Airbus überholt Boeing schafft Umsatzsprung in 2012

Der Alptraum um den "Dreamliner" könnte für Boeing ein teures Erwachen nach sich ziehen. Je länger sich die Fehlersuche bei dem Vorzeigeflieger hinzieht, desto größer wird die Rechnung im laufenden Jahr. Das vergangene schloss das US-Unternehmen dagegen mit deutlichem Umsatzwachstum ab.
Boeing: "Dreamliner"-Probleme überschatten Jahresergebnis 2012

Boeing: "Dreamliner"-Probleme überschatten Jahresergebnis 2012

Foto: Toru Hanai/ REUTERS

Alles dreht sich bei Boeing um das jüngste "Dreamliner"-Debakel. Doch der US-Flugzeugbauer klammert bei seiner Prognose drohende Kosten für das Flugverbot und mögliche Neuentwicklungen für die feuergefährdete Elektrik des Langstreckenjets kurzerhand aus. Für das laufende Jahr stellte der Airbus-Konkurrent am Mittwoch mehr Auslieferungen, einen höheren Umsatz und einen stabilen Gewinn in Aussicht. Das alles steht unter der Voraussetzung, dass das "Dreamliner"-Desaster keine nennenswerten Geldsummen schluckt und Fluglinien nicht verschreckt. Die Suche nach den Ursachen des Feuers in einer "Dreamliner"-Maschine und einer geschmorten Batterie in einer anderen geht unterdessen weiter.

Boeings Jahresabschluss für 2012 war von diesen Problemen noch nicht getrübt. Der Flugzeugbauer steigerte seinen Umsatz um 19 Prozent auf 81,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn ging wegen hoher Pensionsverpflichtungen um drei Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar zurück, übertraf aber immer noch die Erwartungen der Analysten. Der Gewinn je Aktie schrumpfte um 4 Prozent auf 5,11 Dollar. Im laufenden Jahr will Boeing weiter Aktien zurückkaufen. Zwischen 1,5 und 2 Milliarden Dollar will Boeing auf diese Weise an die Aktionäre zurückgeben.

Der Boeing-Aktienkurs  stieg nach den Nachrichten. An der New Yorker Börse legte das Papier um 1,22 Prozent auf 74,55 Dollar zu. Am Aktienmarkt hat das Flugverbot bisher vergleichsweise geringe Spuren hinterlassen. Investoren setzen nach wie vor darauf, dass Boeing die Probleme in den Griff bekommt und es keine gravierenden Auswirkungen in der Bilanz gibt. Das Flugverbot ist das erste für einen Verkehrsflieger seit 34 Jahren.

ür die Boeing-Führung hat die Lösung der Probleme beim jüngsten Flugzeugmodell 787 "Dreamliner" die höchste Priorität. "Unsere erste Aufgabe für 2013 ist, das Batterieproblem der 787 zu lösen und die Flugzeuge wieder sicher in die Luft zu bringen", sagte Konzernchef Jim McNerney. Zu den möglichen Kosten schwieg er sich jedoch aus. Für das laufende Jahr peilt die Konzernspitze einen Gewinn je Aktie von 5,00 bis 5,20 US-Dollar an. Der Umsatz soll auf von 82 bis 85 Milliarden Dollar zulegen.

Produktion läuft weiter

Dafür hat Boeing die Produktion der Verkehrsflugzeuge weiter angekurbelt. Im laufenden Jahr sollen nach 601 gefertigten Flugzeugen im vergangenen Jahr diesmal 635 bis 645 neue Jets die Werkshallen verlassen, verspricht die Boeing-Führung. So werden inzwischen jeden Monat 38 Exemplare des Mittelstreckenjets 737 fertig, im kommenden Jahr sollen es schon jeweils 42 Maschinen des Typs sein.

In das Produktionsziel für 2013 hat die Konzernspitze allerdings auch mehr als 60 Exemplare des "Dreamliners" eingerechnet. Dessen Produktion läuft nach dem jüngsten Flugverbot weiter - mit zuletzt fünf Exemplaren pro Monat. Die Auslieferung ist jedoch gestoppt, seit die Aufsichtsbehörden Mitte Januar ein Flugverbot für alle Maschinen des Typs verhängt haben. Das Auslieferungsziel will Boeing auch dadurch erreichen, dass 46 Maschinen bereits in der Produktion und teilweise teils so gut wie fertig sind.

Die Auslöser des Flugverbots waren ein Feuer in einem "Dreamliner" von Japan Airlines in Boston und wenig später die Notlandung einer Maschine von All Nippon Airways, bei der eine schmorende Batterie eine Rauchentwicklung ausgelöst hatte. Von rund 850 bestellten Maschinen stehen derzeit 50 an Flughäfen in aller Welt am Boden. Einzelne Fluggesellschaften haben bereits Schadenersatzforderungen angekündigt.

Analysten rechnen damit, dass Boeing alleine für den Ausfall dieser Maschinen mit einer dreistelligen Millionen-Dollar-Summe geradestehen müssen. McNerney und Finanzchef Greg Smith wollten allerdings keine Zahlen nennen. In seinen Gewinnplänen für 2013 sind solche Belastungen überhaupt nicht vorgesehen, wie die Manager betonten. McNerney zeigte sich zuversichtlich, dass die Ursache der Zwischenfälle bald gefunden wird. Zu Details der laufenden Untersuchungen dürfe er sich allerdings nicht äußern.

Auf der Suche nach der Brandursache haben in den vergangenen Tagen Experten der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB und von Boeing bereits die Hilfsturbine, das Ladegerät und die vom Feuer beschädigte Batterie unter die Lupe genommen. Die Ursache des Brandes konnten sie dabei jedoch nicht entdecken. Jetzt überprüfen sie die Steuerungsplatine der Batterie auf mögliche Mängel. Außerdem sollen frühere Probleme mit den "Dreamliner"-Batterien Hinweise auf die Brandursache liefern. So hatte All Nippon Airways bereits vor der Notlandung mehrfach Batteriesysteme bei dem Flugzeugtyp austauschen müssen.

kst/dpa-afx
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