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Widerstand gegen Goldminen: Weltgrößtem Goldkonzern droht Debakel

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Widerstand gegen Goldminen Weltgrößtem Goldkonzern droht Debakel mit Vorzeigemine

Barrick Gold hat einen berüchtigten US-Diplomaten engagiert, um seinen wichtigsten Trumpf zu sichern: eine neue Mine in der Karibik. Doch der Streit um sie eskaliert. Dem krisengeschüttelten Marktführer - und mit ihm der ganzen Goldbranche - droht der Absturz.
Von Stefan Biskamp

Buenos Aires - Unter den zahlreichen Neuzugängen der jüngsten Zeit in der Führung von Barrick Gold ragt einer heraus. Er ist kein Bergbauspezialist. Über die Managementqualitäten des neuen Spitzenmanns beim weltgrößten Goldproduzenten ist wenig bekannt. Überhaupt: Vieles von dem, was er getan hat, ist Verschlusssache.

In den 80er Jahren taucht er in Honduras auf, ein Schreibtischjob in der US-Botschaft. Dann in der Dominkanischen Republik und zurück in Honduras - diesmal als Militärattaché der USA, die von dort aus den Krieg der Contras gegen die Sandinisten in Nicaragua steuern. Er sei in den diplomatischen Dienst gegangen, "um gegen Kommunisten zu kämpfen", sagt er einmal. Später wird er Interims-Botschafter in Argentinien, wo er die Regierung öffentlich warnt, es sei ein "Kriegsgrund", Patente von US-Firmen zu unterlaufen. Zuletzt führt ihn das für Lateinamerika zuständige Südliche Kommando der US-Streitkräfte als Sonderberater.

Manuel Rocha: Welches Problem könnte er bei Barrick  lösen? Ein entscheidendes. Er soll dafür sorgen, dass der einzige neue Ertragsbringer des von Missmanagement erschütterten Konzerns den versprochenen Gewinn von 800 Millionen Dollar pro Jahr tatsächlich liefert. Das gewaltige Goldbergwerk Pueblo Viejo in der Dominikanischen Republik wird derzeit hochgefahren - gerade noch rechtzeitig, um den Aktienkurs zu stützen, der sich seit Juli erholt und sogar die jüngste Goldpreishausse überrannte.

Doch einen Mann wie Rocha als Landeschef in die Dominikanische Republik zu schicken, kommt einem Geständnis gleich: Dem Vorstand musste klar gewesen sein, dass ein Debakel droht, das ein normaler Branchenspezialist nicht verhindern kann.

Auf den Straßen wächst der Widerstand

Gerade begann im dominikanischen Parlament eine Debatte über Barricks Steuerbefreiungen, denn die neue Regierung muss sparen. Sie plant drastische Steuererhöhungen zulasten der Bevölkerung und heimischer Unternehmen, um die Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Auf den Straßen wächst der Widerstand gegen Barrick zu einer Volksbewegung heran. Die einen fordern die vom Konzern versprochen Arbeitsplätze; Demonstrationen häufen sich, zuletzt wurden dabei Dutzende verletzt. Andere wollen die Goldmine ganz schließen lassen.

Ein Ex-General kündigte an, dafür eine Million Unterschriften zu sammeln; das wären 10 Prozent der Dominikaner. Die Nationale Umweltversammlung will gar den gesamten Bergbau stoppen und "im ganzen Land die Beweise dafür verbreiten, dass die Megaminen und der Einsatz von Zyanid für unsere Insel der ökologische und ökonomische Tod sind, auch wenn wir mit einem neuen Vertrag mehr einlösen".

"Wir müssen unsere Anstrengungen vervielfachen, Barrick und die anderen Minenkonzerne aus dem Land zu jagen und den Rocha dazu", sagt Domingo Abréu Collado, Koordinator der Organisation im Gespräch mit manager magazin online. "Unser Ziel ist, dass sich die gesamte Bevölkerung friedlich, aber entschlossen erhebt." Die Gegner meinen es ernst und sind nicht hilflos: Eine Mine von Xstrata , nicht weit von Barricks Standort im Bau, wurde vor wenigen Tagen aus Umweltschutzgründen erstinstanzlich von einem dominikanischen Gericht gestoppt.

Missmanagement - Barrick geht über Leichen

Höhere Abgaben oder Produktionsstopps würden Barrick hunderte Millionen Dollar kosten. Und Aktionäre müssten sich fragen, wie andere Projekte laufen, wenn nicht einmal die nach Plan gestartete Vorzeigemine ihre Versprechen einlöst. Die Geschichte von Pueblo Viejo zeigt, dass die wegen des steigenden Goldpreises scheinbar risikolose Rendite der Goldproduzenten ein Bluff ist.

Barricks Verwaltungsrat wechselte in den vergangenen Monaten das halbe Management aus, den CEO, Finanzvorstand, Landeschefs und Werksleiter, denn die Kostensteigerungen gerieten außer Kontrolle. Die neue Führung stellte die afrikanischen Minen zum Verkauf, stoppte renditeschwächere Projekte - und konzentriert sich voll auf das größte, die Mine Pascua Lama in den Anden, auf den ersten Blick ein ökonomisches Perpetuum Mobile: Da Barrick dort nebenbei auch Silber  gewinnen könnte, wären die Kosten der Goldförderung rechnerisch negativ, der Betriebsgewinn pro Unze läge gut 225 Dollar über dem Goldpreis. Doch der Kapitalaufwand steigt und steigt, Mitte des Jahres setzte Barrick die Investitionsschätzung mit einem Schlag um 50 bis 60 Prozent auf gut acht Milliarden Dollar hoch. Produktionsstart ist nun frühestens 2014. Die Lücke muss Pueblo Viejo schließen.

Die Ursache des Desasters: Missmanagement. Barrick wollte die Mine ohne externe Hilfe anlegen. Und scheiterte. Nun soll der US-Dienstleister Flour die Kosten drücken, doch Lieferanten in Argentinien beschweren sich schon heute darüber, bei ihnen bleibe zu wenig Geld hängen. Das Projekt ist in jeder Hinsicht riskant: Die Witterungsbedingungen auf 5000 Metern Höhe forderten unter den Arbeitern dutzende Todesopfer, deren genaue Zahl Barrick auf Anfrage von manager magazin online nicht nannte. Verhandlungen muss Barrick gleich mit zwei Regierungen führen, Argentiniens und Chiles, in deren Grenzgebiet die Mine liegt; wegen eines Steuerstreits ist das binationale Sonderabkommen mit Barrick suspendiert.

Sagenhafte Eigenkapitalrendite

In beiden Ländern wehren sich Anwohner gegen Umweltschäden. In Argentinien stehen Gletscher unter Schutz, und eine Ausnahmeregelung der Provinz, in der Pascua Lama liegt, erklärte der Oberste Gerichtshof im Juli für nichtig. Barrick betont, das Urteil sei folgenlos für die Mine. Mehrere Gletscher auf den Claims verschwanden jedoch während der Bauarbeiten nahezu. Möglich, dass sich die Studien über den Gletscherbestands solange hinauszögern, bis Barrick durch den Produktionsstart vollends Tatsachen geschaffen hat. Sicher ist es nicht. Deshalb muss Pueblo Viejo liefern.

Danach sah es auch lange Zeit aus. Barrick hält an der Mine 60 Prozent und betreibt sie; den Rest hält Goldcorp . Bis zu 3,8 Milliarden Dollar an Investitionen sind geplant, eine Milliarde davon ist durch günstige Kredite, unter anderem der Deutschen Bank , finanziert. Derzeit liegt der Goldpreis bei knapp 1800 Dollar. Vorsichtig mit 1600 Dollar pro Unze kalkuliert liegt der Wert der Mine bei 40,5 Milliarden Dollar.

Die Jahresförderung von gut eine Million Unzen liefert den Eignern bei den im branchenvergleich sehr niedrigen Produktionskosten von jeweils rund 300 Dollar einen operativen Gewinn von mehr als 1,3 Milliarden Dollar und vor allem: eine sagenhafte Eigenkapitalrendite von knapp 50 Prozent. Allerdings vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern.

Barricks Polit-Lobby - die fragwürdigen Methoden in der Dominikanischen Republik

Und nun der Clou: Barrick schnappte sich die Mine 2006 durch die Übernahme des Rivalen Placer Dome. Damals waren Abgaben progressiv an den Goldpreis gekoppelt. Als er durch die Decke schoss, nutzte Barrick seine politischen Beziehungen; im Verwaltungsrat sitzen Ex-Ministerpräsidenten wie der Kanadier Brian Mulroney, sowie der eng mit Washington vernetzte venezolanische Milliardär Gustavo Cisneros; US-Fonds sind die Hauptaktionäre.

Der damalige dominikanische Präsident Leonel Fernandez paukte im Eilverfahren eine Vertragsänderung für Barrick durch. Das Unternehmen betont, der parlamentarische Prozess sei transparent gewesen. Es gibt allerdings Abgeordnete, die sich öffentlich schämen, der Änderung zugestimmt zu haben, ohne sie zu lesen.

Fernandez, der gerade aus Amt schied, wurde vor wenigen Tagen vom Canadian Council for the Americas als "Staatsmann des Jahres" ausgezeichnet. Barrick mit Sitz in Toronto ist Hauptsponsor des Council. "Der Preis ist auf Ekel erregende Weise unmoralisch", sagt Abréu, "aber auch normal für Politiker, die bereit sind, unser Land zu verramschen."

Dem geänderten Vertrag zufolge muss Barrick 28,75 Prozent seines Minengewinns erst zahlen, wenn die Investitionen zuzüglich einer Rendite von 10 Prozent erwirtschaftet sind. Barrick schreibt die Investitionen beschleunigt ab, so dass zunächst keine Einkommenssteuer fällig ist. Der Vertrag differenziert nicht zwischen Eigenkapital und Kredit, von dem Hebel profitiert der Staat nicht.

Abgeordneter Garcia: "Erniedrigung des dominikanischen Volkes"

Die Konsequenz: In den ersten drei bis vier Jahren muss Barrick nur eine Lizenzgebühr von 3,2 Prozent der Goldproduktion abgeben und kassiert 25 mal mehr als der Staat, dem das Gold gehört und in der Zeit sein Schuldenproblem in den Griff bekommen will.

Der Ertrag aus gefördertem Kupfer , Zink  und dem ebenfalls vorhandenen Platin  ist im Vertrag teils gar nicht berücksichtigt. Abgeordnete und Wissenschaftler gehen davon aus, dass Barrick darüber hinaus Investitionen aufgebläht hat, um Steuern zu vermeiden. Vorbesitzer Placer Dome hatte 9 Prozent der aktuellen Investitionen veranschlagt, allerdings auch nur 40 Prozent des heute geschätzten Goldvorkommens; Barrick verweist auf gestiegene Löhne.

Der neue Konzernchef Jamie Sokalsky nennt das "schöne" Projekt ein "gutes Beispiel für eine erfolgreiche Low-Cost-Produktion, die einen bedeutenden Beitrag zu unserem Cash-Flow liefern wird". Möglich. Aber nicht ausgemacht. Denn statt im Stillen zu verhandeln, verschärfte Ex-Diplomat Rocha den Konflikt.

Kurz nach seinem Amtsantritt im September bezichtigte die Landesgesellschaft in einer Mitteilung die Parlamentarier, sie würden mit ihrer Absicht, den Vertrag zu revidieren, "ihr Unverständnis in Steuersachen" beweisen; andere Regierungen würden ihn als Modellvertrag loben. Namen dieser Regierungen nannte Barrick auf Anfrage von manager magazin online nicht; Anfragen dieses "Detail-Niveaus" seien unüblich.

Der Abgeordnete Carlos Gabriel Garcia, der den Antrag zur Vertragsrevision im Parlament einbrachte, nennt Barricks Verhalten "präpotent und arrogant" und die Vereinbarung "eine Erniedrigung des dominikanischen Volkes". Die Anfrage von manager magazin online, wie stark eine Revision den Konzern belasten würde, beantwortete Barrick nicht. Sollte, wie nun gefordert, von Beginn an die Hälfte des Gewinns an den Staat gehen, wären das 400 Millionen Dollar pro Jahr allein von Barrick. Die Fiskalreform zulasten der Dominikaner wäre hinfällig, Barricks Erfolgsstory ebenfalls.

Anwohner und Umweltschützer gehen gegen Pueblo Viejo auf die Barrikaden

Für viele Dominikaner ist Barricks Auftritt unter Rocha eine Provokation und für einige noch weit mehr. Abréu nennt Rocha einen "Saboteur, Unruhestifter und Anti-Lateinamerikaner". Woher kommt der Hass? Seit Jahren protestieren Anwohner und Umweltschützer gegen Pueblo Viejo.

Die Mine nutzt 24 Tonnen Zyanid pro Tag, verdünnt mit Unmengen Wasser um im großflächigen Tagebaubetrieb 2,76 Gramm Gold  aus jeweils einer Tonne Gestein zu waschen. Eine in den 90er Jahren aufgegebenen Vorgängermine kontaminierte auf ähnliche Weise mehrere Flüsse, das Grundwasser und weite Ländereien im zentralen Gebirgszug, dem Wasserreservoir der Insel.

Barrick entsorgte die Hinterlassenschaften nach eigenen Angaben, doch während des Aufbaus von Pueblo Viejo hagelte es neue Beschwerden: Risse wurden im Staudamm eines riesigen Auffangbeckens der giftigen Restflüssigkeit entdeckt; Anwohner meldeten irreguläre Abholzungen und neue Kontaminierungen von Flüssen, die Barrick abstreitet; 2010 wurden hunderte Arbeiter vergiftet. Barrick sagte, Hygieneprobleme in der Kantine seien schuld gewesen. Eine Kommission der Universität von Santo Domingo ermittelte jedoch, die Arbeiter seien auf chemische Vergiftung und nicht bakterielle Infektion behandelt worden. Barrick habe die Untersuchung behindert.

Seit die Miene Mitte August ihren Probebetrieb aufnahm, nimmt der Protest zu. "Nach drei Jahren Bauzeit hat das Unternehmen einen großen Teil der Leute entlassen, denen sie dauerhafte Beschäftigung versprochen hatte", sagt Abréu. Barrick betont, 88 Prozent der Mitarbeiter seien Dominikaner, nennt aber nicht deren Anzahl. Sie liegt Minengegnern zufolge nach mehreren Tausend in der Bauphase bei heute nur noch 850.

Verantwortung für das Landproblem abgelehnt

Schon im Jahr 2010 gab es Ärger, als 80 Arbeiter entlassen wurden, nachdem sie sich gewerkschaftlich organisiert hatten. Und die Bewohner eines Bauerndorfs, das der Mine weichen musste, freuen sich zwar über neue Häuser - aber sie klagen, sie wüssten nicht, wovon sie leben sollten, da Barrick das Versprechen neuer Anbauflächen schuldig geblieben sei; Arbeit in der Mine gebe es auch nicht. Barrick lehnt die Verantwortung für das Landproblem ab.

Ende September eskalierte der Protest. Durch einen harten Polizeieinsatz gegen Demonstranten, die Jobs in der Mine forderten, wurden mehr als 30 Menschen zum Teil schwer verletzt. Ein 17-jähriger Schüler schwebte nach einem Kopfschuss in Lebensgefahr. Die Demonstration in der Kleinstadt Cotuí, in der Nachbarschaft des Bergwerks habe friedlich begonnen, berichten Augenzeugen, darunter Reporter, die zu den Verletzten gehörten. Nachdem die Polizei das Feuer eröffnet hatte, war Cótui zwei Tage lang im Belagerungszustand. Weitere Protestmärsche folgten.

Barrick teilte mit, Ortsfremde hätten die Bewohner der Kleinstadt aufgewiegelt und die öffentliche Ordnung gefährdet. Umweltschützer Abréu sagt, Ex-Militärattaché Rocha sei geschickt worden, "um die wachsende Widerstandsbewegung gegen Barrick und alle Bergbaukonzerne mit allen Mitteln niederzuschlagen, auch mit militärischer Gewalt".

Die Bevölkerung sei vom harten Vorgehen der Polizei überrascht gewesen, "und ich fühle Schmerz und Angst. Bis dahin gab es keine Attacken gegen Märsche, Straßenblockaden und Demonstrationen gegen Barrick." Die Umweltversammlung habe die Eskalation vorausgesehen und suche das Gespräch mit der Polizeiführung, "um ihr klarzumachen, dass sich die Proteste steigern, und sie sich nicht in den Dienst der Unternehmen stellen darf".

Militärattaché Rocha: Seine größte Tat ist eine Rede

Barrick beantwortete die Anfrage von manager magazin online nicht, ob Rocha vor dominikanischen Funktionären Sicherheitsfragen zur Sprache brachte. Zuvor hatte sich Barrick beklagt, Minengegner würden die Sicherheit der Arbeiter gefährden. Augenzeugen des jüngsten blutigen Protests berichten, die Polizei habe das Feuer erst eröffnet, als sich die Demonstranten weigerten, die Zugangsstraße der Mine freizugeben.

Der Vorwurf gegen Barrick, politisch über Bande zu spielen, ist nicht neu. Der Bürgermeister der Kleinstadt berichtete vor einem Jahr, ein Staatssekretär habe ihn aufgefordert, er solle den Widerstand der Bewohner brechen: "Lösen Sie das Problem", die Regierung stehe unter "großem internationalen Druck".

Und Rocha hat seinen Ruf als Saboteur genüsslich produziert. Seine größte Tat ist eine Rede. Sie dauert nur gut eine Minute. Er liest sie vom Blatt ab. Er trägt ein blaues Jeanshemd. Die Sonnenbrille im rundlichen Gesicht wirkt verwegen. Erregung? Ist nur zu ahnen. Seine Stimme vibriert kaum merklich. Scharf klingt sie, aber das mag der Qualität der Aufnahme vom 26. Juni 2002 geschuldet sein, vier Tage später wählt Bolivien einen neuen Präsidenten. Die Kamera zeigt die Halle einer Militärschule in einer bolivianischen Provinzstadt. Hunderte hocken auf dem Boden und hören zu, wie Rocha Wahlkampf macht, obwohl er gar nicht zur Wahl steht: Er ist dort damals US-Botschafter.

Lateinamerikas Zwei-Klassen-Gesellschaft

Zwei der drei aussichtsreichsten Kandidaten haben beste Beziehungen zu Washington, einer nicht: Evo Morales, der Gewerkschaftsführer der Kokabauern. Rocha blickt vom Blatt auf, und es ist die Regungslosigkeit seines Gesichts, die seine Worte hart macht: "Bürger Boliviens, öffnet die Augen. Die Zukunft Eurer Kinder und Familien liegt in Euren Händen." Er suggeriert, Morales sei ein Sympathisant Osama bin Ladens; er warnt die Bolivianer, die USA würden mit ihnen nur Geschäfte machen, "wenn Bolivien nicht in den Kokain-Handel verwickelt ist".

Rocha scheitert. Die Attacke bestätigt die Ängste vieler Bolivianer, ihr Land werde heimlich von Washington aus regiert. Morales hat zuvor ausrichten lassen, er wolle nur noch mit Rocha und nicht mit "seinen Angestellten", den anderen Kandidaten, reden. Die Ansprache des Botschafters mehrt seine Stimmen, er verliert die Wahl knapp, die nächste jedoch gewinnt er.

Rocha verließ kurz nach der Rede den diplomatischen Dienst. Später erklärte er in einem Vortrag, die Länder Lateinamerikas teilten sich in zwei Klassen: In denen einen würden die Menschen auf der Straße den Namen des US-Botschafters kennen, in den anderen nicht.

Daran gemessen hat er in der Dominikanischen Republik schon gewonnen. So wie damals in Bolivien.

Epilog: Zwei Welten.

Auf die Frage, was ihn antreibe, sagt Abréu, der Umweltschützer und international anerkannter Höhlenforscher: "Ich fühle eine tiefe Verbundenheit mit der Erde, dem Wasser, den Höhlen und mit allem, was auf der Erde und in ihr lebt. Ich bin ein Mann der Wissenschaften, aber auch der Spiritualität und ein Bruder aller Menschen.

Ich weiß um unsere alten Kulturen auf der Insel und um den Schmerz, bis zum gemeinsamen Selbstmord gehen zu müssen, um frei zu sterben und nicht als Sklave. Und ich sehe, wie sich heute die Geschichte zu wiederholen droht: Entweder wir unterwerfen uns, oder wir begehen Selbstmord. Ich ziehe es vor zu kämpfen, um sie aus dem Land zu vertreiben und einen Weg zu einer Kultur der Natur einzuschlagen."

Auf der Hauptversammlung 2010 sagte Peter Munk, der Gründer und Präsident von Barrick: "Wenn wir in diese Länder gehen, bringen wir Geld. Alle Präsidenten, in der Dominkanischen Republik, in Argentinien, in Chile sagen: Bitte, bitte kommen Sie, wir brauchen Ihr Geld. Aber wir bringen mehr: menschliche Würde. Wir geben den Menschen die Möglichkeit, Geld zu verdienen und nicht mehr abhängig zu sein von Almosen.

Ja, wir werden attackiert. Ich meine nicht die Nichtregierungsorganisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, aber es gibt da ein wachsendes rohes Element. Sie wollen nicht mit uns reden. Sie wollen, dass wir gehen. Sie lieben die Natur. Aber was können sie bieten? Können sie Arbeit bieten? Können sie den Menschen Würde bieten?"

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