einen Nachfolger suchen. Dem "Handelsblatt" zufolge könnte der ehemalige ARD-Intendant Fritz Pleitgen den 99-jährigen Beitz an der Spitze der Stiftung beerben. Das "Augenmerk" richte sich auf Pleitgen, schrieb das Blatt, Quellen nannte es nicht. Der gebürtige Duisburger Pleitgen war erst am 13. Februar in das Kuratorium berufen worden.

Dem zwölfköpfigen Gremium gehören unter anderem auch die Beitz-Tochter Susanne Henle, die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und der Frankfurter Anwalt Kersten von Schenck an. ThyssenKrupp wollte sich nicht zu Personalien äußern.

mg/dpa/rtr
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