Stahlsparte Neuer Kartellvorwurf erschüttert ThyssenKrupp

Es scheint eine endlose Kette zu sein: ThyssenKrupp wird mit dem nächsten Kartellvorwurf konfrontiert. Dieses Mal soll sich der Industrieriese an Preisabsprachen für Blechlieferungen an die Autoindustrie beteiligt haben. Das Kartellamt hat deshalb ThyssenKrupp-Büros durchsucht.
ThyssenKrupp-Bleche für die Autoindustrie: Handel mit Preisabsprachen?

ThyssenKrupp-Bleche für die Autoindustrie: Handel mit Preisabsprachen?

Foto: DPA

Duisburg/Düsseldorf - Der von Milliardenverlusten und unsauberen Geschäftspraktiken erschütterte Industriekonzern ThyssenKrupp kommt nicht zur Ruhe. Das Unternehmen ist erneut ins Visier des Bundeskartellamts geraten. Die Behörde durchsuchte am Donnerstag Geschäftsräume der europäischen Stahlsparte in Duisburg, wie der Konzern selbst mitteilte. Hintergrund ist der Verdacht auf illegale Absprachen zwischen Konkurrenten bei der Lieferung von Stahl für die Autoindustrie in Deutschland. Das Unternehmen werde die Behörden aktiv bei Untersuchungen unterstützen, hieß es.

Das Bundeskartellamt erklärte, die Geschäftsräume von drei Unternehmen der Stahlbranche in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern durchsucht zu haben. Namen und Details zu den Vorwürfen nannte sie nicht. Allerdings räumte der österreichischen Stahlhersteller Voestalpine ein, dass seine Niederlassung in München durchsucht worden sei.

Das Kartellamt verdächtigt die Unternehmen, beim Vertrieb von Bandstahl und Halbzeugen wettbewerbsbeschränkende Absprachen getroffen zu haben, sagte ein Sprecher. Vier Standorte seien mit 19 Mitarbeitern des Kartellamts und Kräften der Kriminalpolizei überprüft worden, erklärte die Behörde. Auch in Privatwohnungen von Verdächtigen hätten sich die Ermittler umgesehen.

Nach Bekanntwerden der neuen Vorwürfe drehten ThyssenKrupp-Aktien  am Donnerstag Nachmittag ins Minus. In der Vergangenheit war der Konzern in zahlreiche Kartelle verstrickt - nach unerlaubten Absprachen im Edelstahlsektor und bei Rolltreppen machte zuletzt ein Schienenkartell Schlagzeilen. Wegen jahrelanger illegaler Absprachen im Schienengeschäft war der Konzern im vergangenen Sommer zu einer Strafe von gut 100 Millionen Euro verdonnert worden.

ThyssenKrupp-Chef kündigt hartes Vorgehen an

Auch Voestalpine gehörte zu den "Schienenfreunden". Die beteiligten Unternehmen müssen sich nachd en Kartellstrafen zudem auf Schadensersatzansprüche der Bahn und weitere geschädigter Verkehrsgesellschaften einstellen. einstellen. Bei ThyssenKrupp gibt es zudem Vorwürfe, dass Mitarbeiter mit zweifelhaften Zahlungen Geschäfte im Ausland angestoßen haben sollen.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger kündigte ein hartes Vorgehen an. "Bei ThyssenKrupp gilt das Prinzip 'Null Toleranz'. Sollten die veranlassten Untersuchungen ergeben, dass sich die Vorwürfe erhärten, werden wir hart durchgreifen." Er erwarte von allen Führungskräften, dass sie in ihrem Verantwortungsbereich ordnungsgemäße Geschäftsprozesse sicherstellten, hinsähen und handelten.

"Wir sind dabei, einen umfassenden Wandel der Führungskultur bei ThyssenKrupp umzusetzen", erklärte Hiesinger. "Damit ist es mir sehr ernst. Wer hier nicht mitzieht, hat bei uns nichts zu suchen." Hiesinger steht seit rund zwei Jahren an der Spitze des Traditionskonzerns. Er räumt seit dem mit harter Hand auf. Ende 2012 trennte er sich gleich von drei Vorständen.

Die neuem Kartellvorwürfe bezögen sich auf einen Zeitraum von mehreren Jahren, sagte Hiesinger bei einer Veranstaltung am Donnerstagabend in Düsseldorf. Der Fall sei durch eine anonyme Anzeige ins Rollen gekommen. Weitere Einzelheiten etwa zum finanziellen Umfang seien derzeit noch nicht bekannt. "Das ist alles völlig neu", sagte Hiesinger. Bei ThyssenKrupp habe es Durchsuchungen lediglich am Standort Duisburg gegeben.

kst/dpa-afx
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