Donnerstag, 19. September 2019

Süßwarenindustrie Millionenbußen für das Schokokartell

Geächtete Markenhersteller: Kronzeuge Mars kommt ungeschoren davon
dapd; Kraft Foods
Geächtete Markenhersteller: Kronzeuge Mars kommt ungeschoren davon

Das Bundeskartellamt knöpft sich wegen illegaler Preisabsprachen die Süßwarenindustrie vor. Markenhersteller wie Nestlé oder Ritter Sport müssen Millionenbußen zahlen. Die wehren sich und weisen den Eindruck eines Geheimbundes zurück.

Waldenbuch/Bonn - Gegen elf Firmen und deren verantwortliche Vertriebsmitarbeiter werden Bußgelder in Höhe von über 60 Millionen Euro wegen verschiedener Kartellverstöße verhängt, wie die Behörde am Donnerstag in Bonn mitteilte.

Betroffen sind bekannte Unternehmen wie Nestlé Börsen-Chart zeigen ("KitKat", "Lion"), die von Kraft Foods Börsen-Chart zeigen abgespaltene Mondelez Börsen-Chart zeigen ("Milka", "Toblerone") oder Ritter Sport. Es geht um Preisabsprachen und Informationsaustausch, deswegen gab es bereits 2008 Durchsuchungen bei den Firmen. Ausgelöst wurde das Verfahren nach einem Kronzeugenantrag der Mars GmbH, die dadurch straffrei davonkommt.

"Im Jahr 2007 waren die Preise wichtiger Rohstoffe für die Schokoladenherstellung wie Milch und Kakao deutlich angestiegen", sagte der Präsident des Kartellamts, Andreas Mundt. "Statt einer unternehmerischen Lösung entschied man sich in dieser Situation für ein illegales Vorgehen." Der Wettbewerb sei ausgeschaltet und die Kunden seien mit abgesprochenen Preissteigerungen belastet worden.

Konkret geht es um drei Sachverhalte: Kraft Foods Deutschland und Ritter Sport sollen sich in mehreren Telefonaten gegenseitig über ihre Preiserhöhungen informiert haben. Die Endverbraucherpreise für die 100-Gramm-Schokoladentafeln stiegen danach sprunghaft um 10 bis 15 Cent. Dies sei nur durch einen Kronzeugenantrag der Alfred Ritter GmbH nachweisbar gewesen, sodass das Familienunternehmen in diesem Fall straffrei davonkommt. Kraft Foods Deutschland muss 21,7 Millionen Euro zahlen.

In einem weiteren Fall kamen Mitarbeiter von Ritter Sport, Nestlé, Mars und Haribo zu einer Viererrunde zusammen. Die Firmen hätten sich unter anderem über die Rabattforderungen des Einzelhandels gegenüber den anderen Süßwarenherstellern sowie deren Reaktionen auf diese Forderungen informiert. Gegen Haribo war bereits im August ein Bußgeld von 2,4 Millionen Euro verhängt worden. Auf die anderen Hersteller kommt jetzt ein Bußgeld von 19,5 Millionen Euro zu.

Weitere Strafen werden fällig für Mitglieder des Arbeitskreises Konditionenvereinigung des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie. Bei Treffen des Arbeitskreises seien Verhandlungsstände mit dem Einzelhandel sowie beabsichtigte Preiserhöhungen ausgetauscht worden, lauten die Vorwürfe. Beteiligt waren hier neben Mars und Ritter Sport acht weitere Unternehmen, darunter Bahlsen, Storck und Katjes. Gegen sie verhängte das Bundeskartellamt ein Bußgeld in Höhe von 19,6 Millionen Euro. Angaben zu den Strafen für einzelne Firmen machte die Behörde nicht.

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