Dienstag, 28. Januar 2020

Bosch-Chef Bernd Bohr "Elektromobilität wird kommen"

Bernd Bohr: "Ewige Quersubventionen wird es nicht geben"

2. Teil: "Plug-in-Hybride entwickeln sich zum Favoriten - für Zulieferer ein Traum"

mm: Wie wollen Sie den Vorsprung der asiatischen Konkurrenten aufholen?

Bohr: Der deutsche Maschinenbau und die deutsche Chemieindustrie gehören zu den stärksten der Welt. In der Batterieproduktion aber mangelt es bislang an Kompetenz und Erfahrung. Das wollen wir ändern, gemeinsam mit unseren Zulieferern und Kunden Alleinstellungsmerkmale entwickeln und eine europäische Zulieferindustrie aufbauen.

mm: Und dann rechtzeitig vor 2020 doch eine Großfabrik in Deutschland bauen?

Bohr: Zumindest rechtzeitig und in Europa. Bis dahin müssen aber zwei Dinge passieren, die E-Mobilität bezahlbar machen. Zum einen ein Technologiesprung. Die Batteriekapazität muss um den Faktor zwei bis drei besser werden. Aber das erscheint möglich. Eine ähnliche Kosten- und Leistungsentwicklung hat es bei Lithium-Batterien für kleinere Produkte wie Telefone, Heimwerkerwerkzeuge und sogar Rasenmäher auch gegeben.

mm: Der zweite Punkt?

Bohr: Der Markt wird sich verändern. Nicht reine E-Fahrzeuge, sondern Plug-in-Hybride entwickeln sich aktuell zum Favoriten der Autoindustrie, also Modelle, mit denen Sie 20, 30 oder 40 Kilometer rein elektrisch fahren können, die sich an der Steckdose aufladen lassen, die aber auch einen normalen Benziner oder Diesel an Bord haben. Für Zulieferer ist das ein Traum: zwei Antriebssysteme gleichzeitig, und wir bieten beide an.

mm: Da müssen Sie nur noch sehen, dass Volkswagen, BMW und Co. auch bei Ihnen kaufen. Welchen Marktanteil streben Sie im Batteriegeschäft an?

Bohr: Unsere Erfahrung zeigt: Unter 10 bis 15 Prozent Weltmarktanteil ist es im Automobilgeschäft schwierig. Die erfolgreichsten Hersteller kommen bei starken Produkten durchaus auf 30 Prozent Marktanteil.

mm: Herr Bohr, aktuell schwächelt nicht nur das Geschäft mit Elektroautos. Die Nachfrage bröckelt insgesamt, insbesondere in Europa. Was erwarten Sie für 2013?

Bohr: Wachstum, zumindest weltweit; auch wenn Prognosen wegen der Euro-Krise ein wenig dem Lesen in der Kristallkugel gleichen. Wir dürfen uns nicht zu sehr auf Europa fokussieren. Dort erwarten wir in der Tat einen leichten Rückgang. Ein leichtes Plus in den USA, eine wieder stärker wachsende Nachfrage in Asien, insbesondere in China und auch in Indien werden das indes mehr als ausgleichen. Und in Asien erzielen wir inzwischen nicht nur ähnliche Renditen wie in Europa, wir erwirtschaften dort auch fast 30 Prozent unseres Automobilumsatzes.

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