Montag, 23. September 2019

Automatisierung Die neue Revolution der Roboter rollt an

Science-Fiction-Szenario: Maschinen übernehmen mehr Aufgaben von Menschen

Die Robotertechnik macht einen weiteren Entwicklungssprung. In der "Fabrik 4.0" verbreiten sich smarte Maschinen, mit weit reichenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Mittelständler aus Deutschland mischen vorn mit.

Hamburg - Baxter ist der neue Held. Der humanoide Roboter erinnert mit seinem Augenpaar auf einem rechteckigen Display zwar etwas an Spielzeug. In deutschen Robotikforen mokieren sich die Ingenieure über im Vergleich zu etablierten Industrierobotern schlechten Leistungswerte in puncto Präzision und Geschwindigkeit.

Und doch verspricht Baxter - oder sein Hersteller Rethink Robotics - nicht weniger als eine neue industrielle Revolution. Neben der leichten Bedienbarkeit soll der Verkaufspreis von 22.000 Dollar dafür sorgen, dass immer mehr Firmen (und auch Privatleute) Roboterhilfe für immer mehr Aufgaben in Anspruch nehmen. Baxter steht für einen Trend in der Branche, der für die Robotertechnik das sein könnte wie einst der PC für die Computerindustrie.

Zusammen mit anderen Innovationen wie 3D-Druckern, die Kostenvorteile für lokale und maßgefertigte Produktion bieten, sieht Ökonom George Magnus von der UBS eine "globale industrielle Revolution" nahen. Marktnähe und Wissen zählen mehr, Massenproduktion und Lohnkosten weniger. So verschiebe sich der ökonomische Vorteil wieder zugunsten westlicher Unternehmen, weg von Asiens Billiglohnzentren - die allerdings bereits reagieren: Die taiwanische Elektronikschmiede Foxconn, die in China eine Million Arbeiter beschäftigt, will bis 2014 ebenso viele Roboter anschaffen.

Produktion kehrt zurück in die traditionellen Industrieländer

Als Macher von Baxter erhofft sich Rodney Brooks eine Rückkehr der Industrie in die USA. "Irgendwann findet man einfach keinen Ort mehr, wo Arbeitskraft noch billiger ist", kritisiert er das Outsourcing der vergangenen Jahre. Brooks kommt von der Innovationsfabrik MIT und hat mit dem Saugroboter Roomba der Firma iRobot bereits dafür gesorgt, die Technik im Alltag zu verbreiten. Jetzt will er mit Geldgebern wie Amazon-Gründer Jeff Bezos im Rücken die Domäne der industriellen Automatisierung aufräumen.

Falls die Attacke Erfolg hat, könnte eine Debatte schnell entschieden werden, die aktuell unter Ökonomen tobt: ob der technische Fortschritt, der das Wachstum der vergangenen Jahrhunderte angetrieben hat, gerade erlahmt oder im Gegenteil einen neuen Schub erhält.

Die erste These vertritt Robert Gordon von der Northwestern University in Chicago. Die Erfindungen des vergangenen Jahrzehnts wie Cloud-Dienste oder Tablet-Rechner seien ja ganz nett, brächten aber wenig für Produktivität und Wohlstand. Auf alles seit 2002 Entwickelte könne die Welt leichter verzichten als auf eine simple, frühere Innovation wie Abwasserrohre. Harvard-Ökonom Ken Rogoff hält dagegen: Die meisten Wissenschaftler, die er kenne, seien überzeugt, "dass ihre Projekte die Welt in noch nie dagewesenem Tempo verändern".

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung