Freitag, 10. April 2020

Bosch-Chef Bernd Bohr "Elektromobilität wird kommen"

Bernd Bohr: "Ewige Quersubventionen wird es nicht geben"

4. Teil: "30 bis 40 Prozent unseres Investitionsetats nach Asien"

mm: Ihr deutscher Hauptrivale Continental wird gerade bei Dieselsystemen zuletzt immer stärker. Stärker vielleicht auch, als es Ihnen lieb sein kann?

Bohr: Bei den Aufträgen für Einspritzsysteme spielen die Abgasvorschriften immer eine große Rolle. Bezüglich Motoren, die für die Erfüllung der Euro-6-Norm konzipiert sind, schneiden wir sehr gut ab. Die Aufträge wurden zum großen Teil 2010 und 2011 vergeben, die Einnahmen fließen dann ab 2014. Das Schöne an unserer Industrie ist, dass die Marktanteile nach Vergabe der Aufträge auf Jahre ins Voraus gut prognostizierbar sind. Das Negative: Wenn man einmal nicht drin ist, ist man vorerst auch draußen.

mm: Was Ihren Umsatz in China angeht, dürfte es in den nächsten Jahren weiter nach oben gehen. Zumindest liegt dieser Schluss nahe angesichts der Multimilliarden-Investitionen, die Ihre wohl wichtigsten Kunden VW, Audi, BMW und Mercedes dort angekündigt haben.

Bohr: In der Tat sehen wir uns dort gut vorbereitet. Wir haben in den vergangenen Jahren in Asien erheblich investiert, haben dort große Fabriken gebaut. Dieser Trend wird sich angesichts der Wachstumsprognosen gerade für China in Zukunft eher noch verstärken. Vermutlich werden dann 30 bis 40 Prozent unseres Investitionsetats nach Asien fließen.

mm: Und umgekehrt 30 bis 40 Prozent Ihres Automobilumsatzes aus Asien nach Deutschland fließen?

Bohr: Warum nicht? In den vergangenen zwölf Jahren hat unser Kraftfahrzeugbereich seinen Asien-Umsatz verachtfacht. So wird es sicher nicht weiter gehen. Die Jahre, in denen ein Markt wie China um 40 oder sogar 60 Prozent gewachsen ist, werden nicht wieder kommen. Aber dennoch: die Menschen werden dort immer mehr Autos kaufen, das Wachstum wird deutlich höher bleiben als in Europa. In den traditionellen Autoregionen wie Europa und tendenziell auch in den USA geht es dagegen vor allem darum, unseren Durchschnittsumsatz pro Auto zu steigern. Dort setzen wir also auf qualitatives Wachstum.

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