Mittwoch, 21. August 2019

Widerstand gegen Goldminen Weltgrößtem Goldkonzern droht Debakel mit Vorzeigemine

Widerstand gegen Goldminen: Weltgrößtem Goldkonzern droht Debakel
dapd

5. Teil: Militärattaché Rocha: Seine größte Tat ist eine Rede

Barrick beantwortete die Anfrage von manager magazin online nicht, ob Rocha vor dominikanischen Funktionären Sicherheitsfragen zur Sprache brachte. Zuvor hatte sich Barrick beklagt, Minengegner würden die Sicherheit der Arbeiter gefährden. Augenzeugen des jüngsten blutigen Protests berichten, die Polizei habe das Feuer erst eröffnet, als sich die Demonstranten weigerten, die Zugangsstraße der Mine freizugeben.

Der Vorwurf gegen Barrick, politisch über Bande zu spielen, ist nicht neu. Der Bürgermeister der Kleinstadt berichtete vor einem Jahr, ein Staatssekretär habe ihn aufgefordert, er solle den Widerstand der Bewohner brechen: "Lösen Sie das Problem", die Regierung stehe unter "großem internationalen Druck".

Und Rocha hat seinen Ruf als Saboteur genüsslich produziert. Seine größte Tat ist eine Rede. Sie dauert nur gut eine Minute. Er liest sie vom Blatt ab. Er trägt ein blaues Jeanshemd. Die Sonnenbrille im rundlichen Gesicht wirkt verwegen. Erregung? Ist nur zu ahnen. Seine Stimme vibriert kaum merklich. Scharf klingt sie, aber das mag der Qualität der Aufnahme vom 26. Juni 2002 geschuldet sein, vier Tage später wählt Bolivien einen neuen Präsidenten. Die Kamera zeigt die Halle einer Militärschule in einer bolivianischen Provinzstadt. Hunderte hocken auf dem Boden und hören zu, wie Rocha Wahlkampf macht, obwohl er gar nicht zur Wahl steht: Er ist dort damals US-Botschafter.

Lateinamerikas Zwei-Klassen-Gesellschaft

Zwei der drei aussichtsreichsten Kandidaten haben beste Beziehungen zu Washington, einer nicht: Evo Morales, der Gewerkschaftsführer der Kokabauern. Rocha blickt vom Blatt auf, und es ist die Regungslosigkeit seines Gesichts, die seine Worte hart macht: "Bürger Boliviens, öffnet die Augen. Die Zukunft Eurer Kinder und Familien liegt in Euren Händen." Er suggeriert, Morales sei ein Sympathisant Osama bin Ladens; er warnt die Bolivianer, die USA würden mit ihnen nur Geschäfte machen, "wenn Bolivien nicht in den Kokain-Handel verwickelt ist".

Rocha scheitert. Die Attacke bestätigt die Ängste vieler Bolivianer, ihr Land werde heimlich von Washington aus regiert. Morales hat zuvor ausrichten lassen, er wolle nur noch mit Rocha und nicht mit "seinen Angestellten", den anderen Kandidaten, reden. Die Ansprache des Botschafters mehrt seine Stimmen, er verliert die Wahl knapp, die nächste jedoch gewinnt er.

Rocha verließ kurz nach der Rede den diplomatischen Dienst. Später erklärte er in einem Vortrag, die Länder Lateinamerikas teilten sich in zwei Klassen: In denen einen würden die Menschen auf der Straße den Namen des US-Botschafters kennen, in den anderen nicht.

Daran gemessen hat er in der Dominikanischen Republik schon gewonnen. So wie damals in Bolivien.

Epilog: Zwei Welten.

Auf die Frage, was ihn antreibe, sagt Abréu, der Umweltschützer und international anerkannter Höhlenforscher: "Ich fühle eine tiefe Verbundenheit mit der Erde, dem Wasser, den Höhlen und mit allem, was auf der Erde und in ihr lebt. Ich bin ein Mann der Wissenschaften, aber auch der Spiritualität und ein Bruder aller Menschen.

Ich weiß um unsere alten Kulturen auf der Insel und um den Schmerz, bis zum gemeinsamen Selbstmord gehen zu müssen, um frei zu sterben und nicht als Sklave. Und ich sehe, wie sich heute die Geschichte zu wiederholen droht: Entweder wir unterwerfen uns, oder wir begehen Selbstmord. Ich ziehe es vor zu kämpfen, um sie aus dem Land zu vertreiben und einen Weg zu einer Kultur der Natur einzuschlagen."

Auf der Hauptversammlung 2010 sagte Peter Munk, der Gründer und Präsident von Barrick: "Wenn wir in diese Länder gehen, bringen wir Geld. Alle Präsidenten, in der Dominkanischen Republik, in Argentinien, in Chile sagen: Bitte, bitte kommen Sie, wir brauchen Ihr Geld. Aber wir bringen mehr: menschliche Würde. Wir geben den Menschen die Möglichkeit, Geld zu verdienen und nicht mehr abhängig zu sein von Almosen.

Ja, wir werden attackiert. Ich meine nicht die Nichtregierungsorganisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, aber es gibt da ein wachsendes rohes Element. Sie wollen nicht mit uns reden. Sie wollen, dass wir gehen. Sie lieben die Natur. Aber was können sie bieten? Können sie Arbeit bieten? Können sie den Menschen Würde bieten?"

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