Samstag, 7. Dezember 2019

Flughafen BER Bosch und Siemens weisen Schuld am Flughafendebakel von sich

Haustechnik in Schönefeld: Die kilometerlange Entrauchungsanlage muss 3,4 Millionen Kubikmeter Luft pro Stunde absaugen können

2. Teil: Platzeck sieht "Made in Germany infrage gestellt"

Die Botschaft wird von den politisch Verantwortlichen nach gewonnener Vertrauensfrage dankbar aufgenommen. "Die Techniker werden gar nicht infrage gestellt, immer nur der Aufsichtsrat", beklagte sich Berlins Bürgermeister Wowereit am Montag im Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck, an diesem Mittwoch als Wowereits Nachfolger zum Aufsichtsratschef gewählt, erklärte die Entrauchungsanlage im Landtag offiziell für "nicht funktionstüchtig und damit auch nicht genehmigungsfähig". Mit rhetorischem Rückgriff auf internationale Beobachter brandmarkte er die neuen Schuldigen: Die Kompetenz global tätiger deutscher Industrieunternehmen werde angezweifelt, "sogar das erfolgreiche Gütesiegel 'Made in Germany' hämisch oder mitleidig infrage gestellt".

Im Juni hatte Platzeck noch die Firmen in Schutz genommen: "Sie können nur so gut liefern, wie es die Planungsunterlagen zulassen." Dem dafür zuständigen Konsortium der Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner sowie JSK hat die Flughafengesellschaft aber längst gekündigt und eine Schadensersatzklage ins Haus gestellt. Für die abermalige Absage der Eröffnung können die Ex-Planer kaum verantwortlich gemacht werden.

Konzerne erklären ihre Technik für funktionstüchtig

Die angegriffenen Konzerne zeigen sich irritiert, dass die Schuld nun von den Planern zu ihnen geschoben wird. "Unsere Techniker sagen, alles was wir installiert haben, funktioniert", erklärt ein Bosch-Sprecher. Der schwäbische Konzern liefert, als Teil des großen Auftragspakets Sicherheitstechnik für das Fluggastterminal, Komponenten wie Brandmelder.

Vertreter von Bosch und Siemens waren am 18. Dezember auf einem Treffen mit Flughafenführung, Staatssekretär Rainer Bomba vom Bundesverkehrsministerium und dem brandenburgischen Wirtschaftsminister Ralf Christoffers, das in der Presse oft als Auslöser der neuen Sorgen genannt wird. "Da ging man sehr optimistisch raus", widerspricht der Bosch-Sprecher.

Auch Siemens, mit dem Auftrag zur Gebäudeautomation auch für die Signaltechnik der Entrauchung zuständig, beharrt darauf: "Die funktioniert nach jetzigem Bautenstand." Siemens kenne den Grund für die abermalige Verzögerung noch nicht, erklärt eine Sprecherin - und erneuert die Kritik an der Planung.

So hätten sich mit wechselnder Belegung der Ladenflächen auch die Anforderungen an Zahl und Ort der Rauchklappen geändert, und damit die von der Siemens-Steuerung zu verarbeitenden Signale. Berichte, die Firmen hätten ihre Software nicht aufeinander abgestimmt, weist sie zurück. Es handle sich um potenzialfreie Kontakte, da gebe es gar keine IT-Schnittstelle.

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