Gewinnziel bestätigt Linde spart sich durch die Konjunkturflaute

Der Industriegase-Konzern Linde stemmt sich mit einem neuen Sparprogramm und dem Ausbau seines Gesundheitsgeschäfts gegen die schwache Konjunktur in Europa. Mit einer raschen Erholung des Wirtschaftsumfelds rechnet Konzernchef Wolfgang Reitzle nicht. Er bestätigte aber die Ziele für 2012.
Gaszylinder von Linde: Der Konzern will bis 2016 weitere 750 bis 900 Millionen Euro einsparen

Gaszylinder von Linde: Der Konzern will bis 2016 weitere 750 bis 900 Millionen Euro einsparen

Foto: Linde Group

München - Mit dem Sparpaket, das ab kommendem Jahr bis 2016 rund 750 bis 900 Millionen Euro einbringen soll, will Linde-Chef Wolfgang Reitzle den Konzern noch wetterfester machen. So sollen die Gewinnmargen auch in härteren Zeiten gesichert werden, wie der Manager am Montag zur Vorlage des Berichts zum dritten Quartal in München sagte.

Mit einer raschen Erholung des Wirtschaftsumfelds rechnet Reitzle nicht. "Wir stellen uns auf eine schwierigere Entwicklung im nächsten Jahr ein", sagte der Manager. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone in diesem Jahr um 0,4 Prozent schrumpft. Für 2013 rechnet der IWF mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent. Im abgelaufenen Quartal baute Linde seinen operativen Gewinn binnen Jahresfrist um 12,9 Prozent auf 908 Millionen Euro aus.

Zudem bekräftigte Linde  die Konzernziele für dieses Jahr. An der Börse konnte der weltweit zweitgrößte Hersteller von Industriegasen nach der französischen Air Liquide mit seinem Bericht punkten. Die Linde-Aktie war zeitweise mit einem Plus von 2,7 Prozent größter Gewinner im DAX.

Analysten äußerten sich positiv. "Trotz des härteren Geschäftsumfelds hat es Linde geschafft, recht solide Ergebnisse abzuliefern", erklärte Nadeshda Demidova vom Brokerhaus Equinet. Das neue Sparprogramm werde die Ergebnisse weiter verbessern helfen.

Kleiner Lichtblick in China

Zwar rechnet Linde 2013 mit weiterem Wachstum im Konzern. Das werde im Gasegeschäft aber wahrscheinlich bescheidener ausfallen als zuletzt, sagte Reitzle. "Es wird überall zäher", räumte der Manager ein. Einen kleinen Lichtblick gebe es im China in den letzten Wochen. Insgesamt baue Linde darauf, mit einer breiten Aufstellung, viel Geschäft in den Schwellenländern und dem Ausbau der Gesundheitssparte dem schärferen Gegenwind trotzen zu können.

An den Zielen für das laufende Jahr rüttelte das Management nicht. Das Unternehmen, das unter anderem die Stahl- und Elektrobranche mit Sauerstoff und Stickstoff beliefert, will 2012 seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr erhöhen und sein operatives Konzernergebnis ausbauen.

Damit würde Linde die Rekordzahlen 2011 übertreffen, als ein Umsatz von 13,79 Milliarden Euro und ein operativer Gewinn von 3,21 Milliarden Euro in den Büchern standen. Beitragen soll dazu das dieses Jahr auslaufende vierjährige Sparprogramm, das bis zu 800 Millionen Euro einbringen soll. "Es sieht derzeit so aus, als kämen wir ganz nahe an das obere Ende unserer Zielmarke heran", sagte Reitzle.

Lincare-Übernahme soll stützen

Stützen soll Linde in einem härteren Umfeld die kürzlich abgeschlossene Übernahme des US-Gesundheitsdienstleisters Lincare, der bereits seit August in der Konzernbilanz steht. Für den Kauf des US-Konzerns, der Atemwegspatienten zu Hause mit Sauerstofftherapien versorgt, hatte Linde rund 3,6 Milliarden Euro gezahlt. Das Geschäft gilt als weniger konjunkturabhängig im Vergleich zum klassischen Gasegeschäft.

Mit Lincare ist Linde im Feld Medizingase und in der Gase-Versorgung von Atemwegspatienten die Nummer eins weltweit geworden vor dem Konkurrenten Air Liquide. Die Übernahme zahlte sich bereits im dritten Quartal aus. Der Konzern setzte von Juli bis September insgesamt 3,89 Milliarden Euro um und damit 13,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Lincare steuerte bereits Umsätze bei. Neben Lincare halfen auch eine kräftige Nachfrage aus Osteuropa und Asien sowie der zuletzt schwache Euro. Probleme zeigten sich im allerdings im Gasegeschäft in Europa, das die schwache Konjunktur zu spüren bekam. Zudem nagte an den Umsätzen, dass eine Anlage in Südeuropa wegen Wartungsarbeiten stillstand. Unter dem Strich blieb ein bereinigter Gewinn von 402 Millionen Euro im Quartal - ein Plus von 8,4 Prozent.

Operatives Ergebnis von mindestens 4 Milliarden Euro angestrebt

Seine mittelfristigen Ziele bekräftigte der Konzern. Linde-Chef Reitzle strebt für das Jahr 2013 ein operatives Konzernergebnis von mindestens vier Milliarden Euro an. Zudem soll Linde 2015 eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von mindestens 14 Prozent erzielen. 2011 lag sie bei 13,0 Prozent.

Zur Zukunft seiner Person nach Ablauf seines Vertrages zur Hauptversammlung 2014 wollte sich Reitzle nicht äußern. Das sei Thema des Aufsichtsrats, sagte er. Zuletzt war in Medien spekuliert worden, Reitzle könnte womöglich noch vor Ablauf der gesetzlichen Karenzzeit von zwei Jahren in den Aufsichtsrat streben.

In der vergangenen Woche waren bereits die Quartalszahlen des Konkurrenten Air Liquide  positiv an der Börse aufgenommen worden. Die Franzosen bauten ihren Umsatz um 5,7 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro aus. Damit zeigten die großen Gasekonzerne erneut, dass sie gegen Konjunktureintrübungen besser gefeit sind als die Unternehmen, die im klassischen Chemiegeschäft tätig sind. BASF  , DuPont und Dow Chemical  hatte die Konjunkturflaute deutlich stärker zugesetzt.

mg/reuters
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