Sonntag, 26. Januar 2020

Bosch-Chef Bernd Bohr "Elektromobilität wird kommen"

Bernd Bohr: "Ewige Quersubventionen wird es nicht geben"

3. Teil: "Überkapazität kostet Geld und zieht Kraft aus dem System"

mm: Sie haben die europäischen Autohersteller im September aufgerufen, Ihre Kapazitäten zu verringern, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden. GM bzw. Opel sowie Ford haben inzwischen angekündigt, Werke zu schließen. Was hat Sie damals zu den mahnenden Worten bewegt?

Bohr: Ich habe gesagt, die Zulieferer hätten ihre Hausaufgaben bei der Kapazitätsanpassung gemacht, während die Automobilhersteller ihre Kapazität in der letzten Krise 2008/09 praktisch gar nicht reduziert haben. Teilweise auch deshalb nicht, weil die nationalen Regierungen diese Unternehmen aus politischen Gründen unterstützt haben. Also gibt es die Überkapazitäten weiter, und es handelt sich - das belegen viele Analysen - immerhin um mehr als 25 Prozent. Aber Überkapazität kostet Geld und zieht Kraft aus dem ganzen System. Deswegen sagen wir: je länger man die Kapazitätsanpassung hinaus schiebt, desto teurer wird es.

mm: Als Beobachter der Branche bekommt man manchmal den Eindruck, dass mancher Autohersteller nicht ausreichend auf die Kosten achtet, und der Zulieferer und seine Mitarbeiter die Last dafür tragen müssen. Sei es über immer größeren Druck auf die Einkaufspreise, sei es über niedrigere Löhne, sei es über die Verlagerung von Produktion aus Deutschland in Länder mit niedrigeren Arbeitskosten.

Bohr: Da stehen jetzt nicht zwei geschlossene Blöcke gegeneinander; links die Hersteller, rechts die Zulieferer. Ich würde es so sagen: Wenn die Branche weniger in überflüssige Kapazitäten investierte, hätte sie mehr Geld, um Innovationen zu finanzieren. Und davon würden alle profitieren, Zulieferer wie Hersteller.

mm: Sie machen bei Bosch einen großen Teil ihres Automobilgeschäfts mit Einspritzsystemen für Dieselantriebe. Der Diesel-Anteil aber ist ausgerechnet in dem momentan schwächsten Markt am höchsten: in Europa. Wie sehr wird Sie das in den nächsten Jahren treffen?

Bohr: Auch da hilft uns unser wachsendes Geschäft in Asien...

mm: ... allerdings bei niedrigerem Gewinn ...

Bohr: ... Einspruch: Wir erzielen in Europa keine höheren Gewinnmargen als in Asien. Dort ist lediglich unser durchschnittlicher Umsatz pro Auto nicht so hoch wie in Europa. Und aktuell haben wir auch bei europäischen Herstellern im Durchschnitt höhere Marktanteile als bei asiatischen. Aber wir arbeiten schon seit Jahren daran, unser Asien-Geschäft auszubauen; und heute erzielen wir dort bereits 28 Prozent unseres Kraftfahrzeugumsatzes. Ein Drittel unserer Kraftfahrzeugingenieure sitzt in Asien, wir sind zum Beispiel bei Benzineinspritzungen Marktführer in China. Gleiches gilt, zumindest für die moderneren Systeme, auch für Diesel.

mm: Wobei Diesel in China und ganz Asien nicht die gleiche Rolle spielt wie in Europa.

Bohr: Nicht bei Pkw, das stimmt. Aber China ist der größte Nutzfahrzeugmarkt, zwei mal so groß wie die USA und Europa zusammen. Und dort kommen wir bei moderneren Dieselsystemen bereits auf einen Marktanteil von deutlich mehr als zehn Prozent. In Indien sind wir sogar Marktführer, und das bei allen Einspritzsystemen.

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